Das Tribünendach ist größtenteils abgebaut. Foto: Riesterer

Stirbt der Waldsportplatz da oben auf dem Raustein langsam vor sich hin? Nicht, wenn es nach der Stadt geht, die 2023 einen Entwicklungsplan auflegen will. Und die Fußballvereine kehren wohl ebenfalls im kommenden Jahr dorthin zurück.

Schramberg - In der Zeitschrift "Der Fußballtrainer" wurde er im Jahr 1959 als schönster deutscher Fußballplatz bezeichnet – der Waldsportplatz auf dem Raustein. Das hat Stadtarchivar Carsten Kohlmann 2018 in einem Bericht zum 60-Jahres-Jubiläum der Sportanlage recherchiert. So hieß es: "Eingebettet in dicht bewaldete Berge präsentiert sich dieses Kleinod als ein wahres Sportlerparadies […] aber, verehrte Leser, fahren Sie selbst ins Bernecktal und schauen Sie sich diesen schönsten deutschen Fußballplatz an." Diese Blütezeiten hat der Sportplatz inzwischen hinter sich. Was aber nicht heißt, dass Stadt und Vereine nicht mehr mit ihm planen.

Wer nutzt den Platz?

Sportlich genutzt wird der Platz derzeit nicht mehr von vielen. Da sind in unregelmäßigen Abständen die Abnehmer des Deutschen Sportabzeichens beim Stadtverband für Sport – die SG Schramberg hingegen nutzt ihn nach Angaben der Stadt aktuell nicht. In den Klassen 7 bis 12 müssen die Schüler des Gymnasiums – wer erinnert sich nicht gerne daran? – einmal jährlich den sogenannten Coopertest durchschnaufen, zusätzlich ist die Oberstufe im Sommer zum Speer- und Diskuswerfen vor Ort.

Das Juks³ nutzt den Sportplatz zudem für Ferienprogramme, erinnert Stadtsprecherin Susanne Gorgs-Mager auf Anfrage unserer Redaktion. "Zudem hatten wir dieses Jahr auch eine Anfrage für Filmaufnahmen einer Sportfirma." Diese wolle aber nicht genannt werden.

Ist kein Interesse da?

Im April dieses Jahres hat ein Vorort-Termin mit Schulen, Vereinen und der Verwaltung auf dem Rausteingelände stattgefunden. Im Gespräch wurde deutlich, dass das Rausteinsportgelände "bei einem wesentlich besseren Zustand mehr und auch von anderen Gruppen genutzt werden würde", so Gorgs-Mager. Neben Schulen (vor allem das Gymi; Bundesjugendspiele und Sportunterricht) waren die SG (vor allem Leichtathletik, Jedermann-Fußball, Trainingseinheiten etwa der Handballer), die Spielvereinigung 08 sowie Türk-Schramberg und einige private Gruppierungen zum Kicken an einer Nutzung interessiert.

Wie ist die aktuelle Entscheidungslage?

Letztmals über den Rausteinplatz entschieden wurde 2017. Da hieß es: Er wird zunächst weiter betrieben, die Platzpflege wird auf das Niveau eines "einfachen Ausweichsportfeldes reduziert", das beschädigte Dach der Tribüne wird bis auf drei Pfeiler abgebaut, Umkleiden, Duschen und Toiletten werden nicht saniert sowie der Rausteinsportplatz wird auch künftig entsprechend dem Pflegestandard bewässert.

Das bedeutet de facto: einmal im Jahr aerifizieren, glätten und düngen. Auch nach der Weitsprunganlage, den Hecken und der Randbepflanzung wird einmal alle zwölf Monate geschaut. Mähen, Abfallbeseitigung und Kontrolle sind rund einmal im Monat. Das Besanden und die Nachsaat finden je nach Notwendigkeit rund alle zwei Jahre statt. Die Rasenfläche wird im Winter witterungsbedingt für den Spiel- und Übungsbetrieb gesperrt. Das alles braucht im Schnitt drei bis vier Arbeitsstunden die Woche und kostet im Jahr rund 40 000 Euro.

Wie sind die Pläne?

In der heutigen Sitzung des Verwaltungsausschusses wird über einen sogenannten Sportstättenentwicklungsplan beraten. Darin sollen alle Sportstätten der Stadt unter anderem auf Zustand, Nutzung, Ausstattung und Sanierungsbedarf untersucht werden, verweist die Stadt auf den Gemeinderat. Dieser soll das Aufstellen jenen Plans in 2023 bestimmen – dafür sollen rund 50 000 Euro in den Haushalt.

Zudem, so Gorgs-Mager, werden im kommenden Jahr die Kunstrasenplätze saniert – so auch der Bernecksportplatz. Kunstrasenbeläge bekämen je nach Belastung alle zwölf bis 20 Jahre einen neuen Belag. Die Sanierung dauere in der Regel sechs bis acht Wochen und sollte witterungsbedingt im Frühjahr bis Sommer erfolgen. Als Ausweichsportplatz könnte für die Fußballvereine im Zeitraum der Sanierung auch der Rausteinsportplatz dienen, so Gorgs-Mager abschließend.