Die Verkehrssituation im Ortskern wurde unter die Lupe genommen. Unter anderem bei der Bahnunterführung (Hertinger Straße) sehen die Fachleute Handlungsbedarf. Foto: Claudia Bötsch

Bad Bellingen hat an einer kostenlosen Untersuchung des Landes Baden-Württemberg teilgenommen. Das Ergebnis soll der Gemeinde Handlungsimpulse und Ideen geben.

Das landesweite Projekt läuft unter dem Titel „Lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitten“. Das Angebot des Landes Baden-Württemberg ist kostenlos und soll Kommunen dabei helfen, ihre Ortsmitten aufzuwerten und attraktiver zu gestalten, vor allem mit Blick auf den Fuß- und Radverkehr.

 

Die Gemeinde Bad Bellingen hat an einer solchen Untersuchung teilgenommen – die Ergebnisse wurden in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Sara Vian vom Stuttgarter Planungsbüro Pesch Partner Architektur Stadtplanung vorgestellt.

Unter die Lupe genommen wurde ein zentraler Abschnitt der Ortsmitte. Zum Untersuchungsgebiet gehörten Bereiche der Hertinger Straße, Rheinstraße und Hofstraße.

Bad Bellingen will die Analyse als „Grundlage für weitere Planungen nutzen sowie zur Beantragung von Fördermitteln“, erläuterte Bürgermeister Carsten Vogelpohl in der Sitzung.

Stärken und Schwächen

Die Bestandserfassung orientiert sich an rund 300 Kriterien und soll Stärken und Schwächen aufzeigen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation. Bewertet wurde nach sechs Kategorien: Radverkehr, Fußverkehr, Öffentlicher Verkehr, Aufenthaltsqualität und Grün, Ortsbild sowie Nutzung und Verträglichkeit des Kraftverkehrs.

Ergebnisse vorgestellt

Bei der Bad Bellinger Ortsmitte positiv gewertet wurde der Bahnhof, außerdem, dass die Höchstgeschwindigkeit bei Tempo 30 liegt.

Vian zeigte in der Sitzung indes auch eine ganze Liste von festgestellten Mängeln im untersuchten Bereich auf. Als Beispiele nannte sie geringe Gehwegbreiten, eine fehlende barrierefreie Querungsanlage an der Einmündung zur Rheinstraße, die fehlende Barrierefreiheit von Sitzgelegenheiten und eine fehlende regelmäßige Busanbindung.

Ein Problem seien zudem unterschiedliche Bodenbeläge und Schadstellen, die die Barrierefreiheit einschränken. Erstrebenswert sei, die Gehwege entsprechend zu sanieren, so dass sie auch von Rollstuhlfahrern oder beispielsweise mit Rollator gut nutzbar sind. Angeregt wurde mittel-/langfristig auch eine Sanierung der Fahrbahn. Dies sei nicht zuletzt ein Beitrag zum Lärmschutz und würde zudem das Ortsbild aufwerten, hieß es.

Rampe für Bahnunterführung

Handlungsbedarf sehen die Fachleute zudem im Bereich der Bahnunterführung, in der Hertinger Straße. Dort sei die Barrierefreiheit des Gehwegs durch eine ungünstige Querneigung eingeschränkt. Vorgeschlagen wird hier eine Rampe.

Blick in die Rheinstraße Foto: Claudia Bötsch

Ein weiterer Vorschlag zielt darauf ab, die Aufenthaltsfläche an der Rheinstraße bei der Einmündung zur Ebnetstraße aufzuwerten, unter anderem mit Sitzgelegenheiten mit Armlehne.

Tempo 20 angeregt

Angeregt wird zudem eine Geschwindigkeitsreduktion auf Tempo 20 auf der Hertinger Straße. Begründet wird dies mit „besonders schutzbedürftigen Personengruppen“ durch den in der Hofstraße nahe gelegenen Kindergarten. „Eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit verringert nicht nur die Lärmbelastung für die Anwohner, sondern vereinfacht das Queren für zu Fuß Gehende und verbessert die Lebens- und Aufenthaltsqualität entlang der Straße“, heißt es im Ergebnisdossier.

Durchgangsverkehr

„Da kann man ins Träumen kommen“, kommentierte Wolfgang Müller (Freie Wähler) die Präsentation. Das seien alles „wunderschöne Vorschläge“. Angesichts der finanziellen Lage der Gemeinde fand er jedoch, dass „andere Dinge wichtiger sind, zum Beispiel die Therme“. Für Müller sei ohnehin die zentrale Frage bei diesem Thema: „Wie kriegen wir den Durchgangsverkehr aus dem Ort heraus?“

Vian machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Analyse vor allem als „Impuls und Ideengrundlage“ dienen soll und der Gemeinde auch Fördermöglichkeiten eröffne.

Fuß in der Tür

Die Handlungsempfehlungen orientierten sich am Wunschdenken des Ministeriums und daran, was alles möglich sein könnte. Darunter seien schnell umsetzbare Maßnahmen, aber auch umfangreiche Umgestaltungen. Es gebe indes keinerlei Verpflichtung, etwas davon umzusetzen. „Das kann alles auch erst einmal in der Schublade verschwinden und vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt erst genutzt werden – beispielsweise wenn die Straße saniert wird.“

Diesen Punkt bekräftigte auch der Bürgermeister, der die Untersuchung als „Startpunkt für die weitere Debatte“ sah. Für ihn sei wichtig, „einen Fuß in der Tür zu haben“. Die Erkenntnisse sollen beispielsweise bei der Sanierung der in die Jahre gekommenen Kanalisation rund um den „Schwanen“ Berücksichtigung finden.

Lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitten

Weitere Informationen
– unter anderem auch das Ergebnisdossier für Bad Bellingen – gibt es auf der Homepage der Gemeinde unter https://badbellingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/si0057.asp?__ksinr=245