Wenn ein Verstoß gemeldet wurde, halten die Polizeibeamtinnen den Verkehrsteilnehmer kurz darauf an. Foto: Cools

Achtung, Verkehrskontrolle: Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages für mehr Verkehrssicherheit nahm die Rottweiler Polizei am Dienstag insbesondere Radfahrer aufs Korn. Bei manchem gab es einiges zu bemängeln.

Dienstagmorgen, 9.45 Uhr an der Nägelesgrabenstraße in Rottweil. „Da kommen wieder zwei“, sagt Polizeihauptkommissar Baumann, Einsatzleiter an diesem Morgen. Sein Team hat sich am Lieferanteneingang des Edeka-Marktes positioniert, schräg gegenüber vom Spital am Nägelesgraben, und beobachtet den Verkehr.

 

Zwei Beamte stehen als Vorposten an der Ampelkreuzung und am Kreisverkehr. Sie melden, wenn sie einen Verstoß sehen, so dass die Kollegen den Verkehrsteilnehmer anhalten können.

Radfahrer auf dem Gehweg Diesmal ist es ein älteres Paar, das mit dem Fahrrad stadtauswärts fährt – verbotenerweise auf dem Gehweg statt auf der Straße. „Da muss die Stadt Rottweil was machen. Das ist doch sonst gefährlich. Wie sollen wir denn da fahren?“, reagiert die Radfahrerin verärgert ob der Kontrolle.

Trotzdem verhält sich das Paar letztlich einsichtlich. Nachdem die Personalien aufgenommen wurden, erfolgt eine mündliche Verwarnung. Dann dürfen sie ihren Weg fortsetzen – auf der Straße.

Sie sind an diesem Morgen nicht die Einzigen, die lieber auf den Gehweg ausweichen. Schon braust der nächste auf einem Pedelec an. „Das kann sehr gefährlich sein. Hier am Spital sind viele ältere Menschen, teilweise mit Rollator, unterwegs“, erklärt Nicole Minge, Pressesprecherin im Polizeipräsidium Konstanz. Zudem gebe es deutlich stärker befahrene Straßen, bei denen die Sorge der Radfahrer nachvollziehbarer wäre, heißt es von den Polizeibeamten.

Kein Sicherheitsgurt Während der nächste Radfahrer damit argumentiert, dass er gedacht habe, der Gehweg sei ein Fahrradweg, winkt eine junge Polizeibeamtin einen Autofahrer heraus. Der macht keinen Hehl daraus, dass er seinen Sicherheitsgurt nicht angelegt hatte. „Ich habe es leider eilig, aber ich gestehe alles. Was muss ich bezahlen?“, sagt er sofort.

Der Autofahrer macht keinen Hehl daraus, dass er den Gurt nicht angelegt hatte. Foto: Cools

Er habe die Angewohnheit, den Gurt immer erst während des Fahrens der ersten Meter anzulegen, erzählt er. In diesem Fall habe er nach dem Einkaufen im Edeka-Markt vergessen, den Gurt anzulegen.

Gurtverstoß ist keine Seltenheit

Gurtverstöße seien leider keine Seltenheit, erzählt Polizeihauptkommissar Baumann. Neuere Autos erinnern den Fahrer immerhin mit einem Piepsgeräusch daran, den Gurt anzulegen. Mancher, so Baumann, schließe den Gurt aber absichtlich hinter dem Rücken oder kaufe eine Extra-Schnalle, um das Piepsgeräusch zu verhindern. „Das ist dann natürlich Vorsatz. In solchen Fällen geben wir der Bußgeldstelle einen besonderen Hinweis“, sagt Baumann.

Dabei gehe es schlichtweg um die Sicherheit des Fahrers. Ohne angelegten Gurt drohen bei einem Unfall enorme Verletzungen. Verkehrskontrollen dieser Art würden immer wieder durchgeführt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und die Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren, also präventiv auf sie einzuwirken.

Weitere Überprüfung

Schon wird der nächste aus dem Verkehr gezogen: der Fahrer eines Baufahrzeugs. Nach der Belehrung und der Aufnahme der Personalien überprüft der Polizeibeamte, ob die Ladung richtig gesichert ist und ob der Fahrer über eine gültige Fahrerlaubnis verfügt.

Ladung richtig gesichert? Das wird bei der Kontrolle ebenfalls gleich geprüft. Foto: Cools

Als Verwarnungsgeld wegen des Gurtverstoßes werden 30 Euro fällig. Lehnt der Fahrer dies ab, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Im äußersten Fall kann ein Verstoß vor Gericht landen.

Die Verwarnung Wie jemand verwarnt wird – ob ein mündlicher Hinweis erfolgt oder ein Verwarnungsgeld nötig ist – entscheiden die Polizeibeamten je nach Schwere des Verstoßes, Alter beziehungsweise Reife der Person und danach, wie einsichtig sich der Kontrollierte zeigt.

Die meisten seien einsichtig, man höre aber viele Ausreden, und manchmal müsse man sich auch mit den Verkehrsteilnehmern herumstreiten, heißt es von den Polizeibeamten.

Angehalten werden Verkehrsteilnehmer übrigens nur, wenn die Polizei den Verstoß wirklich gesehen hat. Auf die Verwarnung folgt dann die Sachbearbeitung. Die Polizisten können den Vorgang glücklicherweise gleich auf ihrem Diensthandy anlegen und die Rest-Bearbeitung dann später auf dem Revier vornehmen.

Verkehrssicheres Fahrrad ist wichtig

Beim nächsten Radfahrer, der auf dem Gehweg unterwegs ist, gibt es gleich mehrere Dinge zu bemängeln. Der Polizei fallen die Kopfhörer des jungen Fahrradfahrers auf. Diese sind zwar per se nicht verboten, jedoch muss gewährleistet sein, dass der Fahrer noch mitbekommt, was um ihn herum geschieht. Der Polizeibeamte weist den Fahrer auch auf das abgefahrene Profil der Reifen hin.

Bei diesem Fahrradfahrer gibt es gleich mehrere Dinge zu bemängeln. Er zeigt sich aber einsichtig Foto: Cools

„Oftmals fehlen bei Radfahrern auch Klingel, Licht oder Reflektoren an den Speichen“, erklärt Einsatzleiter Baumann. Einen Helm tragen übrigens auch viele der angehaltenen Radfahrer nicht. Ein solcher ist auch gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber sehr wichtig, um schlimmere Verletzungen zu vermeiden, wie die Polizeibeamten betonen.

Gerade mancher ältere Pedelec-Fahrer könne Faktoren wie seine hohe Geschwindigkeit und den verlängerten Bremsweg nicht richtig einschätzen und sei sturzgefährdet.

Das Fazit Nach drei Stunden Kontrolle an der Nägelesgrabenstraße lautet das Fazit der Polizei: 14 Verstöße. Sieben Mal hatte ein Autofahrer den Sicherheitsgurt nicht angelegt, sieben Mal waren Radfahrer auf dem Gehweg unterwegs – in einem Fall auch noch mit Handy am Ohr. Ach, und einmal Gummibärchen gab es noch für einen ganz kleinen Radfahrer. Denn der darf natürlich noch den Gehweg benutzen.