Über 1000 Sulzer sind Tag und Nacht von Verkehrslärm betroffen. Im Ausschuss Technik und Umwelt sind die Ergebnisse der Lärmkartierung vorgestellt worden. Bis es jedoch zu Maßnahmen kommt, wird es noch diverse Sitzungstermine brauchen.
Die Erregung ist Axel Anger deutlich anzumerken. „Das bringt mich auf die Palme“ kommentiert der Glatter Ortsvorsteher die Ergebnisse der Lärmkartierung, die im Ausschuss Technik und Umwelt vorgestellt worden sind.
„Wie fühlt es sich an, wenn 800 Motorradfahrer durch den Ort ballern?“, richtet er eine Frage an Wolfgang Wahl, der die Auswertung seitens der Rapp AG vorgenommen hat.
Keine Messung am Wochenende
Auch hätten eigene Messungen ergeben, dass 80 Prozent der Verkehrsteilnehmer in dem anerkannten Erholungsort nicht mit den vorgeschriebenen 40, sondern eher mit 80 Stundenkilometer fuhren – nachts läge die Geschwindigkeit sogar über 100.
Sein Kollege Daniel Bonanno (FWV) ergänzt: „Am Wochenende treffen sich viele Biker am Schloss.“ Worauf Wahl erwidern muss, dass diese Verkehrsspitzen am Wochenende bei den Messungen, auf denen die Berechnungen basieren, nicht berücksichtigt würden.
Keine Maßnahmen in Glatt
Und Sabrina Glöckler, Leiterin der Bürgerdienste, fügt hinzu, die Vorgabe für die Messungen läge dezidiert zwischen Montag und Donnerstag. „Die Verkehrsbehörde schaut nur auf diese Ergebnisse“. In Glatt liege das Problem hingegen gerade auf den Wochenenden.
Stein des Anstoßes war, dass laut der Lärmkartierung gerade einmal ein Gebäude tags und nachts von Lärm betroffen sei und somit keine Berücksichtigung im weiteren Verfahren erfolge.
Schwelle zur Gesundheitsgefährdung
Dem zugrunde liegt nämlich die Messung des Schalldruckpegels in dB (A). So liegen tagsüber Werte ab 65 – nachts über 55 – dB(A) im gesundheitskritischen Bereich.
Übersteigen die Werte am Tag 67 oder nachts 57 dB(A), sind Lärmschutzmaßnahmen verpflichtend. Bei einem Lärmpegeln ab 70 dB(A) am Tag sowie 60 in der Nacht überschreitet die Lärmbelastung die grundrechtliche Schwelle zur Gesundheitsgefährdung.
Nachts 1667 Betroffene
Das Gesamtresultat für Sulz: Von den 28 Rechengebieten werden in 16 Belastungsbereichen sowohl tags als auch nachts die Werte von 67/57 dB(A), in fünf Gebieten auch die Werte von 70/60 dB(A).
Insgesamt sind tagsüber 1093 Personen von Lärm betroffen, nachts sind es 1667. In Holzhausen und Dürrenmettstetten ist keine oder nur eine geringe Betroffenheiten, in der Ortsdurchfahrt Hopfau sähe das Maximalkonzept 30 km/h in der Ortsdurchfahrt vor.
„Unterer Bereich der Ermessensausübung“
Gleiches könne laut der Information auch in Bergfelden angedacht werden. Ob sich eine 30er-Zone hingegen in Sigmarswangen umsetzen ließe, ist wegen der Betroffenheit im untersten Bereich jedoch fraglich.
In Renfrizhausen und Mühlheim könne an der K 5502 Tempo 70 eingeführt werden, bei der Fischinger Ortsdurchfahrt befinde man sich – ähnlich wie in Sigmarswangen – im unteren Bereich der Ermessensausübung.
Noch viele Sitzungen folgen
An der A81 sind Geschwindigkeitsbeschränkungen, die zu Lärmreduktion führen könnten, jedoch nur schwer umsetzbar.
In der Kernstadt herrscht teilweise eine hohe Betroffenheit. Hier könnten an mehreren Stellen Tempo 30-Zonen eingeführt werden.
„Zu den Maßnahmenvorschlägen werden die Ortsteile angehört. Der Gemeinderat entscheidet anschließend über die Wirkungsanalysen“, heißt es zum weiteren Vorgehen in der Sitzungsvorlage.
Und Glöckler betont: „Das Thema ist mindestens noch drei Mal hier im Gremium.“