Die Stadt soll mehr Fahrradstraßen erhalten, wie hier in der Bert-Brecht-Straße in Schwenningen. Foto: Marc Eich

Die Stadt setzt die Radverkehrsplanung für Villingen-Schwenningen fort. Über die Ausgestaltung der Radwege waren sich die Stadträte zwar nicht ganz einig, klar ist aber, dass weitere Maßnahmen getroffen werden. Darunter auch ein leuchtender Abschnitt.

Mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog soll den Bürgern in Villingen-Schwenningen die Nutzung der Radwege schmackhaft gemacht werden. Sicherer und nutzungsfreundlicher sollen Radfahrer in der Doppelstadt unterwegs sein. Dafür sollen in diesem und kommenden Jahr und eine halbe Million Euro investiert werden. Im Technischen Ausschuss wurden die bisherigen Maßnahmen und Planungen vorgestellt.

 

Was bisher umgesetzt wurde Vier Themenbereiche hatte sich die Verwaltung vorgenommen, um hier schnelle Umsetzungen zu ermöglichen. So sind Furteinfärbungen angestoßen wurden (von 424 möglichen Furten sind 140 eingefärbt), Einbahnstraßen wurden und werden geöffnet (243 Straßenabschnitte sind betroffen, in 114 folgte bereits die Umsetzung), 26 außerörtliche Radwege sollen für S-Pedelecs freigegeben werden, und Benutzungspflichten wurden geändert. Letzteres in der Arminstraße (aus einem getrennten Geh- und Radweg wurden dort ein geschützter Radstreifen sowie ein gemeinsam Geh- und Radweg), zudem soll der Radverkehr an den Einfahrten in den Villinger Innenring Vorrang haben.

Fahrradstraßen sind entstanden

Nach und nach sind zudem erste Fahrradstraße im Stadtgebiet entstanden, in der Carl-Haag-Straße, Bert-Brecht-Straße sowie Staufenstraße und in der Brigachstraße sowie der Mozartstraße ist dies bereits umgesetzt worden, die Farbmarkierung folgt. Abgeschlossen ist der Teilstück der Sturmbühlstraße zwischen Armin- und Sängerstraße.

Der Ausbau des Neckarradwegs Kessel sowie der Radweg bei Spitals 30 Jauchert im Zentralbereich ist abgeschlossen, im Quartierskonzept Beethovenstraße findet derzeit die Umsetzung statt.

Was man noch umsetzen möchte Ein bunter Strauß an Maßnahmen stehen nun für 2024 und 2025 an. Geplant ist beispielsweise die Einfärbung von Schutzstreifen Auf der Lehr, in der Spittelstraße, Villinger Straße, Lahrer Straße, Saarlandstraße sowie Niederwiesenstraße. Zudem sollen weiteren Fahrradstraße folgen. In Schwenningen ist das ein weiterer Abschnitt der Sturmbühlstraße (von der Polizeihochschule bis zur Arminstraße), im Albrecht-Dürer-Weg (Espanstraße bis Heilbronner Straße) und in der Carl-Haag-Straße sowie Bert-Brecht-Straße soll der Lückenschluss geschaffen werden.

Leitboys sollen Sicherheit erhöhen

In Villingen plant man eine Fahrradstraße in der Martin-Luther- und Schillerstaße, darüber hinaus sollen in der Fördererstraße und der Justinus-Kerner-Straße Vorbereitungen getroffen werden. In Marbach soll der Forellenweg als Achse zwischen Donaueschingen nach Schwenningen und Bad Dürrheim zur Fahrradstraße werden.

In der Goldenbühlstraße sowie teilweise in der Saarlandstraße soll mit Leitboys, also kleine Leitbaken, soll zudem getestet werden, ob so die Sicherheit im Vergleich zur Einfärbung erhöht werden kann.

Phosphoreszierende Begleitstreifen

Eine Besonderheit steht beim Mooswaldradweg an. Hier soll Nachtleuchtfarbe aufgebracht werden, um die Orientierung zu erleichtern. Dies könnte als Lösung bei jenen Strecken dienen, die keine eigene Beleuchtung haben – beispielsweise zwischen den Stadtteilen und Ortschaften.

Wie soll das funktionieren? Die Stadt testet phosphoreszierende Begleitstreifen, die Radwege beidseitig markieren. Die Phosphoreszenz in der sogenannten Nachtleuchtfarbe lädt sich tagsüber mit Sonnenlicht auf und leuchtet bei Dunkelheit nach. Die Leuchtdauer beträgt abhängig vom gewählten Material nach Angaben der Stadt bis zu zehn Stunden. Auf einer Strecke von 800 Metern soll die Farbe testweise aufgetragen werden.

Was die Stadträte dazu sagen Insbesondere die Fraktion der Grünen hält die Maßnahmen noch nicht umfangreich genug. Neu-Stadtrat Falko Gronmaier forderte „Gleichberechtigung für alle Verkehrsteilnehmenden“ und ein Abrücken der „Hoheit für Autos“. Konkret soll den Fahrrädern mehr Platz eingeräumt werden.

Das betonte auch Fraktionskollegin Ulrike Salat. Man sei mit den Maßnahmen „nicht so zufrieden“, insbesondere deshalb, weil die Grünen von einer gemeinsamen Nutzung von Geh- und Radwegen „gar nichts“ halten. Wen man wolle, dass Pendler auf das Rad umsteigen, müsse man garantieren, dass diese schnell vorankommen. Bei kombinierten Geh- und Radwegen sei das nicht möglich.

Keine schweren Unfälle bekannt

Silvie Lamla als Leiterin des Grünflächen- und Tiefbauamtes machte in diesem Zusammenhang jedoch darauf aufmerksam, dass diese Forderung bei Platzmangel nicht umgesetzt werden könne. Lamla: „Man kann den Menschen ja das Gehen nicht verbieten.“ Der Stadtverwaltung sei darüber hinaus nichts von schweren Verletzungen nach Zusammenstößen zwischen Fußgängern und Radfahrern bekannt.

„Vielmehr bring der gemeinsame Weg weniger tödliche Unfälle als der gemeinsame Rad- und Autoverkehr“, so die Amtsleiterin. Die Pläne der Verwaltung für die Radmaßnahmen sind sodann bei elf Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme sowie drei Enthaltungen abgesegnet worden.