Auch eine bessere Rad-Anbindung der Stadtteile an die Kernstadt ist teilweise nötig. Foto: Fahrland Foto: Schwarzwälder Bote

Verkehr: Zwei Planungsbüros in der engeren Wahl / Entscheidung fällt in der Gemeinderatssitzung

Oberndorf. In Zeiten des Lockdowns haben Freizeitsportarten im Freien stark an Beliebtheit gewonnen. Die Erstellung eines Radwegkonzeptes für das Stadtgebiet geht über den Neckartal-Radweg weit hinaus und hängt mit der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans, dem wachsenden Fahrradverkehr und dem Ziel des Landes nach einer umweltverträglicheren Mobilität der Zukunft zusammen. Die hiesige Topographie stellt eine Herausforderung dar, die angesichts der steigenden Anzahl von E-Bikes zumindest teilweise ihren Schrecken verliert.

Pendler vs. Freizeitsportler

Zwei Planungsbüros befinden sich im Rennen um die Erstellung einer Radwegenetzkonzeption für Oberndorf. Bevor der Gemeinderat am 27. Juli eine Auswahl trifft, stellten die Fachplaner dem Ausschuss für Technik und Umwelt ihre Methodik vor.

"Modus Consult" aus Ulm hat bereits von der Stadt Sulz den Auftrag für ein Radverkehrskonzept erhalten. Für Oberndorf skizzierte Projektleiter Michael Preuß einen Stufenplan, um zu einem flächendeckenden, alltagstauglichen, durchgängigen, vernetzten und sicheren Radwegenetz zu gelangen.

Ergänzend dazu gehe es um Abstellmöglichkeiten, Verweil- und Servicestationen oder Mitnahmemöglichkeiten per "Bike + Ride". Man wolle sich mit den Straßenbaulastträgern und Verkehrsbehörden abstimmen und die Stimmungslage der Bürger erfassen. Während Pendler ohne Umwege ans Ziel kommen wollten, würden Freizeitsportler sichere Strecken abseits stark frequentierter Straßen bevorzugen. Fördermöglichkeiten und deren Fristen seien bei der Umsetzung zu berücksichtigen.

Ruth Hunds (SPD) forderte Überlegungen, wie die Radwegekonzepte von Oberndorf und vom Landkreis Rottweil einerseits verknüpft und andererseits finanziell voneinander abgegrenzt werden können. Hinzu kommt laut Preuß die Zusammenführung mit dem baden-württembergischen Radwegenetz bis hin zur Beschilderung.

Bürgermeister Hermann Acker betonte, man bleibe im Gespräch mit den Stadtteilen und werde die finanzielle Diskussion anhand des Planungskonzeptes angehen. Die Festlegung der Prioritäten – auch danach fragte Hunds – soll sich Preuß zufolge aus der Bewertung verschiedener Kriterien nach einem Punktesystem ergeben. Auch Sicherheitsaspekte, das Aufkommen von Radfahrern auf verschiedenen Strecken und Wege für besonders schutzbedürftige Personen spielten eine Rolle. Eine Bürgerbefragung werde empfohlen.

Peter Gaberle (CDU) mahnte, die Freizeitgestaltung dürfe nicht zu kurz kommen. "Modus Consult" versicherte, der Freizeitradverkehr und die Erreichbarkeit der Gewerbegebiete über die Stadtgrenzen hinweg seien ebenso zu betrachten wie die Übergänge zu anderen Landkreisen. "Eher marginal" sei die Anzahl der Schüler, die per Rad zum Schulcampus in der Oberstadt fahren, antwortete Jens Hartmann auf die Frage von Günter Niethammer (FWV), ob man über Zahlen verfüge.

Bei Wolfgang Hauser (CDU) fand besonders die Bürgerbeteiligung großen Anklang. Er regte an, den sachkundigen Radfahrverein "Wandervogel" Beffendorf einzubeziehen. Preuß bestätigte, in Sulz seien die Impulse, die man von einer ambitionierten Radfahrergruppe erhalten habe, "sehr erkenntnisreich" gewesen. Doch auch Gelegenheitsradler sollten gehört und das Potenzial Rad fahrender Schüler nicht vernachlässigt werden.

Überblick über das bestehende Hauptnetz

Gesellschafter Markus Schaible von der Planungsgruppe SSW aus Ludwigsburg ging in der zweiten Präsentation auf zwei Beispiele ein. Er hatte dafür Füssen aufgrund ähnlicher Einwohnerzahlen und Vaihingen/Enz aufgrund einer Kernstadt mit acht Stadtteilen ausgewählt. Es fielen Stichworte wie touristische Bedeutung der Innenstädte, verkehrsberuhigte Zonen, von der Stadt angebotene Mountainbike-Touren und die Umwidmung einer stillgelegten Bahntrasse zum stadtteilverbindenden Radweg.

Für Oberndorf spiele neben dem Neckartal-Radweg der Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg als zweiter Radfernweg eine Rolle, so Schaible. Auf Mischverkehrsflächen würden Konflikte der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer drohen. Daher müsse man sich zunächst Überblick über das Hauptnetz und alle Überlagerungen verschaffen und eine Einordnung vornehmen. Er befürwortete eine öffentliche Info-Veranstaltung, gefolgt von Bürgerbefragungen und schriftlichen Eingaben.

Aus dem großen Feld flankierender Infrastruktur-Maßnahmen seien Service-Stationen mit Fahrradzubehör, Akkuladestellen, Schließfächer, Gedenk- und Hinweistafeln denkbar sowie Wegweiser zu E-Bike-Ladestationen, Gastronomie und Einzelhandel. Auch ein Leihfahrradsystem oder Leasing-Möglichkeiten könnten ein Thema sein.

Acker forderte dazu auf, das Thema fraktionsintern zu diskutieren. Das Gremium legte jedoch dem Gemeinderat per einstimmigem Empfehlungsbeschluss nahe, die Planungsrate von 10 000 Euro für die Erstellung der Radwegekonzeption im nächsten Haushaltsjahr um 40 000 Euro zu erhöhen. Über das Landessanierungsprogramm "Nachhaltige Mobilität" winken Fördermittel von bis zu 50 Prozent für das Konzept.

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