An der E-Ladestation in Rottweil ist immer was los. Foto: Otto

Wie verkaufen sich gebrauchte E-Autos? Welche Bedenken haben Kunden bezüglich Akku und Reichweite? Sind die Bedenken berechtigt? Wir haben bei den Gebrauchtwagenhändlern in Rottweil nachgefragt.

50 Prozent E-Autos bis 2030 -  das ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Doch nicht jeder kann sich ein Neuwagen leisten. Wie sieht es also mit dem Verkauf von gebrauchten E-Autos aus und welche Bedenken haben die Käufer?

 

Welche Bedenken haben die Kunden bei gebrauchten E-Autos?

Daniel Beck, Leiter des Verkaufs von bhg Automobile und Hassan Hassoun, Inhaber von Planet Cars berichten davon, dass viele Sorgen der Kunden beim Thema Akku liegen. Der aktuelle Zustand, auch State of Health genannt, die zu erwartende Haltbarkeit, die Reichweite und die Dauer des Ladevorgangs seien Kennzahlen, auf die Kunden Wert legen würden, so Beck.

Hassoun meint zudem, dass private Kunden sich, zumindest in ländlicheren Regionen, gegen E-Autos entscheiden würden, da zu wenig öffentliche Ladesäulen vorhanden seien. Nicht der einzige Punkt: „38 Prozent aller Gebrauchtwagenkäufer haben keine Garage, Tiefgarage oder Carport und demnach keine Möglichkeit, das Auto privat zu laden“, geht aus den Daten des Branchendienstes Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hervor.

In Großstädten und von Firmen mehr Nachfrage

Hassoun berichtet, dass Kunden bei Händlerkollegen aus dem Einzugsgebiet größerer Städte - wo es auch mehr Ladesäulen gibt - mehr nach E-Autos gefragt würden. Auch Firmen seien dazu gewillt, ihre Firmenwagenflotte auf elektrisch umstellen. Dies bringe enorme steuerliche Vorteile mit sich.

Von Privatpersonen werde laut Hassoun eher nach Fahrzeugen mit Hybridantrieb gefragt. Sie seien noch nicht zu 100 Prozent überzeugt von der Technologie und wollen Entwicklungen abwarten.

Kann der SOH der Akkus getestet werden?

Bei bhg wird, so Beck, der SOH der Fahrzeugakkus „ mittels spezieller Geräte sehr exakt ermittelt und in Form eines Batteriezertifikates nachvollziehbar dokumentiert. Sie belegen visuell und nachvollziehbar den Zustand der Batterie. Die Kunden bekommen zertifizierte Transparenz und Verbindlichkeit bezüglich des Akkuzustands und somit auch die nötige Sicherheit.“

Und das ist wichtig. Denn ist ein Akku kaputt, belaufen sich die Kosten für eine Reparatur, unabhängig von der Größe des Pkw, auf fünfstellige Summen. Ein nicht weiter benutzbarer Akku kommt, je nach Modell, also einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich.

Sind gebrauchte E-Autos zu teuer?

Hassoun bezeichnet die Preise „mehr als fair - auch für Händler.“ Eine Suche auf mobile.de zeigt: Die Preise für Kleinstwagen beginnen bei 4000 bis 5000 Euro. Aus den Daten des DAT geht zu dem hervor, dass die Preise für E-Autos zuletzt gefallen seien.

Doch: „Deutschland ist ein Land der Schnäppchenjäger“, sagt Martin Doppelbauer, Professor für Hybride und Elektrische Fahrzeuge am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im SWR. Objektiv seien die Preise für Elektroautos ohne Förderung heute nicht höher als vor 18 Monaten mit Förderung. „Aber das Gefühl, einen besonderen Vorteil mitnehmen zu können, ist komplett verloren gegangen.“ Die Bundesregierung stellte 2023 die Förderung durch den Umweltbonus, der auch für den Kauf von Gebrauchtwagen galt, ersatzlos ein.

Welche Marken sind nachgefragt?

Auch wenn Planet Cars „eher selten“ E-Autos verkaufe, seien schon einige vom Hof gefahren. Darunter fünf Teslas, die besonders wegen der Optik und der Technik beliebt seien, so Hassoun. Auch ein Volvo S sowie die einige Modelle der Premiummarken wie E-Ups und A-Klassen habe er verkauft. Nach E-Autos aus China habe bisher niemand gefragt.

„Nach wie vor ist der Absatz der Verbrenner wesentlich stärker, aber es ist ein Trend zu erkennen, dass die E-Autos an Akzeptanz gewinnen,“ meint Beck. Mittlerweile „deutlich höhere Reichweiten und schnellere Ladezeiten sind für viele Kunden Argumente, sich mit dem Umstieg auf ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug zu beschäftigen – auch im Bereich der Gebrauchten. Nicht zuletzt letztlich wächst das Vertrauen in ein E-Auto auch dadurch, dass man immer mehr davon auf den Straßen sieht.“