Der marode Zustand an der B27 bei Donaueschingen erfordert eine große Lösung. Die Arbeiten an der östlichen Fahrbahn sollen 2028 starten.
Sie ist ein kleiner Bremsklotz für Autofahrer geworden, die von Hüfingen in Richtung Bad Dürrheim unterwegs sind: die marode Brücke der Bundesstraße 27 über dem Donauzusammenfluss bei der Verbandskläranlage in Donaueschingen.
Denn seit diesem Jahr dürfen Autofahrer in diese Richtung nur noch mit 80 Kilometern pro Stunde über die Brücke fahren, Lastwagen müssen gar auf Tempo 50 herunterbremsen und 150 Meter Abstand zu anderen Lastern halten.
Auf der anderen Seite der Bundesstraße kann der Verkehr dagegen ohne zusätzliche Einschränkungen nach Hüfingen rollen. Der Grund: Diese Westfahrbahn wurde im Zuge des vierspurigen Ausbaus der B27 vor einigen Jahren erst neu gebaut. Die marode Ostseite stammt hingegen noch aus den 1970er-Jahren. Es scheint sich eine Lösung abzuzeichnen.
An dieser Stelle besteht die Donaubrücke genau genommen also aus zwei einzelnen Brücken, sagt Heike Spannagel, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg (RP): „Brücken an zweibahnigen Straßen werden in der Regel mit zwei getrennten Brücken ausgeführt, wie man das von Autobahnen kennt.“
Spannstahl verwendet
Nach dem Teileinsturz der Dresdner Carolabrücke im September 2024 hatte das Landesverkehrsministerium für alle bauähnlichen Brücken mit ähnlichen Risiken entlastende Maßnahmen bis zu deren Neubau vorgegeben. So auch für den alten Teil der Donaubrücke. Bei ihrem Bau wurde ebenfalls so genannter spannungsrisskorrosionsgefährdeter Spannstahl verwendet. Weitere Einschränkungen für den Verkehr auf der bestehenden, knapp 100 Meter langen Brücke sind laut Spannagel vorerst nicht geplant. Sollte das RP bei den mittlerweile öfter anstehenden Prüfungen neue Mängel entdecken, könnte sich dieser Umstand allerdings ändern.
Mittelfristig werden die Bagger auf der Bundesstraße 27 allerdings wieder anrollen. Die alte Donaubrücke ist Teil des Programms des Landesverkehrsministeriums zur Modernisierung von Brücken im Land. Bis 2030 soll sie als eine von 180 Brücken im Land saniert beziehungsweise neu gebaut werden. Doch die Frage ist, warum das marode Bauwerk nicht im Zuge des Ausbaus der etwa vier Kilometer langen Strecke ebenfalls direkt neu gebaut wurde. Denn laut Spannagel war schon in der Planungsphase der Westfahrbahn und deren Brücke klar, dass die schon bestehende Ostseite durch einen Neubau ersetzt werden muss.
„Von vorneherein war vorgesehen, dass zunächst die Westfahrbahn fertiggestellt wird, bevor die Erneuerung und Sanierung der Brücke der Ostfahrbahn erfolgen kann, damit für die Abwicklung des Verkehrs der B¦27 eine Fahrbahn (also eine Fahrspur in jede Richtung) zur Verfügung steht“, erklärt Spannagel. Fertiggestellt wurde der neue Brückenteil im Westen vor etwa vier Jahren.
Nach aktuellem Stand geht Heike Spannagel davon aus, dass der Neubau der Ostfahrbahn ab 2028 beginnen kann. „Die Planungen des Neubaus sind weit fortgeschritten.“ Die Entwurfsplanung sei zu weiten Teilen erarbeitet, außerdem laufen noch naturschutzrechtliche Untersuchungen. Abschließend müssen Bund und Land das Projekt noch genehmigen. Dauern sollen die Arbeiten dann mindestens zwei Jahre. In dieser Zeit sieht das Regierungspräsidium vor, den Verkehr zwischen Bad Dürrheim und Hüfingen jeweils einspurig über die Westfahrbahn zu führen. Für die Kosten kalkuliert Freiburg derzeit mit etwa zehn Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Bau der Westfahrbahn schlug mit etwa fünf Millionen Euro zu Buche.
Bau mit Makel
Das Projekt
Mit dem damals größten Straßenbauprojekt auf der Baar wurde zwischen 2016 und 2022 die Bundesstraße 27 zwischen Donaueschingen und Hüfingen über etwa vier Kilometer vierspurig ausgebaut. Etwa 38 Millionen Euro kostete das Großprojekt. Teil des Ausbaus war, neben der Donaubrücke, auch die Hüfinger Lärmschutzwand, die bis heute noch nicht freigegeben ist.