Zu laut, zu schnell, zu viel gebastelt: Darauf achtet die Polizei bei einer Verkehrskontrolle in Balingen. Vom Fiat Panda bis zum Mustang GT war alles mit dabei.
„Ich hab wieder einen“, knistert es durch den Polizeifunk. Gemeint ist damit ein weiteres aus dem Verkehr gezogenes Fahrzeug, welches kurze Zeit später einem Beamten folgend auf den Messeparkplatz in Balingen fährt.
Der Fahrer des Wagens zeigt sich wenig begeistert – und das aus gutem Grund. Von den zahlreichen Veränderungen die an seinem Fahrzeug vorgenommen wurden sind nicht alle von einem Prüfer abgenommen und ordnungsgemäß in die Fahrzeugpapiere eingetragen worden.
Zu seinem größeren Ärger noch wird im Zuge der Kontrolle entschieden, dass das Fahrzeug so nicht weiterfahren darf. Es wird stillgelegt bis die verkehrsgefährdenden Modifikationen von einem Prüfer genehmigt oder wieder zurückgebaut worden sind.
Tuning ist grundsätzlich erlaubt
So geht es an diesem Nachmittag einigen Fahrern, die unverhofft in die Fänge der Beamten gerieten. „Grundsätzlich ist Tuning ja nicht verboten, es gibt viele Anbauten die erlaubt sind“, sagt Polizeihauptkommissar Andreas Abelmann. „Wenn die Umbauten aber nicht abgenommen oder sogar sicherheitsgefährdend sind, dann müssen wir eingreifen.“
Wenn zum Beispiel die Rücklichter mit dunkler Folie überklebt sind, könnte es sein, dass dem Hintermann gar nicht auffällt, dass gebremst wird oder wenn ein stärkerer Motor eingebaut wurde, könnte es sein, dass das Bremssystem nicht mehr ausreicht. „Das kann dann ernste Konsequenzen haben“, so Abelmann.
Blick unter die Haube
Natürlich kann ein Polizeibeamter einem Fahrzeug nicht immer mit bloßem Auge ansehen, welche Modifikationen sich möglicherweise unter der Motorhaube verstecken. Allerdings entwickelt man dafür einen gewissen Blick, meint Abelmann. „Da geht es vor allem um ein stimmiges Gesamtbild.“ Wie die Fahrzeuge serienmäßig aussehen wissen die Beamten. „Wenn da dann andere Felgen, Lichter oder irgendwelche Anbauten auffallen, dann ist das schonmal ein erster Anhaltspunkt.“
Fahrweise wird miteinbezogen
Auch die Auffälligkeiten bei der Fahrweise werden miteinbezogen: „Wenn das Fahrzeug beispielsweise ungewöhnlich schnell beschleunigt oder dabei zu laut ist, hat man einen weiteren Anhaltspunkt, dass hier vielleicht genauer draufgeschaut werden sollte.“
Fahrer sollte zu Fahrzeug und Fahrweise passen
Zu guter Letzt spiele auch der Fahrer eine Rolle. „Wenn die Person hinterm Steuer nicht zu seinem Fahrzeug passt, könnte das ebenfalls ein Hinweis für uns sein.“ Grundsätzlich könne zwar jeder jedes Auto fahren, tatsächlich gebe es aber bestimmte Tendenzen. „Ältere Menschen fahren beispielsweise eher Autos die einen leichteren Einstieg ermöglichen und sind zudem meist etwas langsamer unterwegs“, sagt Abelmann.
Besitzer von Fahrzeugen mit unerlaubten Umbauten seien häufig junge Männer die auch mal eine etwas rasantere Fahrweise an den Tag legen können.
Wer auffällt, wird kontrolliert
Wer ins Visier der Beamten gerät, muss sein Fahrzeug einer Kontrolle unterziehen lassen. Dabei können verschiedene Tests durchgeführt werden die Leistung und Lautstärke prüfen, sowie andere Umbauten und deren Ein- oder Nichteintragung in den Fahrzeugpapieren kontrolliert werden. Besonders im Trend seien derzeit Softwaremodifikationen, erzählt Abelmann. Insgesamt sei Auto-Tuning derzeit im Trend: „Es ist spürbar, dass es immer mehr wird.“
Dashcams werden immer häufiger eingezogen
Auch Dashcams werden immer häufiger konfisziert, berichtet Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg-Referent Marc Kopp. „Kameras die nur dann aufzeichnen, wenn es zu einem Unfall kommt, sind erlaubt“, sagt er. „Nicht aber solche, die durchgehend laufen.“
Katz-und-Maus-Spiel
„Teilweise hat man das Gefühl, dass versucht wird herauszufinden, was man noch vor der Polizei versteckt bekommt“, so Abelmann. Dennoch würden viele auch gar nicht damit rechnen aus dem Verkehr gezogen zu werden. „Da denken manche nicht zu Ende“, so Felix Schmidt, Dozent an der Fachhochschule und Verantwortlicher für die 30 jungen Polizisten, die im Zuge eines Lehrgangs an der Verkehrskontrolle beteiligt sind. „Da habe ich schon vieles erlebt“, sagt er und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen. „Einmal haben wir einen Speditionslaster stillgelegt“, erzählt er. „Ein Kollege sollte ihn abholen, aber auch dessen Fahrzeug haben wir kontrolliert und stillgelegt.“ Doch das war erst der Anfang. „Sieben Laster haben wir am Ende stillgelegt, erst der achte war tatsächlich verkehrstauglich.“