Durch Meßstetten fahren täglich rund 8200 Autos – und diese machen ordentlich Lärm. Diskutiert wird, ob ganztags Tempo 30 Abhilfe schaffen könnte. Foto: Müller

Durchschnittlich 8200 Fahrzeuge rauschen pro Tag durch die Ortsdurchfahrt – und diese machen eine Menge Lärm. Im Rahmen einer Lärmkartierung wurden im Gemeinderat Maßnahmen zur Abhilfe vorgestellt. Eine davon ist Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt.

Meßstetten - Die L 433, die einmal quer durch Meßstetten führt, ist eine vie befahrene Straße. Rund 8200 Fahrzeuge – an manchen Abschnitten der Ortsdurchfahrt sind es sogar bis zu 13 000 – fahren täglich durch Meßstetten. Aufgrund dieses Verkehrsaufkommens ist die Stadt Meßstetten laut Bundesimmissionsschutzgesetz dazu verpflichtet, einen Lärmaktionsplan in dem Gebiet aufzustellen – und gegebenenfalls zu Handeln. Denn wo viele Motoren, da viel Lärm.

Wolfgang Wahl von der Rapp Trans AG hat die Ergebnisse der Lärmneuberechnung am Donnerstagabend dem Gemeinderat vorgestellt. Auf dieser Grundlage wird das Freiburger Büro den Lärmaktionsplan erstellen.

Dass Lärm etwas Schlechtes ist, brauchte Wahl eigentlich keinem mehr erzählen – aber er erklärte, wie laut Autos tatsächlich sein können. Während ein Auto einen Schallpegel von etwa 60 Dezibel hat, ist ein Lastwagen in etwa so laut wie 20 Autos – alles Mathematik. Denn Straßenverkehrslärm wird, so erklärt Wahl, berechnet und nicht gemessen. Ganz einfach darum, weil Messungen etwa durch Wetter beeinflusst werden können. Berücksichtigt wird neben dem Verkehrsaufkommen auch Steigungen und Gefälle, die Fahrbahnoberfläche, der Schwerlastverkehr und die Höchstgeschwindigkeit – und das sind dann am Ende die Faktoren, an denen gedreht werden kann, um die Ortsdurchfahrt etwas leiser zu machen.

Die Leidtragenden sind in erster Linie die Anwohner der Hauptstraße und der Ebinger Straße, die, an deren Häusern der Verkehr Tag für Tag vorbeibrettert. Sie trifft ein Lärmpegel von mehr als 65 Dezibel tagsüber und über 55 Dezibel nachts. Am lautesten ist es tatsächlich in der Hauptstraße zwischen der Hossinger Straße und der Unteren Talstraße. Kein Wunder, dort sind auch täglich bis zu 13 000 Fahrzeuge unterwegs.

Gemeinderat Harald Eppler stellte die Zahlen der Verkehrsanalyse dezent in Frage – schließlich sei diese 2019 durchgeführt worden und seit Corona wären seines Erachtens weniger Autos auf den Straßen als vor der Pandemie. "Zeitweilig ja", erklärte Wahl. Mittlerweile sei die Verkehrsbelastung aber wieder vollständig auf dem Niveau vor der Pandemie. Die Zahlen seien demnach valide und belastbar.

Zwei bis drei Dezibel weniger

Aber Tatsache ist: Es ist zu Laut in der Ortsdurchfahrt. Und dass die Stadt Meßstetten etwas tun muss, ist auch klar. Wie eine Lösung für das Lärmproblem aussehen könnte, zeigte Wahl sogleich auf: Ganztags Tempo 30 entlang der L 433, anstatt der bisherigen 50 Kilometer pro Stunde und 70 am nördlichen Ortseingang.

Der Experte aus Freiburg erklärte, dass die Reduzierung der Geschwindigkeit von 50 auf 30 eine Schallreduktion von zwei bis drei Dezibel bewirken kann. Jürgen Clesle findet Tempo 30 etwas drastisch und erkundigte sich beim Fachmann, ob auch eine Obergrenze von 40 Stundenkilometern etwas bringen könnte. Seine Antwort: Eher weniger; lediglich rund 1,2 Dezibel.

Dass Tempo 30 nicht allen im Gremium recht ist, wurde bei den Wortmeldungen recht schnell deutlich. Wolfgang Wahl betonte aber, dass die Voraussetzungen dafür ohnehin erst geprüft werden müssten, das ginge nicht "einfach so". Bürgermeister Frank Schroft wäre eine ganzheitliche Lösung am liebsten unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Klima, Fahrradverkehr und Barrierefreiheit.

Doch ein Tempolimit ist nicht der einzige Vorschlag: Man könne den Verkehrsfluss steigern – etwa durch Kreisverkehre: "Jedes anfahrende Auto verursacht zusätzlich Lärm", gab Wahl zu Bedenken. Weitere Lösungsansätze wie Flüsterasphalt und Verkehrsberuhigung wären alle baulicher Natur und daher weniger kostengünstig und schnell zu beheben.

Was aber mit Sicherheit schnell umsetzbar sei, sind stationäre Geschwindigkeitskontrollen – Tafeln, dein den Autofahrern ihre aktuelle Geschwindigkeit anzeigen und darauf hinweisen, falls jemand zu zügig unterwegs ist. Das verhindert zumindest, dass Autofahrer schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde durch Meßstetten rauschen.

Wie es jetzt weitergeht? "Die Maßnahmen sind ins Auge gefasst, der nächste Schritt sind weitere Berechnungen", erklärte Wahl. Unter Berücksichtigung der angedachten Maßnahmen müsse nun ein Beurteilungspegel ermittelt werden sowie die Betroffenheit. Daraus resultierend wird dann die Notwendigkeit – etwa von Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt – definiert, abgewägt und auf jeden Fall ausführlich diskutiert. Es wird ein mindestens vierwöchiges Beteiligungsverfahren geben und die Ergebnisse wiederholt im Gemeinderat besprochen.

"Das Thema weckt Emotionen – positiv wie negativ", fasste Schroft seine Erfahrungen auch aus Gesprächen mit Bürgern zusammen. "Vor allem das Thema Tempolimit polarisiert." Daher möchte Schroft keine rasche Verabschiedung des Lärmaktionsplans, sondern eine sorgsame Abwägung.