Über Möglichkeiten einer verkehrsberuhigten Innenstadt diskutiert der Gemeinderat. Foto: Jürgen Liebau

Das Thema „Lebendige und verkehrsberuhigte Stadtmitte“ beschäftigt seit einem Jahr den Gemeinderat. Nach einer Bürgerbeteiligung in einem Workshop im vergangenen Herbst stellte nun das Büro Rapp dem Gemeinderat verschiedene Planungsmöglichkeiten vor

Dieser Tagesordnungspunkt war als eine reine Information ohne große Diskussionen geplant. Es gab aber doch eine ganze Reihe von Anmerkungen der Gemeinderäte. In einem nächsten Schritt sind dann am 15. Mai erneut die Bürger beteiligt und können in die Diskussion zu den vorgestellten Plänen einsteigen und damit die Entwicklung beeinflussen.

 

Im Gemeinderat wurde deutlich, dass eine Entwicklung in der Innenstadt einen Spagat darstellt: Zum einen will man den Bereich lebenswerter und freundlicher gestalten, zum anderen aber will man dafür beispielsweise nicht unbedingt auf viele Parkplätze verzichten.

Viele Interessen prallen aufeinander

Vorgestellt wurde die ganze Präsentation von Janne Hesse und Wolfgang Wahl vom Büro Rapp. Nicht einfach ist diese Planung, da für den Innenstadtbereich unterschiedliche Nutzungsansprüche gestellt werden: Die Radfahrer wollen hier sicher fahren, Fußgänger wollen zügig und sicher über die Straße gehen, die Autofahrer benötigen die Parkplätze und andere wollen ungestört einkaufen und vieles mehr.

Hesse und Wahl machten deutlich, dass bei der Bürgerbeteiligung die definierten Planungsziele weitgehend bestätigt wurden wie die Schaffung lebenswerter öffentlicher Räume und die Reduzierung und Neuordnung des ruhenden Verkehrs. Unter anderem muss in diesem Zusammenhang die künftige Verkehrsführung beraten werden, für die verschiedene Varianten mit Einbahn-Regelungen beispielsweise in der Wilhelmstraße und/oder der Alemannenstraße diskutiert werden. Priorisiert wird dabei die Wilhelmstraße als Einbahnstraße mit mehr Verkehrssicherheit, steigender Aufenthaltsqualität und geringerer Verkehrsbelastung. Die Allmendstraße wird dadurch aber deutlich mehr belastet und die Wege in der Stadt werden länger. Auf jeden Fall sollen die Fahrbahn-Querschnitte verändert werden.

Bei einer Einbahn-Regelung in der Wilhelmstraße, wie sie derzeit testweise besteht, bleibt deutlich mehr Platz für die Fußgänger, aber auch für die Radfahrer sogar im Gegenverkehr. Auch in der sehr breiten Bismarckstraße kann man Parkplätze schaffen und gleichzeitig Raum für die Radfahrer. Es sei sogar denkbar, in der Wilhelmstraße die Geschwindigkeit auf 20 Stundenkilometer zu begrenzen.

Parkhaus sollte billiger werden

Wichtig sind auch eine Prüfung und Lenkung beim ruhenden Verkehr. Nicht zuletzt sollte die Nutzung der Parkhäuser durch niedrige Tarife attraktiver werden. Mehr Raum für die Fußgänger schaffen kann man unter anderem durch den Wegfall von Parkplätzen, speziell genannt wurden die Parkplätze vor der Lindenapotheke oder eine freundlichere Gestaltung durch Wegfall der Parkplätze vor dem Café Mayerhöfer. Auch die Parkplätze in der Bismarckstraße könnte man freundlicher gestalten wie aktuell in der Friedrichstraße mit grünen Inseln zwischen den Parkplätzen. Wichtig sei auch, dass die Bushaltestellen umgestaltet und barrierefrei werden. Für den Bürgerbus soll die Haltestelle Gerwigstraße ausgebaut und ein neuer Haltepunkt an der Alten Post geschaffen werden. Weitere wichtige Themen sind neue Angebote bei der Mobilität und bei der Verkehrsführung für Radfahrer, und auch die Überquerung für die Fußgänger müssen optimiert werden.

Wohin mit den Studentenautos?

Von den Gemeinderäten kamen noch einige Einwendungen und Anregungen. Rainer Jung (FW) merkte an, dass Furtwangen eine andere Topografie habe wie Freiburg und dadurch die Radfahrer niemals diese Rolle spielen können. Die Planer waren allerdings der Meinung, dass wegen immer mehr E-Bikes hier noch einige Veränderungen erwartet werden können. Isolde Grieshaber (UL) regte an, die Vorschläge einmal testweise zu realisieren, beispielsweise auch die vorgeschlagene Fußgängerzone im Bereich Drogerie bis Hochschule. Auf jeden Fall, so der Gemeinderat, muss auch der Parkplatzbedarf der Studenten berücksichtigt werden, zumal die Hochschule auch Parkplätze abbaut. Und nicht zuletzt müsse man bei einem Wegfall von Parkplätzen den Einzelhandel mit einbeziehen, der hier aktuell schon leidvolle Erfahrungen gemacht hat.

Die ganze Präsentation des Büros Rapp mit den verschiedensten Ideen und Vorschlägen kann man jederzeit online über die Homepage der Stadt Furtwangen (Sitzung 25. März) abrufen.