Am Mittwochabend diskutierten Calwer Bürger in der Aula darüber, wie sie sich den innerstädtischen Verkehr in Zukunft vorstellen. Foto: Biermayer

Die Hermann-Hesse-Bahn hat zukünftig zwei Haltepunkte im Stadtgebiet. Aber wie kommen die Menschen dorthin? Und wie bewegen sie sich generell in der Stadt fort? Dazu waren die Calwer Bürger selbst gefragt.

Calw - Etwa 40 Bürger kamen am Mittwochabend in die Aula zum Bürgerforum Innenstadt. Wieder einmal war ihre Meinung gefragt, diesmal zum Thema Mobilität. Die Stadt möchte nämlich ein integratives Verkehrskonzept entwickeln. Dazu wurde ein Fachbüro aus Darmstadt beauftragt. Aber auch die Bürgerbeteiligung ist ein zentraler Baustein. Denn die Menschen sollen die Angebote im Idealfall ja auch nutzen.

 

Deshalb sollten die Calwer ihr "lokales Wissen einbringen", wie Oberbürgermeister Florian Kling bei der Veranstaltung meinte. Sebastian Hofherr vom Fachbüro R+T erklärte, was es mit dem integrativen Verkehrskonzept auf sich hat. Es gehe einerseits um multimodale Verkehrsknoten. Dafür sollten unterschiedliche Verkehrsmittel – das Rad, das Auto, der ÖPNV, der Fußverkehr und Sharing-Angebote – an den zentralen HHB-Haltepunkten miteinander verzahnt werden.

Andererseits gehe es um den Fuß- und Radverkehr in der Kernstadt sowie Heumaden. Und auch die betreffenden Ortsmitten sollen vom Verkehr beruhigt und mit Publikum belebt werden. Zu diesen drei Themen diskutierten die Bürger anschließend in Kleingruppen. Zum Schluss wurden die Ergebnisse zusammengetragen und präsentiert.

Multimodale Verkehrsknoten

Mit dem ZOB sei man eigentlich schon gut aufgestellt, meinte Hofherr. Es habe eine zentrale innenstadtnahe Lage. Allerdings bestehe Modernisierungsbedarf. Wie im Bauausschuss angekündigt, will die Stadt hier handeln. Vor allem die innerstädtischen Buslinien müssten ausgebaut und besser zum Schienenverkehr getaktet werden, analysierte Hofherr. Die zukünftigen Haltepunkte seien für rund die Hälfte der Calwer aber auch zu Fuß zu erreichen. Für die anderen müsse es einen guten Zugang mit dem Rad und dem ÖPNV geben. Auch "Park-and-Ride"-Angebote und Ladesäulen für E-Autos würden benötigt.

ÖPNV

Die Diskussion ergab, dass viele Bürger bereit wären, auf Autofahrten oder sogar komplett auf ein Auto zu verzichten. Ihnen fehlten aber ausreichende ÖPNV-Alternativen im Stadtgebiet. Außerdem frustrierten lange Reisezeiten, das Nicht-Einhalten der Fahrpläne, fehlende Radstellplätze sowie Verspätungen und dadurch verpasste Anschlussverbindungen die ÖPNV-Nutzer. "Die Verlässlichkeit des ÖPNV wird als Problem gesehen", stellte Hofherr fest. An einer Lösung des Problems müssten aber viele Akteure – die Bahn, andere Verkehrsbetriebe, der Landkreis und die Stadt – mitwirken.

Fuß- und Radverkehr

Der Fußverkehr in Calw habe einen "hohen Erlebniswert", fand Hofherr. Das ist eine nette Umschreibung dafür, dass wenn man nicht gerade parallel zur Nagold unterwegs ist, eigentlich jeder Fußweg im Stadtgebiet entweder bergauf oder bergab führt. "Vor dem Kaufland hat man als Fußgänger immer das Gefühl, man steht im Weg", stellte er weiter fest. Das Fußwegenetz weise zahlreiche Lücken auf. Gehwege seien zu schmal, kaputt oder fehlten ganz. Auch die Barrierefreiheit sei wegen hoher Bordsteine eingeschränkt. All das seien Probleme, welche die Stadt angehen müsse. Ein explizites Radverkehrskonzept sei aber nicht Teil der Planungen.

Den Bürgern lagen besonders sicherere Schulwege am Herzen. Außerdem würden die Bereiche um Spielplätze oft zugeparkt. Auch Querungshilfen über Straßen fehlten an einigen Stellen. Außerdem forderten sie eine stärkere Verkehrsberuhigung der Innenstadt. Fahrverbote in der Lederstraße müssten besser kontrolliert werden. Und die Gehwege sollten allgemein mehr gepflegt und von Bewuchs befreit werden.

Lebendige Ortsmitten

Die Ortsmitten – bei der Veranstaltung ging es um die Kernstadt und Heumaden – seien durch vielfältige Architektur und Grünflächen schon attraktiv, so Hofherr. Der KFZ-Verkehr werde auf wenige Hauptverkehrsstraßen gebündelt. Dort sei die Aufenthaltsqualität dann aber gering. In den Nebenstraße dominierten vor allem parkende Autos. Die Ortsmitten sollten als Treffpunkt und Kommunikationsort gestärkt werden. Eine "Reduzierung der Dominanz der KfZ-Infrastruktur" solle zu einer gleichwertigen Berücksichtigung aller Verkehrsteilnehmer führen. Parksuch-, Wirtschafts- und Schwerverkehr sollten im gesamten Gebiet reduziert werden.

Aus den Diskussionsgruppen kam die Forderung, eine andere Zufahrt zum Parkhaus Calwer Markt zu finden. Der Weg um die Ecke in die Lederstraße sei nicht optimal und kollidiere mit dem Fußverkehr. Außerdem solle man das wilde Parken am Markt stärker kontrollieren und einschränken. Zudem wurde beklagt, dass in Heumaden oft die Kurven zugeparkt seien und parkende Autos generell viel Platz einnähmen. Ebenso seien Elterntaxis ein Problem. Und vor allem in Heumaden wünschten sich die Bürger mehr Treffpunkte für junge und alte Menschen.

Wie geht es weiter?

Das Fachbüro arbeitet die Rückmeldungen nun in seine Analyse ein. Im Bauausschuss soll dann im Januar ein Zielkatalog erarbeitet werden. Darauf folgt dann eine abermalige Beteiligung der Bürger bezüglich der konkreten Umsetzung von Maßnahmen. Wann die genau umsetzt werden, wurde nicht bekanntgegeben. Das hänge auch immer von den Förderbescheiden ab, so Kling. Beim ZOB soll sich ja bis Ende nächsten Jahres einiges tun. "Ich freue mich auf jeden Fall über ihre Beteiligung", bedankte sich Kling bei den Bürgern.