Verkehrsminister Winfried Hermann stellte die Signale für die Kandertalbahn auf Grün. Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann moderierte das Gespräch. Im Hintergrund die Bürgermeisterinnen Simone Penner, Kandern, und Joanna Carreia, Rümmingen. Foto: Gerald Nill

Verkehrsminister Winfried Hermann stellte vor Kandertaler Bürgermeisterinnen, Gemeinde- und Kreisräten die Signale für die Kandertalbahn auf Grün.

Mit der Bahn wäre das nicht passiert: Verkehrsminister Winfried Hermann erschien mit Verspätung in Rümmingen, um für die Kandertalbahn zu plädieren. Grund: Das Navi im Minister-Auto lotste Hermann zu einem Termin ins schweizerische Rheinfelden anstatt auf die deutsche Seite. Dort hätte der Verkehrsminister die Schweizer Nationalrätin Florence Brenzikofer aus Basel Landschaft mitnehmen können. Diese startete ihre binationale Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr und erlebte bei der Fahrt zum Ortstermin Kandertalbahn, dass Bus und Bahn heute immer noch eine Abenteuerreise bedeuten können.

 

Ab dem Claraplatz in Basel fuhr die Nationalrätin gar notgedrungen schwarz, weil niemand den Tarif für eine Fahrt ins Kandertal kannte. Das soll sich künftig ändern. Die Kandertalbahn wäre ein grenzüberschreitendes Projekt mit Vorteilen für beide Seiten des Rheins, führte Brenzikofer aus.

Wichtig und mutig

Schon am Haltepunkt Rümmingen der Kandertalbahn erklärte die Grünen- Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann: „Die Reaktivierung der Kandertalbahn finde ich total wichtig und mutig.“ Dann verlagerte sich das Gespräch mit Politikern und Unternehmern aus der Region in ein Café, nicht zuletzt aufgrund des Lärms von einer Baustelle.

„Ich dachte schon, hier wird der neue Bahnhof gebaut, witzelte der Verkehrsminister bei seiner Ankunft. Aber ganz so weit ist das Verkehrsprojekt noch nicht. Unterwegs berichtete der ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey, dass die Reaktivierung der Kandertalbahn schon im Wahlprogramm der Grünen in den 90er Jahren gestanden habe. Noch nie sei man aber einer Realisierung so nah gewesen wie jetzt.

Hagmann begrüßt den Verkehrsminister mit den freundlichen Worten: „Du bist die Figur, die das Projekt im Kandertal geprägt hat.“

Land setzt Zeichen

In seinem Statement machte Hermann den Befürwortern einer Strecken-Revitalisierung Mut: „Wir helfen Euch bei der Reaktivierung.“ Die Landesregierung schaue genau, wo sich Reaktivierungen von stillgelegten Trassen rentireren: „Wo rechnet sich das? Wo gibt es genug Passagiere?“

Er spricht die Machbarkeitsstudie an, an der sich Gemeinden an der Strecke beteiligen müssen. Kandern und Rümmingen sind dafür, Binzen und Weil haben dagegen votiert. Dass das Land auch 50 Prozent der Planungskosten übernimmt, sei ein Zeichen: „Wir wollen das.“ Und: „Der Nutzen einer Bahn wird allgemein unterschätzt.“ Ob die Zahlen wirklich tragen, würden die Planungsphasen eins und zwei zeigen. In Vorab-Studien hieß es erstmal einmal: Das rechnet sich nicht, im Frühjahr vergangenen Jahres hieß es plötzlich: Die Kandertalbahn könnte doch rentabel laufen.

Wichtige Verknüpfung

Hermann betont, die Bahn sei eine wichtige Zubringer-Verbindung und auch eine wichtige grenzüberschreitende Verknüpfung. Es gehe immerhin um den trinationalen Ballungsraum. Fast entschuldigend fügt er an: „Das Dreiländereck hat man in Stuttgart nicht so im Kopf.“ Sein Ziel sei es, den Verkehr auf den Straßen zu reduzieren. Deshalb sei er bereit, in die Co-Finanzierung zu gehen und auch Know-how zu bieten: „Unser Kompetenzzentrum unterstützt, berät und hilft auf kommunaler Ebene.“ Von Bürgermeisterinnen können nicht erwartet werden, dass sie plötzlich Nahverkehrsexpertinnen seien.

Bus keine Alternative

Rümmingens Bürgermeisterin Joanna Carreia ließ keine Zweifel: „Der Bus ist keine Alternative.“ Er habe wegen der Staus immer Verspätung. Ihr Sohn, der in Basel lebt, sage: „Das Kandertal ist eine halbe Weltreise.“ Amtskollegin Simone Penner ist eine Befürworterin der Reaktivierung und sieht das Projekt als Chance. Dennoch verschließt sie nicht Augen und Ohren vor denjenigen Bürgern, die sich Sorgen machen. Eine halbe Million Euro Planungskosten seien viel Geld für eine arme Kommune. Sie erwähnt die Mutter, die sie fragt, ob jetzt die Kindergartengebühren steigen müssen. „Die Sorgen müssen wir ernst nehmen“, weiß die Bürgermeisterin.

Anlieger haben Sorgen

Auch die Sorgen der Anlieger, deren Garten direkt ans Gleisbett mündet. Ein Vorteil, wie Beat Runtishauser von der IG Pro Kandertalbahn am Rande sagt: „Die Trasse gehört dem Zweckverband, nicht der Deutschen Bahn.“ Dadurch ließen sich unschöne Begleiterscheinungen wie ein halbstündliches Horn der Wiesentalbahn mit 130 Dezibel Lautstärke wie in Zell an einem unbeschrankten Bahnübergang vermeiden.

Nach vorne denken

Minister Hermann bringt für weniger frequentierte Strecken batteriebetriebene und dadurch leisere Züge ins Gespräch. Bedenkenträgerei sei eine typisch deutsche Angewohnheit, wiegelt er ab. Damit gibt er den anwesenden Unternehmern aus dem Kandertal eine Steilvorlage.

Die Kandertaler Unternehmer Arnold, Würzburger und Resin haben eine zentrale Botschaft in Rümmingen: „Es gibt für alles eine Lösung und wir müssen nach vorne denken.“ Und: „Nicht jede Veränderung ist eine Bedrohung.“ Klar, alle kennen die Protest-Plakate gegen die Kandertalbahn in Hammerstein. Hermann verspricht aber „so wenig Belastung wie möglich.“

Gekämpft bis zum Umfallen

Mit Ulrike Fröhlich ist eine Gemeinderätin aus Weil im Raum. Sie habe „gekämpft bis zum Umfallen“, sagt sie. Die Mehrheit des Gremiums habe „sich aber in Sorgen und Bedenken verbissen“. Letztlich hätten Detailfragen den Gemeinderat beschäftigt. Aspekte, die aber erst in Planungsphase eins und zwei aufgearbeitet werden.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann dankte dem Minister für sein Kommen und sagte abschließend: „Das war heute ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Reaktivierung der Kandertalbahn.“