Eine Initiative sammelt 2400 Unterschriften. In zahlreichen Schaufenstern hängen Plakate. Man ärgert sich über viel Verkehr in engen Nebenstraßen.
Seit Beginn der temporären Innenstadtumleitungen und -sperrungen im Rahmen der Eventreihe Donauquellsommer schlagen die Wellen hoch in Donaueschingen. Händler klagen über Umsatzeinbußen, Ärzte über eine schlechte Erreichbarkeit und Lieferanten über eine komplizierte Verkehrsführung, während einige Anwohner den zunehmenden Verkehr in den Nebenstraßen kritisieren. Das unterstreichen auch zahlreiche Leserbriefen an unsere Redaktion.
Wer aufmerksamen Auges durch die Innenstadt marschiert, wird auch schon die Plakate entdeckt haben, die in zahlreichen Schaufenstern hängen: „Verkehrsversuch Karlstraße sofort stoppen – Keine Experimente auf unsere Kosten“ steht darauf. Absender ist eine erst vor zwei Wochen gegründete Interessengemeinschaft, die sich „Wir sind Donaueschingen“ nennt. Stand jetzt besteht die Interessengemeinschaft aus 54 Personen.
Einer davon ist Kai Georg. Er wohnt und arbeitet in der Wasserstraße. „Wir sind entsetzt, da sich seither unglaublich viel Verkehr, darunter auch Lastwägen, durch die enge Wasserstraße drückt“, sagt er. Der Anwalt hat kurz nach Beginn der Maßnahmen in Eigeninitiative eine Unterschriftenaktion gegen die Verkehrsumleitungen in der Innenstadt initiiert und vertritt nunmehr die neu gegründete Interessensgemeinschaft als Sprecher. Vor ihm liegt ein Stapel an Unterschriftenlisten. „Die Resonanz war riesig, von Beginn an“, sagt er. 2400 Unterstützer haben, Stand 3. Juli, ihre Unterschrift für die Aufhebung der Maßnahmen gesetzt.
Unabhängiger Experte bewertet
Als unabhängiger Experte hat sich nun auch Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, eingeschaltet. Er hat im Laufe seiner Karriere schon mehrere Verkehrsversuche und die Umsetzung von Innenstadtkonzepten in der Region betreut oder mit Expertise unterstützt. Auch ihm ist die Diskussion über die laufende Innenstadtentwicklung der Donauquellstadt zu Ohren gekommen und er bewertet im Gespräch mit der Redaktion die Thematik aus der Distanz.
Was aus seiner Sicht wichtig ist: „Innenstadt geht nur gemeinsam.“ Eine lebendige Innenstadt sei ein Zusammenspiel aus vielen unterschiedlichen Akteuren: also den ansässigen Gewerbetreibenden, Dienstleistern, Ärzte und öffentliche Einrichtungen und Verwaltungseinheiten. Eine Innenstadt habe viele Funktionen zu erfüllen – darunter beispielsweise die Nahversorgung, Freizeitgestaltung und die gesundheitliche Versorgung durch Ärzte. „Eine Innenstadt hat über die Jahre hinweg immer mehr Leistung zu erbringen, auch in puncto Freizeitgestaltung“, so Hilsenbek.
Jedoch dürfe man dabei den Aspekt Erreichbarkeit nicht vergessen. „Hier im ländlichen Raum ist man auf das Auto angewiesen, dementsprechend sollte auch die Innenstadt einer mittelgroßen Stadt wie Donaueschingen darauf ausgelegt sein. Und im Falle eine Verkehrsberuhigung sollte ein funktionierendes Parkleitsystem im Vorfeld installiert werden.“ Was Hilsenbek betont: „Eine Innenstadtentwicklung ist ein Prozess, bei dem auch nachjustiert werden darf – und soll.“ Besonders in einer Testphase – wie sie auch derzeit in Donaueschingen laufe – sei es wichtig, Zwischenbilanz zu ziehen und mit allen Akteuren zusammenzuarbeiten. „Die Akteure müssen das Gefühl haben, auch gehört zu werden.“
Treffen vor der Ratssitzung
In Donaueschingen sei der Gesprächsbedarf derzeit gegeben – nun gelte es, diesen zu kanalisieren und einzufangen und gemeinsam an einem Innenstadtkonzept zu arbeiten, das für alle Akteure tragfähig sei – so seine Einschätzung. Mit Spannung erwartet die Interessensgemeinschaft nun die Gemeinderatssitzung am Dienstag, 8. Juli. Mitglieder der Interessengemeinschaft werden sich um 19 Uhr vor den Donauhallen treffen, eine Versammlung wurde dahingehend angemeldet.
Auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung ist die Thematik der temporären Innenstadtsperrungen zwar nicht vorgesehen – doch die Interessengemeinschaft hofft, dass sich die Verwaltung und Gemeinderäte auf die Diskussion bezüglich der Forderung eines vorzeitigen Endes der Verkehrsführung im Rahmen des Donauquellsommers einlassen, wie Georg ausführt.
Sprechstunde mit OB Pauly
Donauquellsommer
Seit dem 1. Juni und noch bis zum 31. August findet in der Stadt Donaueschingen der Donauquellsommer statt. Das Veranstaltungsprogramm wird ergänzt um verkehrsberuhigende Maßnahmen. Diesen Maßnahmen liegt ein Gemeinderatsbeschluss vom April zugrunde. Damit sollen Veranstaltungsplätze als attraktive Aufenthaltsorte neu inszeniert werden. Außerdem soll eine Entlastung der Verkehre und eine Steigerung der Lebens- und Aufenthaltsqualität stattfinden. Nun lädt Oberbürgermeister Erik Pauly alle Bürger am Mittwoch, 9. Juli, von 17 bis 18 Uhr, zu einem offenen Austausch auf dem Rathausplatz ein. Dort will der Oberbürgermeister allen Interessierten für Fragen und Anregungen zum Thema zur Verfügung stehen. Anmeldungen sind nicht nötig. Ziel ist es laut einer Mitteilung der Stadt, mit den Bürgern direkt über den Donauquellsommer zu sprechen. „Ich möchte zuhören, mitnehmen, erklären – und das dort, wo die Menschen sind“, so Oberbürgermeister Erik Pauly.