Mehr Menschen haben 2025 im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg ihr Leben auf der Straße verloren – die Zahl stieg erstmals seit 2021 wieder an.
Im Schnitt krachte es zwei Mal pro Stunde – fast 50 Verkehrsunfälle täglich verzeichnete das Polizeipräsidium Offenburg 2025 in der Ortenau, dem Landkreis Rastatt und in Baden-Baden. In der Konsequenz lassen sich fast acht Verletzte pro Tag aus der Verkehrsunfallstatistik herauslesen. Die Zahlen stellte Polizeipräsident Jürgen Rieger gemeinsam mit Martin Plate, Leiter der Schutzpolizei, und Polizeihauptkommissar Tobias Dohl am Freitagnachmittag vor.
Zahl der Verkehrsunfälle steigt leicht: Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle (inklusive Autobahn) erneut gestiegen: Mit 17 727 Unfällen hat es 332 Mal häufiger gekracht als noch 2024. Das ist ein leichter Anstieg um zwei Prozent, im Landesschnitt stieg die Zahl um ein Prozent. Für die Ortenau allein verzeichnete die Polizei insgesamt 9621 Unfälle (plus 110, ohne Autobahn). Dort wurden 2025 insgesamt 1382 Menschen im Straßenverkehr verletzt, 72 mehr als 2024.
Deutlich mehr Verkehrstote als im Vorjahr: „Was uns Sorgen macht, ist die Anzahl der Getöteten“, konstatierte Rieger. Mit 28 Verkehrstoten verzeichnete die Polizei 2025 ein Drittel mehr als im Vorjahr (21 Tote).
„Unter den Getöteten waren unter anderem acht Fußgänger, sechs Rad- und fünf Pedelecfahrer, vier Motorradfahrer und ein E-Scooter-Fahrer“, zählte der Polizeipräsident auf. Tragischerweise findet sich unter den Verkehrstoten 2025 auch ein Kind. Besonders auffällig: 16 der Verkehrstoten des vergangenen Jahres gehören der Gruppe der Senioren an. Diese Zahl hat sich im Vergleich zu 2024 verdoppelt. „Wir gehen davon aus, dass wir uns dieser Gruppe verstärkt widmen müssen“, so Rieger.
Insgesamt 16 der im Straßenverkehr gestorbenen Menschen entfallen auf die Ortenau. Der bisherige Verlauf des Jahres gibt jedoch Grund zur Hoffnung: Während die Polizei bis Mitte Februar 2025 bereits sechs Verkehrstote verzeichnete, sind es dieses Jahr bislang keine.
Vorfahrtsmissachtung ist Ursache der meisten Unfälle: Fast jeder fünfte Unfall mit Verletzten (ohne A 5) wurde vergangenes Jahr durch eine Vorfahrtsmissachtung verursacht. Auf Platz zwei – mit 17 Prozent – liegt die Geschwindigkeit. „Es ist nicht die absolute Geschwindigkeit, die hier die große Rolle spielt, sondern das der Situation – also an Witterung, Sicht, Verkehrssituation – nicht angepasste Tempo“, betonte Martin Plate.
Jeder sechste Unfall geschah beim Abbiegen, Ein- und Ausfahren, Wenden oder Rückwärtsfahren, dicht gefolgt von zu geringem Abstand. Nur neun Prozent der Unfälle ereigneten sich aufgrund von mangelnder Verkehrstüchtigkeit, etwa wegen Alkohol, Drogen oder Übermüdung. Ablenkung während der Fahrt, etwa wegen des Smartphones, landet knapp dahinter. Nur vier Prozent der Unfälle sind derweil auf missglücktes Überholen zurückzuführen.
Immer mehr Unfälle unter Drogen: Alkoholbedingte Unfälle verzeichnete das Präsidium im vergangenen Jahr insgesamt 362 – 25 mehr als noch 2024. Dabei wurden 24 Menschen schwer verletzt, einer verlor sein Leben. „Junge Fahrer waren in dem Kontext eher unauffällig – da war der Trend rückläufig“, berichtete Plate.
Deutlich zugelegt haben jedoch Unfälle unter Beteiligung von Drogen: 84 Menschen hatten demnach unter Einfluss von Rauschgift Unfälle gebaut – ein Viertel mehr als noch 2024. Insgesamt 52 davon standen beim Unfall unter dem Einfluss von Cannabis (plus 150 Prozent). Auch bei Verkehrskontrollen stellten die Beamten zunehmend Drogenkonsum bei Verkehrsteilnehmern fest, schilderte Plate – auch Kokain und Amphetamine. Der Leiter der Schutzpolizei sprach von einer Entwicklung im „Windschatten“ der Cannabis-Teillegalisierung.
Fahrrad- und Pedelec-Fahrer sind „Sorgenkinder“: „Die Zahlen gehen hoch, auch die Unfallfolgen werden schlimmer – Fahrräder und Pedelecs sind unsere Sorgenkinder“, erklärte Plate. Zwar passierten immer noch mehr Unfälle mit klassischen Rädern (916, plus elf Prozent), Pedelecs holten jedoch stetig auf (326, plus 18 Prozent).
Durchwachsenes Fazit
„Mehr Leichtverletzte und die Zahl der Verkehrstoten trüben die an sich gute Entwicklung bei der Verkehrsunfalllage etwas ein“, erklärte Polizeipräsident Jürgen Rieger abschließend. Die Polizei wolle bei der Präventions- und Kontrolltätigkeit nicht nachlassen. „Dafür bitten wir um Verständnis. Kontrollen sind kein Selbstzweck, sondern dienen der Allgemeinheit.“