Diese Autofahrer sind mit die ersten, die an der neuen Fußgängerampel „Appentalstraße“ anhalten müssen. Foto: Stadt Messstetten/Volker Bitzer

Eine Fußgängerampel in Unterdigisheim hilft jetzt Passanten, die Appentalstraße zu queren. Sie ist seit Kurzem in Betrieb und hat eine lange Geschichte mit zahllosen Hürden.

Es war eine Anwohnerin der Mühlstraße in Unterdigisheim, die sich Mitte der 2010er-Jahre Sorgen um ihre schulpflichtigen Kinder machte. Auf dem Weg zur Haltestelle für den Schulbus war es für die Kleinen zwingend, die Appentalstraße zu queren. Jeder Ortskundige weiß, dass diese Hauptdurchgangsstraße in Richtung Kernstadt Meßstetten stark befahren ist.

 

Hinzu kommen maue Sicht und nicht selten Autofahrer, die wohl etwas mehr als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho haben. Selbst erwachsene Fußgänger müssen also auf der Hut sein, wenn sie die Straßenseite wechseln wollen. Immens schwieriger wird es für Kinder. Ein Fußgängerüberweg sollte also helfen, die unübersichtliche Straße zu passieren – so der Wunsch der fürsorglichen Mutter.

Dass sich dieser aber nicht von jetzt auf gleich einfach umsetzen lässt, sollten die folgenden Jahre laut Pressemitteilung der Stadt zeigen. Viel Geduld und Ausdauer waren gefragt, und das, obgleich die Stadtverwaltung und ihre politischen Gremien hinter dem Anliegen der Frau aus Unterdigisheim standen. Doch für sämtliche verkehrsrechtlichen Anordnungen in nahezu allen Kommunen im Kreis ist das Landratsamt zuständig. Obendrein ist die Appentalstraße eine Landesstraße, für die ohnehin immer das Land via jeweiliger Kreisbehörde zuständig ist.

Verfahrensweg war mühsam

Die Verantwortlichen im Landratsamt zeigten zwar von Beginn an Verständnis für das Anliegen, sie mussten sich allerdings an vielen gesetzlichen Vorgaben orientieren. Das machte den Verfahrensweg mühsamer und kostete Zeit. Zehn Jahre sind seit dem ersten Antrag aus 2016 ins Land gezogen, bis alle Hürden mit zahlreichen rechtlichen Vorschriften genommen waren und die Fußgängerampel ihren Betrieb aufnahm.

Ampel statt Zebrastreifen

Ein Blick in die Historie klärt auf: Nachdem sich die Mutter aus Unterdigisheim im August 2018 erneut an die Stadtverwaltung gewandt hatte, kam es nach drei Monaten zu einer Verkehrsschau mit Vertretern von Stadtverwaltung, Landratsamt und Polizei, um zu überprüfen, ob ein Fußgängerüberweg Abhilfe schaffen könnte. Man kam jedoch zum Schluss, dass ein Zebrastreifen aufgrund der Bebauung und des Straßenverlaufs nicht zu realisieren sei. Zudem stellten die Fachleute fest: Aus verkehrsrechtlicher Sicht kann nur eine Bedarfsampel eingerichtet werden, für einen Fußgängerüberweg fehlen die Voraussetzungen. Die geforderte Mindestzahl an Fußgängerquerungen war schlicht zu niedrig.

Neuer Standort bringt Erfolg

Die Stadtverwaltung hat im Mai 2019 beim Verkehrsamt eine Prüfung angeregt, ob eine Lichtsignalanlage, wie es im Fachjargon heißt, realisiert werden könne. Diesen Vorschlag wog das Verkehrsamt intern ab. Ein neuer Leitfaden des Landes half dann den Ampel-Plänen in Unterdigisheim. Nachdem dann Gemeinderatsausschuss und Ortschaftsrat klar für die Ampel votiert hatten, ging es recht zügig. Es ging dann recht zügig, bis die Kreisbehörde die sogenannte verkehrsrechtliche Anordnung für eine Fußgängerampel erließ. Das war am 11. Oktober 2021. Das Ziel vor Augen, rückte dieses aber am 7. April 2022 nochmals in die Ferne, denn es gab neue Erkenntnisse und das Landratsamt musste die bereits erteilte Freigabe kassieren. Also zurück auf Los? Aufgeben kam für die Stadt und die Verwaltungsspitze nicht in Frage. Auf Betreiben von Bürgermeister Frank Schroft erfolgte im März 2023 ein weiterer Vor-Ort-Termin in Unterdigisheim. Bei diesem wurde schließlich ein alternativer Standort für eine Ampel gefunden, etwa 150 Meter weiter nach oben in Richtung Rathaus.

Dieser war deutlich besser und vor allem rechtzeitig erkennbar für Autofahrer aus beiden Richtungen. Dann erfolgten planerische und bauliche Leistungen und die Umsetzung. Die Kosten belaufen sich auf 68.000 Euro und werden vom Land getragen. Der Bau der Anlage konnte mit wenig Eingriff in den Straßenverkehr errichtet werden, da die Stadtverwaltung bereits bei der Glasfasererschließung Leerrohre unter der Straße für die Ampel einbauen ließ.