Julian Straub (von links) und Michael Preuß stellen am Dienstagabend das Radverkehrskonzept für Oberndorf vor. Bürgermeister Matthias Winter und Ordnungsamtsleiterin Jana Wachter nehmen auch aus der öffentlichen Diskussion konkrete Bausteine mit. Foto: Schnekenburger

Schon die Vorstellung des Radverkehrskonzepts im Schwedenbau wirft Fragen auf, bringt aber auch konstruktive Impulse aus der Öffentlichkeit.

Verbesserungspotenzial gibt es immer, und auch in Sachen Radverkehr ist in Oberndorf Luft nach oben. Das wurde am Dienstagabend im Vortragssaal im Schwedenbau deutlich. Dort stellten Michael Preuß und Julian Straub vom Ulmer Büro Modus-Consult das Radwegekonzept vor, das sie nach einem Bürgerdialog im vorvergangenen Jahr und in Abklärung auch mit Stadt, Landkreis und Land entwickelt haben.

 

Rund drei Dutzend Teilnehmer verfolgten den Vortrag – und hatten schließlich durchaus kritische, doch konstruktive Fragen und Vorschläge zu unterbreiten.

Die Ost-West-Achse ist zentral für mehr Radverkehr

Eins ist klar: An manchen Stellen kann man mit überschaubaren Mitteln doch rasch etwas erreichen. Die Hauptaufgabe ist allerdings nicht ganz so einfach, schnell und günstig zu lösen:Wesentlicher Baustein für einen deutlich höheren Anteil Radverkehr an den Verkehren in Oberndorf ist die Ost-West-Achse. Also Bochingen nach Beffendorf – oder anders herum. Nicht nur das: Sie ist auch ein bisschen exemplarisch für Oberndorf.

Ein bisschen ein Bild von Oberndorf

Da ist das Verhältnis von Stadtteilen zu Kernstadt, die topografische Situation von Oberndorf-Stadt mit den drei Ebenen, die Hochbrücke als wichtige Schnittstelle – aber auch ein bisschen Nadelöhr, die Anschlüsse an die Nachbarschaft und schließlich die Attraktivität der Stadt ganz allgemein. In diesem Fall nicht was Aufenthaltsqualität, Einzelhandels- und Gastronomieangebot, Gesundheitsversorgung und Co. angeht, sondern die Attraktivität für Radfahrer.

Augenmerk auf drei Gruppen

Diese Gruppe zerfällt, so lernten die zahlreichen Teilnehmer am Dienstagabend im Schwedenbau, in drei Teile: Da sind die Radfahrer, die zur Arbeit, zum Einkaufen, eigentlich überallhin in Schlagdistanz gerne und regelmäßig bis immer mit dem Fahrrad beziehungsweise E-Bike fahren. Da sind die Schüler, die noch einen besonderen Schutz erfahren, wo es aber auch viel Mengenpotenzial zu heben gibt. Und dann sind da die Freizeitverkehre. Paradebeispiel: Neckartalradweg. Sie alle teilen sich auf vielen Strecken dieselben Wege, und die gilt es so zu gestalten, dass sie attraktiv für eine möglichst breite Nutzung sind.

Preuß machte darauf aufmerksam, dass man bei der Umsetzung keinesfalls Stückwerk betreiben dürfe. Vielmehr gelte es, die ganz kleinen Verbesserungen, die mit wenig Aufwand zu regeln und Teil des Konzepts sind umzusetzen, sich vor allem aber um die „großen Achsen“ zu kümmern.

Da kommt eine eigene Radbrücke ins Spiel

Wenn die, also zum Beispiel die Ost-West-Verbindung, klar sind, kann man ihnen zuarbeiten, die kleinen Netze knüpfen. Denn der Vorschlag, den Straub exemplarisch herausgepickt hat, würde nicht nur Gemeinderat und Kämmerei massiv beschäftigen: Die Idee einer eigenen Radbrücke, die von der Hochbrücke niveaugleich auf die Sulzbachstraße führt und Radler damit die Barriere Bahn/L 424 ohne Gefahrensituationen meistern lässt, ist ein echtes Großprojekt.

Aufs Radwegekonzept des Kreises achten

Dass das Team beim Radwegekonzept die Talplatz-Sanierung mitgedacht hat, bestätigte Preuß. Ob die Anschlüsse an das Radwegekonzept des Kreises passen, da äußerte Ruth Hunds fragend-hinweisende Zweifel. Und wie die Boller Steige, wichtiger Baustein der Ost-West-Achse, entschärft werden soll, ist offen.

Aus dem Plenum kam der Hinweis auf eine klar ausgeschilderte Radwegeverbindung über die bestehenden Straßen über den Stockbrunnen nach Beffendorf – wesentlich entspannter als die L 415 zum oder vom Lindenhof.

Interessiert folgen die Teilnehmer dem Vortrag – und haben anschließend kritische Fragen. Foto: Schnekenburger

Fragen gab es auch bezüglich der Verbindung von Beffendorf nach Bösingen beziehungsweise Waldmössingen. Dann war da noch die Spindel. Dort heißt es für die Radfahrer bislang: schieben. Könnte sich ändern. Wichtig sei in jedem Fall klare Kommunikation über Maßnahmen und neue Regelungen, erklärt Straub.

Pragmatische Vorschläge

Bürgermeister Matthias Winter nimmt nach fast zwei Stunden nicht nur vom Planungsbüro ein Konzept, sondern aus einer fachkundigen Öffentlichkeit perspektivische ebenso wie kleine, ganz pragmatische Vorschläge mit, die er nach Möglichkeit auch schnell umsetzen wird. Einig ist er sich mit einem Diskutanten darüber, dass das insgesamt kein Thema für nächstes Jahr ist, sondern einen längeren Atem braucht.