Andreas Weber (links) stellte im Gemeinderat das Konzept vor, dessen Inhalt vor allem in den Aufgabenbereich von Tobias Böttner (rechts), Sachgebietsleiter Bürgerservice und Ordnung bei der Stadtverwaltung Meßstetten, fällt. Foto: Karina Eyrich

Das „integrierte Verkehrsentwicklungskonzept“ für die Gesamtstadt Meßstetten hat Andreas Weber, der es erarbeitet hat, im Gemeinderat vorgestellt. Nun geht es an die Konkretisierung. Die Ziele lauten: Mehr Verkehrssicherheit – und weniger Lärm.

Tempo 30 auf der Meßstetter Ortsdurchfahrt? Dieser Vorschlag war beim Gemeinderat 2021 nicht gut angekommen als möglicher Weg, den Verkehrslärm zu reduzieren. Die Stadt sei aber verpflichtet, im Rahmen des Lärmaktionsplanes Maßnahmen umzusetzen, hat Claus Fecker, Leiter des Stadtbauamtes, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erklärt.

 

Aus Sorge, eilende Autofahrer könnten auf Nebenstrecken ausweichen, hatten die Stadträte andere Ideen verlangt – und Bürgermeister Frank Schroft habe ein integriertes Verkehrsentwicklungskonzept ins Spiel gebracht: mit Bürgerbeteiligung in allen Stadtteilen. In einer Klausurtagung hätten die Stadträte bauliche Maßnahmen teils sehr kritisch betrachtet, erklärte Fecker, und das Kosten-Nutzen-Verhältnis „nicht sehr positiv bewertet“.

Welche Maßnahmen letztlich umgesetzt werden, müssen die Stadträte im Einzelfall entscheiden. Das Konzept, das Andreas Weber von der Ludwigsburger Planungsgruppe SSW am Freitagabend präsentierte, sei rechtlich nicht bindend und noch kein Beschluss, auch wenn die Räte es einstimmig zur Kenntnis nahmen. Änderungswünsche der Unteren Verkehrsbehörde sind laut Schroft bereits eingearbeitet. Was hat SSW herausgefunden?

Verkehrsbelastung: Sie ist auf der Ortsdurchfahrt Meßstetten zwischen Hossinger Straße und Unterer Talstraße am höchsten mit bis zu 14 500 Fahrzeugen an einem Werktag, darunter 400 Lastwagen und 150 Busse. In den Stadtteilen liegen die Spitzenwerte bei 4100 Fahrzeugen in der Römerstraße Hartheim, 3400 in der Eyachtalstraße Heinstetten, 2000 in der Kapfstraße Hossingen, 5199 in der Widumstraße Oberdigisheim, in Tieringen bei 4850 auf der Landesstraße 440 am Ortseingang aus Richtung Oberdigisheim und 3750 am Ortseingang Richtung Weilstetten, sowie bei 5600 in der Appentalstraße Unterdigisheim.

Tempolimit: Eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde, wie manche sie wollten, bringe starke Zeitverluste mit sich, so Weber, während Tempo 40 in Punkto Lärm nicht dieselben Effekte wie Tempo 30 habe. Dennoch schlägt Weber Tempo 40 vor, auch wegen der höheren Sicherheit für den Radverkehr. „Durch die Ortschaften wird gerast“, sagte Weber mit Blick auf die sechs dörflichen Stadtteile. Weber empfiehlt Blitzersäulen, wobei die Einnahmen durch Bußgelder nicht der Stadt, sondern dem Landkreis zugute kämen, wie Frank Schroft auf Nachfrage von Bürgerliste-Fraktionschef Oliver Rentschler erklärte. In Hossingen, das die geringste Verkehrsbelastung habe, reduziere sich das Fahrtempo durch „Topographie und Kurvigkeit“, betonte Weber mit Blick auf die starken Gefälle und die beiden 90-Grad-Kurven hinter der Nikolauskirche.

Radwege: Für Radschutzstreifen reichten innerhalb der Ortslagen die Straßenbreiten nicht aus, so Weber. Daher betrachtet er Geschwindigkeitskontrollen als die wirksamsten Maßnahmen, um die Radfahrer zu schützen. Dass der Radverkehr, ebenso wie der ÖPNV, schon mit Blick auf das Erreichen der Klimaschutzziele zu stärken sei, steht im Konzept ausdrücklich.

Anbindungen: Die Anbindung zum Geißbühl – auch für ÖPNV und Radverkehr – müsse besser werden; dort ist bekanntlich ein Industriegebiet geplant.

Schul- und Fußgängerwege: Wichtige Querungen für Schüler seien nicht vorhanden, mahnte Weber. Besonders problematisch ist aus seiner Sicht das Überqueren der Ortsdurchfahrt von Hartheim zwischen dem Restaurant Lammstuben und der Bushaltestelle gegenüber, aber auch auf Höhe des Backhauses Mahl an der Ortsdurchfahrt Meßstetten. Dort seien die Fußgängerbereiche besonders schwer zu integrieren, auch wegen des Busverkehrs und der Parkplätze.

Fazit: Nach der Präsentation des 122 Seiten starken Konzeptes, das die Stadt in ihrem Ratsinformationssystem veröffentlicht hat, betonte Bürgermeister Frank Schroft: „Das Thema Verkehr ist ein sehr emotionales. Wir wollen hier nicht in Aktionismus verfallen, sondern faktenbasiert und unaufgeregt handeln.“ Die Stadtteile – konkret: Ortsvorsteher und Ortschaftsräte – seien angehalten, die Maßnahmen für ihre Orte selbst zu diskutieren und mit konkreten Vorschlägen an die Stadtverwaltung heranzutreten, damit diese geplant werden könnten.