Der Oberbürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen, Jürgen Roth (links), muss sich dem Narrengericht im Schwenninger Rathaus stellen. Foto: Mareike Kratt

Beim Narrengericht im Schwenninger Rathaus musste Oberbürgermeister Jürgen Roth närrische Anklagen und kreative Strafen über sich ergehen lassen.

Kurz vor zwölf und der Rathaussaal in Schwenningen füllte sich immer weiter. Die Schwenninger Narrenzunft und Gäste anderer Zünfte warteten gespannt auf das Narrengericht und Oberbürgermeister Jürgen Roth.

 

Das viele Lachen und die lautstarken Gespräche zeigten, dass die gute Laune nicht fehlte. Dann ging es los: Musiker von Harmonie und Schwenninger Stadtmusik fingen an zu spielen und der Saal wurde innerhalb weniger Sekunden ruhig.

Mit der Flagge der Schwenninger Narrenzunft voraus betraten Jürgen Roth und einige Schwenninger Narren, begleitet von lauter Musik, den Saal.

Die übertriebene Sicherheit

Kurz darauf begann das Narrengericht. Jens Peter als Paragrafix, Stephan Rothfelder als Urteiltnix und Johannes Hellstern als Anprangertnix. Angelehnt sind diese Figuren an Asterix und Obelix. Somit konnte das Gerichtsverfahren beginnen. Die erste Anklage richtete sich an den Oberbürgermeister wegen „zu viel Sparen“.

Daraufhin wurde ein ironisches Video eingespielt, welches überspitzt darstellte, was alles weggefallen war und wo eher nicht gespart werden sollte. Beim zweiten Anklagepunkt ging es um die übertriebene Sicherheitspolitik in der Stadt. Es waren beispielsweise Sitzbänke und Spielgeräte in der Innenstadt abgesperrt. Auch über das Waffenverbot hat sich das Gericht lustig gemacht. Es wurden Handtaschen oder Regenschirme als potenzielle Waffen erklärt.

Ein leuchtender Stein

Die dritte und letzte Anklage widmete sich dem Umgang mit der Energie. Die abgebauten Windräder am Schwarzwald-Baar-Center standen ebenso im Mittelpunkt wie ein neuer Standort bei Villingen. Es gebe keine geeigneten Flächen – angeblich wegen des „Auerhahns“, der, so der spöttische Kommentar, gar nicht existiere. Ebenso wurde über das gescheiterte Wasserstofflabor gespottet. Nach der Vorstellung der drei Anklagepunkte zog sich das Narrengericht zurück.

Das Urteil ließ nicht lange auf sich warten: schuldig. Nun war es Zeit für die Strafen.

Bei der erste Bestrafung musste sich Roth beim Spiel Twister gegen Zunftmeister Florian Schütze beweisen.

Der Zunftmeister der Schwenninger Narrenzunft, Florian Schütze, (links) duelliert sich mit Jürgen Roth bei „Twister. Foto: Mareike Kratt

Alles was Roth berührte, wurde symbolisch weggespart. Beispielsweise musste der Oberbürgermeister seinen linken Fuß auf das Villinger Rathaus-Feld setzen. Es entwickelte sich zu einem lustigen Spiel, was im Saal für viel Gelächter sorgte. Anschließend bekam Roth einen leuchtenden Stein. Mit der Pflicht, es bei seiner nächsten Wahlkampfveranstaltung neben sich zu platzieren. „Der Stein kann dir sogar den Weg aus dem Sicherheitswahn heraus leuchten“, sagte Jens Peter lächelnd in Richtung Oberbürgermeister.

Der Hut der Schande

Zum Schluss bekam Jürgen Roth noch den sogenannten „Hut der Schande“. Diesen soll er beim großen Fasnetssamstag am Muslenplatz tragen und „Gubbel, Gubbel“ rufen. Als Roth aufgerufen wurde, diesen Ruf bereits im Saal anzustimmen, ging das große Gelächter der anwesenden Narren los.

Nach dem Verfahren spielten Musiker von Harmonie und Schwenninger Stadtmusik und alle sangen mit.

Der Oberbürgermeister zeigte sich demütig – und brachte als symbolische Geste zehn Schokoladentaler für das Narrengericht mit.