Wieder mal viel Verkehr in der Ortsdurchfahrt von Loßburg. Foto: Beck

Die Einwohner Loßburgs sind geplagt durch Verkehrslärm. Abhilfe soll unter anderem ein passives Lärmsanierungsprogramm schaffen. In einer Online-Veranstaltung präsentierte das Team Regionales Mobilitätsmanagement des Regierungspräsidiums Einzelheiten.

Loßburg - 93 Berechtigte waren angeschrieben worden, bei denen die Überschreitung der Lärm-Auslösewerte durch das Ingenieurbüro Schallschutz Vogel berechnet worden war. Die Häuser liegen fast alle entlang der B 294, dort gelten überwiegend die Schalldruckpegelwerte für Mischgebiete. Diese wiederum liegen tagsüber bei 66 und nachts bei 56 Dezibel.

Bürgermeister Christoph Enderle betonte in seiner Begrüßung der Anwesenden und der 30 online zugeschalteten Eigentümer, dass die Gemeinde nach wie vor eine Ortsumgehung präferiere, trotz der nun vorzustellenden Maßnahmen. Er wies aber auch auf den deutlich gestiegenen Schwerlastverkehr und mehr Motorradlärm hin.

Auch neuer Belag soll Lärm reduzieren

Frank Hildenbrand, Sachgebietsleiter des Teams beim Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe, und seine Kollegen Rebecca Blum und David Schumacher, der auch dieses Projekt leitet, stellten das Programm vor. Dabei gehe es um Schallschutz ohne gleichzeitige Veränderung der Straßensituation.

Die erste Maßnahme sei schon in der Umsetzung: Der neue Straßenbelag auf der B 294 soll Lärm reduzieren. In den Häusern selbst könnte dies durch den Einbau von Schallschutzfenstern, Schalldämmung an Fassaden, den Einbau von Schalldämmlüftern und das Abdichten von Rollladenkästen erreicht werden. 75 Prozent der Gesamtkosten für Maßnahmen, die als notwendig erachtet werden, übernehme das RP, den Rest müsse der Hauseigentümer zahlen.

Die Förderbedingungen stellte Rebecca Blum vor. Erstens: Die Auslösewerte müssen überschritten sein. Zweitens: Der Bauherr ist nicht selbst für ausreichenden Lärmschutz zuständig. Drittens: Es handelt sich um eine schutzbedürftige Nutzung. Viertens: Es wurde in der Vergangenheit nicht schon einmal durch Bund oder Land ein Zuschuss zu Lärmschutzmaßnahmen bezahlt.

Zweiseitiges Formular

Wer angeschrieben worden sei, der überschreite auch die Auslösewerte, erklärte Blum zu Punkt eins. Bei Punkt zwei kommt das Bundesimmissionsschutzgesetz vom April 1974 ins Spiel. Wer danach gebaut habe, sei für den Lärmschutz selbst verantwortlich. Unter einer schutzbedürftigen Nutzung sei eine Wohnnutzung zu verstehen, auch Einrichtungen für Jugendhilfe oder Altenpflege fielen darunter.

Hildenbrand empfahl den Eigentümern, im Zweifelsfall lieber einen Antrag zu stellen. Das RP prüfe die Förderbedingungen, dann erhalte der Eigentümer einen Terminvorschlag vom Büro Schallschutz Vogel. Dabei würden die Maßnahmen geprüft und vorgeschlagen, die notwendig und sinnvoll seien. Das zweiseitige, einfach auszufüllende Formular müsse bis 15. April ans RP geschickt werden. Erst nach der Objektbeurteilung müssten Angebote bei Handwerkern eingeholt werden.

Nachträgliche Erstattung möglich

Bei den Fragen der Teilnehmer ging es hauptsächlich um die Berechnungen der Auslösewerte, den Stichtag für den Altbau und die Möglichkeit, schon erfolgte Maßnahmen noch in diesem Programm unterzubringen. Dazu erklärte das RP, dass Maßnahmen, die in den vergangenen fünf Jahren ergriffen worden seien, angegeben werden sollen, damit geprüft werden könne, ob eine nachträgliche Erstattung möglich ist. Beim Stichtag komme es womöglich auch nicht auf das Datum des Bauantrags an, sondern auf das des letztgültigen Bebauungsplans. Enderle riet, beim Hauptamt der Gemeinde nachzufragen. Dort seien die Bebauungspläne vorhanden.

Evi Rehfuss fragte, ob auch ihr Hotel in das Lärmsanierungsprogramm aufgenommen werden könne. Leider falle sie wegen der nicht vorhandenen Wohnnutzung aus der Förderung heraus, erläuterte Hildenbrand.

Umfahrung bleibt Thema

"Nutzen Sie das Angebot", forderte Enderle die Teilnehmer auf. David Schumacher hatte noch einige tröstende Worte für die Gemeinde parat. Das Lärmsanierungsprogramm bedeute nicht, dass die Ortsumgehung kein Thema mehr sei, es habe schlicht "keinen Einfluss darauf". Und Frank Hildenbrand ergänzte: "Ihre Ortsumfahrung ist so was von angekommen – so oft, wie Sie das heute und bei anderen Anlässen erwähnt haben." Er drücke der Gemeinde die Daumen – und verwies an den Bund als Baulastträger der B 294.