Um die neue Passerelle im Bahnhof Basel SBB für einen besseren Zugang der Reisenden zu den Bahnsteigen anzubinden, können die Gleise 4 und 5 als Stumpfgleise gesperrt werden. Foto: Rolf Reissmann

Der Schweizer Bahnkongress brachte eine Fülle von Anregungen für die künftige Verkehrspolitik im Nachbarland – auch in Basel und dem Grenzgebiet zu Deutschland.

Sowohl der Zürcher Verkehrswissenschaftler Ulrich Weidmann als auch das Bundesamt für Verkehr hatten zuletzt bei den Kantonen mehr Pragmatismus für künftige Ausbauten angemahnt.

 

Selbst hohe Förderbeträge reichen nicht aus

In Basel war nach Veröffentlichung der Weidmann-Studie bereits das Konzept für das jahrelang verfolgte „Herzstück“ zurückgezogen worden. Angesichts des immensen Staus von Investitionen im gesamten Verkehrsbereich hatte er weniger Aufwand und vor allem schneller realisierbare Lösungen empfohlen.

Christa Hostettler, Direktorin des Schweizer Bundesamts für Verkehr, kam in ihrer Ansprache auf den Kostenrahmen zu sprechen. Bundesrat und Parlament werden in den kommenden Jahren entweder 14 oder 24 Milliarden Franken für den Bahnausbau bis 2045 freigeben. Die Tendenz geht derzeit auf den höheren Betrag zu, aber selbst mit diesem sei bestenfalls nur ein Drittel der von den Kantonen angeregten Ausbauten möglich.

Weidmann: Herzstück-Aus war richtig

Mehrfach kam in den Referaten und Diskussionsrunden der Bahnverkehr in den Grenzgebieten zur Rache. Die Probleme in Genf und Waadtland, im Tessin, Wallis und den beiden Basler Kantone ähneln sich wegen der hohen Anzahl einreisender Berufspendler.

Weidmann bekräftigte im Kongress seine bereits in der Studie getroffenen Feststellungen zu den Basler Kantonen. Die Verkehrstopographie sei in der Stadt schwierig, beschränke die mögliche Ausbauten und verursache extrem hohe Kosten. Dass die Kantonsregierung nunmehr das Herzstück aufgegeben habe, sei eine richtige Entscheidung.

Für die beiden Kantonsregierungen aus Basel-Stadt und Basel-Land forderten die Regierungsräte Esther Keller und Isaac Reber dennoch massive Unterstützung des Bundes beim Ausbau des S-Bahn-Systems. Das Herzstück sei inzwischen zu überladen gewesen meinte Reber, dennoch werde ohne Durchmesserlinie keine vernünftige Lösung in Basel zu finden sein, fügte Keller an. Der nunmehr angedachte Lückenschluss zwischen Bahnhof SBB und Badischem Bahnhof unter Mitbenutzung der Elsässer Bahn könnte eine Lösung bringen.

Alternative zum Herzstück: Tiefbahnhof SBB

Mehrfach wurde in den Diskussionsrunden auch der erforderliche Tiefbahnhof SBB angesprochen. Die Lösung werde deutlich kostengünstiger als das Herzstück sein, hieß es.

Beide Regierungsräte plädierten dafür, weitere Planungen in enger Partnerherrschaft mit den angrenzenden deutschen und französischen Regionen zu führen.

SBB-Chef Vincent Ducrot mahnte an, bei weiteren Investitionen ins Bahnnetz unbedingt die Folgekosten zu bedenken. Bereits jetzt habe der Aufwand für Wartung und Instandhaltung einen Umfang erreicht, der mit den vorhandene finanziellen und personellen Kapazitäten kaum noch zu bewältigen sei.

Mit Blick auf die Bewältigung des derzeitigen Verkehrsaufkommens kritisierten Vertreter aus den Kantonen Uri und Waadtland, dass die vorgesehenen Verlagerungsziele des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene nicht erreicht wurden, was ja auch die beide Basler Kantone belaste.

Deutsche Bahnverhältnisse vermeiden

Mehrere Gesprächsteilnehmer verwiesen darauf, solche Wartungsrückstände an der Infrastruktur wie in Deutschland unbedingt zu vermeiden. So sei, wie der Walliser Regierungsrat Franz Ruppen sagte, die neue ICE-Verbindung von Brig nach Berlin zwar mit großem Pomp eröffnet worden, doch bereits am ersten Tag traf der Zug aus der deutschen Hauptstadt so spät in Basel, dass er dort enden musste.