Schwarz-gelb-weiß in den Landesfarben statt im DB-Rot: so werden künftig immer mehr Fahrkartenautomaten aussehen. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Das Land Baden-Württemberg entzieht nach einer Ausschreibung der Deutschen Bahn den Fahrkartenverkauf an zahlreichen Bahnhöfen. Aber zum Start gibt es für die Fahrgäste einige Hürden.

Fahrkarten kaufen am Bahnhof – das ist bisher meist mit dem Kürzel DB verbunden. Aber so wie auf den Schienen in Südwesten inzwischen Züge in Landesfarben verkehren, unabhängig davon, wer deren Betreiber ist, werden sich die Fahrgäste auch an schwarz-gelb-weiße Fahrkartenautomaten unter der Landes-Marke „Bwegt“ gewöhnen müssen.

 

Fahrgäste stehen vor verschlossenen Türen

Doch erst einmal sorgt das in diesem Herbst dafür, dass reihenweise Verkaufsstellen im Land teils über Monate schließen müssen. Zudem gibt es Reibereien zwischen dem bisherigen Betreiber Deutsche Bahn und dem neuen Anbieter, dem französischen Mobilitätskonzern Transdev.

Betroffen ist im Kreis Esslingen etwa der Bahnhof Nürtingen, wo Reisende zwischen dem 19. September und dem 3. November vor verschlossenen Türen stehen werden. Aber auch in Albstadt-Ebingen, Balingen, Friedrichshafen, Horb, Metzingen, Ravensburg, Rottweil, Sigmaringen und Überlingen macht der Fahrkartenverkauf in diesem Herbst wochenlang dicht. Ersatz durch Verkaufstellen, die teils aber einige Meter vom Bahnhof entfernt sind, gibt es in Aulendorf, Reutlingen und Tübingen.

Das Landesverkehrsministerium verweist darauf, dass man in der Zwischenzeit seine Tickets online oder am Automaten lösen kann. Doch Kunden, die zum Ticketschalter gehen, tun dies wegen der nun wochenlang nicht gewährleisteten Beratung. Auch die Fahrkartenautomaten müssen neu aufgestellt werden – und ob hier der Betreiberwechsel reibungslos klappt, ist offen.

Neuer Betreiber streitet mit der DB

Denn zwischen DB und dem neuen Betreiber Transdev ist ein heftiger Streit entbrannt, was die Weiternutzung der Sockel und Leerrohre der bisherigen DB Automaten kosten soll.

Die 7000 Euro je Automatenstandort, welche die DB laut Transdev verlangt, seien massiv überhöht, sagt der künftige Betreiber. Das Unternehmen hat deshalb Beschwerde beim Kartellamt eingelegt.

„Ich erwarte, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen – ganz im Sinne der Fahrgäste“, mahnt der grüne Landesverkehrsminister Winfried Hermann. Rein technisch dauere der Austausch von Automaten nur wenige Stunden, heißt es beim Ministerium. Wenn aber die DB tatsächlich ihre Drohung wahrmachen sollte, Fundamente und Leerrohre zurückzubauen, wenn Transdev nicht zahlungswillig ist, dürfte das nicht so schnell gehen.

Webfehler der Bahnreform

Mit der Vergabe durch das Land wird ein Konstruktionsfehler der Bahnreform korrigiert. Denn die Infrastruktur für den Fahrkartenverkauf liegt bisher nicht in der Verantwortung der Netzsparte InfraGo, sondern bei DB Fernverkehr.

Bisher hat der Verkauf von Nahverkehrstickets deren Fahrkartenverkauf mitfinanziert. Wo dies nicht mehr der Fall ist, hat die DB auch Schalter geschlossen. Bis 2030 sind Verkaufsstellen an 40 weiteren Bahnhöfen in Deutschland auf der Streichliste.

Ministerium: Für Fahrgäste wird es übersichtlicher

Die aktuellen Hürden für die Fahrgäste seien nur vorübergehend, betont das Verkehrsministerium. Es würden künftig nicht nur Fahrkarten für den Nahverkehr, sondern das gesamte Bahnangebot verkauft.

Bisher waren die inzwischen 16 verschiedenen, vom Land mit dem Schienenverkehr beauftragten Bahnunternehmen für den Ticketverkauf zuständig und haben dafür vom Land Geld bekommen. Die meisten haben dies an die DB delegiert, ihn manchmal aber auch selbst übernommen.

So gibt es an einigen Bahnhöfen Automaten verschiedener Anbieter und unterschiedliche Verkaufsstellen. „Dies führte insgesamt zu einem wirtschaftlich ineffizienten und an die Fahrgäste schwer vermittelbaren Vertrieb“, sagt eine Sprecherin des Verkehrsministerium. Auch die Qualität habe gelitten. Das soll nun besser werden.

Weitere Regionen sollen folgen

Künftig wird das Land den Fahrkartenverkauf separat zum Zugverkehr ausschreiben. Nach den aktuell betroffenen 123 Bahnhöfen und Haltepunkten im Südosten des Landes ist eine zweite Ausschreibung für den Südwesten Baden-Württembergs in Arbeit.

In der Region Stuttgart werde sich aber so schnell nichts ändern, sagt das Ministerium. Das Land sei hier nur für wenige Stationen mit Regionalverkehrshalten zuständig – ansonsten der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) oder die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB).