Mobilität kostet. Foto: Otto

Wer bereit ist, das Autofahren mit vollen Händen zu subventionieren, darf auch am Anrufbus sparen, findet unsere Leserin Vera Niedermann-Wolf aus Rottweil.

Der Anrufbus ermöglichte im Jahr 2025 Mobilität für über 70.000 Personen. Er ist offensichtlich wichtig – vor allem für Menschen, die nicht Auto fahren können oder wollen, etwa Jugendliche. Kosten: 1,2 Millionen Euro.

 

Der Kreisrat und Rottweiler Oberbürgermeister Christian Ruf meint dennoch, man werde „sicher irgendwann darüber diskutieren müssen, ob man das Angebot aufrechterhalten könne, mit Blick auf die Kosten“. Zur Erinnerung: Für die Kosten unseres neuen Landratsamts könnte man circa 65 Jahre lang den Anrufsammelbus finanzieren, für den Gegenwert des eigenen Parkhauses für die Mitarbeiter noch einige Jahre mehr.

Sparpolitik und Antidemokraten

Als Oberbürgermeister fand Herr Ruf nichts dabei, Autofahrer mit dem Pendlerbus für die Dauer des Parkhausbaus kostenlos in die Stadt chauffieren zu lassen. Nicht einmal Parkgebühren mussten sie bezahlen. Jetzt haben wir ein hässliches, meist leeres Parkhaus, das die Stadt Rottweil gebaut hat und dessen Betrieb sie finanziert. Mangels Investor, denn das ist offensichtlich ein Verlustgeschäft. Ich meine: Wer bereit ist, das Autofahren mit vollen Händen zu subventionieren, der darf nicht an denen sparen, die ohne den Anrufbus abends nicht mehr nach Hause kommen und am Wochenende zu Hause bleiben müssten. Gerade in der Kommunalpolitik ist erlebbar, ob unser Staat fürsorglich ist und gut funktioniert.

Menschen, die sich nicht gesehen fühlen, die den Gestaltern von Politik buchstäblich nichts wert sind, wählen dann die Antidemokraten, neuerdings auch vermehrt junge Menschen. Wen wundert’s.

Vera Niedermann-Wolf, Rottweil

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