Anregungen der Meßstetter einzuholen war Sinn der Auftaktveranstaltung zum „Integrierten Mobilitätskonzept 2035“. Foto: Karina Eyrich

Die „Experten“ in Sachen Verkehr – alle, die ihn erleben und mitunter darunter leiden – hat die Stadtverwaltung Meßstetten zusammengetrommelt, um Anregungen zu sammeln für Verbesserungen und mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Für „das bestimmende kommunalpolitische Thema 2023“ hält Bürgermeister Frank Schroft die Verkehrsentwicklung in der Gesamtstadt – und die Maßnahmen, die sich daraus ableiten. Die will Meßstetten nicht dem Zufall überlassen, keinen Aktionismus betreiben, sondern zielgerichtet Sinnvolles umsetzen, und hat deshalb die Planungsgruppe SSW aus Ludwigsburg beauftragt, den Verkehr in Meßstetten mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Bei einem Informationsabend in der Festhalle hat Verkehrsplaner Andreas Weber von SSW von den Eckpunkten der Untersuchung berichtet, die teilweise vor Corona lief, also nicht durch Lockdowns, Schulschließungen und Homeoffice verfälscht sei.

Mehr als 14 000 Fahrzeuge täglich

Ergebnis: In der Stadtmitte der Kernstadt, Bereich Hossinger Straße, kommen mehr als 14 000 Fahrzeuge täglich zusammen. Im Bereich Bolgasse und Untere Talstraße sind es noch knapp 13 000 auf der Hauptstraße. Am Ortsausgang Richtung Albstadt sind es 9000. Somit ist die Ortsdurchfahrt relevant für einen Lärmaktionsplan, den die Stadt nach europäischer Vorgabe aufstellen muss.

Lärm ist freilich nur ein Thema – ebenso viel Bedeutung hatte am Mittwochabend das Thema Sicherheit, die durch Raser gefährdet werde, wie zahlreiche Zuhörer berichteten. Das Überqueren der Haupt- und der Unteren Talstraße – ein Anwohner nannte Letztere die „unfallträchtigste Straße Meßstettens“ – gehört zu den sportlichen Herausforderungen für Fußgänger, zumal auf der steilen Straße Richtung Lautlingen auch Schwerlastverkehr unterwegs sei – verbotenerweise, wie der Bürgermeister betonte.

Tempo 30 einführen – das ist für viele Kommunen ein Beweggrund

„Viele Kommunen versuchen, mit Hilfe des Lärmaktionsplanes eine Temporeduzierung durchzusetzen“, sagte Weber mit Blick auf den Trend zu Tempo 30 – teilweise sogar ganztags.

Radwege werden in Meßstetten schon aus topographischen Gründen hauptsächlich von Touristen und Freizeitradlern benutzt – weniger im Alltagsradverkehr. Das – immer teurere – E-Bike ist freilich auf dem Vormarsch, und deshalb regte ein Lehrer des Gymnasiums an, am Schulzentrum eine Fahrradgarage zu bauen, um noch mehr Schüler zum Umsteigen zu bewegen. An Flächen für mehr Radwege freilich fehlt’s – vor allem innerorts. Dort müsse auf Nebenstraßen ausgewichen werden – außerorts sind laut Weber Radschutzstreifen denkbar.

Wo die Verkehrshindernisse sich bündeln

Was die Einwohner sonst noch kritisierten: Gehwegparker vor der Post, die Missachtung von Tempo-30-Zonen, fehlende Alltagsradwege, etwa zum Einkaufen, die Bündelung von Verkehrshindernissen – Bushaltestelle, Abzweigung und Laden-Verkehr binnen weniger Meter – und der fehlende Fußweg zum Sport- und Freizeitgelände Blumersberg. Das werde mit Erschließung des dortigen Baugebiets erledigt, so Schroft.

Die Frage, ob eine Ortsumfahrung die Lösung für das Verkehrslärmproblem wäre, musste der Bürgermeister im Keim ersticken: Angesichts der Eigentumsverhältnisse, der rechtlichen Fragen und der langen Planungsdauer hält er eine Umgehung für „völlig illusorisch“, was Weber bekräftigte.

Wie sich der geplante Industrie- und Gewerbepark am Geißbühl auf den Verkehr in der Stadt auswirken wird, will SSW noch untersuchen, und für die Schulwegeplanung seien erst einmal die Schulen zuständig – die Stadt dann im nächsten Schritt eingebunden.