Ein 19-Jähriger wurde mit einem Joint und Marihuana erwischt. Foto: Sommer

Im vergangenen Jahr musste sich ein 19-Jähriger wegen illegalen Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten. Kurz darauf wird er wieder auffällig.

Sulz - Einem 19-Jährigen aus Sulz wurde kürzlich vor dem Amtsgericht Oberndorf vorgeworfen, im April letzten Jahres unerlaubt Marihuana und einen Joint mit sich geführt zu haben. Weiterhin musste er sich für Diebstahl verantworten, da er im darauffolgenden Mai versucht hatte, zwei Dosen Wodka-Lemon im Wert von 4,98 Euro aus einem Supermarkt in Sulz zu stehlen.

Das Verfahren wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln war ursprünglich bereits eingestellt worden. Doch weil der junge Mann seine Geldauflage nicht bezahlt hatte, wurden nun beide Delikte – der Drogenbesitz und der Diebstahl – vor dem Amtsgericht verhandelt.

Angeklagter beteuert Lebenswandel

Der 19-Jährige gestand beide Taten: "Es ist wahr, aber ich lebe zurzeit ein komplett anderes Leben und versuche, mich stetig zu bessern." Er gab an, seit September vergangenen Jahres erfolgreich an einer Bildungsmaßnahme teilzunehmen. Diese habe einen positiven Einfluss auf ihn und sei stolz auf sich. Die Maßnahme helfe ihm, Bewerbungen zu schreiben, einige habe er bereits eingereicht. Sein Ziel sei es, eine Ausbildungsstelle zu finden und er habe auch schon Vorstellungsgespräche hinter sich.

Er bestätigte, dass das Marihuana dem Eigengebrauch diente. Jedoch beteuerte der Angeklagte, die Droge inzwischen "kaum mehr" zu konsumieren. Der letzte Konsum sei vor einigen Wochen gewesen. Zwar habe er die Droge einst täglich zu sich genommen, inzwischen habe er aber langsam damit aufgehört und den Konsum "sehr gut im Griff".

Als Grund für den Wandel nannte der 19-Jährige, dass es nach der letzten Gerichtsverhandlung im Sommer vergangenen Jahres bei ihm "Klick" gemacht habe. Auch seine Mutter und seine Freundin hätten ihm klar gemacht, dass er sich ändern müsse. Doch die Richterin machte keinen Hehl daraus, an den Aussagen des Beschuldigten diesbezüglich zu zweifeln.

Aussagen unstimmig

Auf die Frage der Richterin, aus welchem Grund er versucht hatte, die Wodka-Dosen zu stehlen, erklärte der Beschuldigte, er habe seinen Ausweis beim Kauf jedes Mal zeigen müssen. Er hätte zwar das Geld gehabt, aber seinen Ausweis zu diesem Zeitpunkt verloren. Er habe folglich gedacht, man würde ihm die Dosen nicht verkaufen.

Ermittler deckt Unstimmigkeiten auf

Laut dem zuständigen Polizeihauptkommissar, der als Zeuge vor Gericht aussagte, gibt es in dieser Aussage allerdings einige Unstimmigkeiten. Der Beamte habe vor der Verhandlung in Erfahrung bringen können, dass der Beschuldigte erst nach der Tat, am 30. Mai vergangenen Jahres, seinen Ausweis als vermisst gemeldet hatte.

Auch seine Vertragsstrafe in Höhe von 100 Euro, die er dem Supermarkt schulde, habe er nach wie vor nicht beglichen, so der Polizeihauptkommissar, der vor der Verhandlung beim Supermarkt-Inhaber nochmal nachgehakt hatte.

Seine Nachlässigkeit bei der Erfüllung vorheriger Auflagen begründet der 19-Jährige mit einer schweren Zeit, die er durchmachen musste. Die Nachfrage der Staatsanwältin, ob er regelmäßig Alkohol konsumiere, verneinte der Angeklagte.

Urteil ist letzte Chance

Die Jugendgerichtshilfe empfahl die Anwendung des Jugendstrafrechts. Es sei sinnvoll, im Fall des Angeklagten mit erzieherischen Maßnahmen zu reagieren. Die Richterin schloss sich dieser Empfehlung an, es läge bei dem 19-Jährigen Entwicklungspotenzial vor. Entsprechend wurde der Beschuldigte in beiden Anklagepunkten, dem illegalen Besitz von Betäubungsmitteln sowie Ladendiebstahl, schuldig gesprochen.

Er erhielt die Auflage, am nächsten "Realize-it"-Kurs der Fachstelle Sucht in Rottweil teilzunehmen und diesen auch abzuschließen. Zudem soll der 19-Jährige 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Bei Nichterfüllung der Auflagen droht Jugendarrest. Die Richterin mahnte den 19-Jährigen, das Urteil als seine letzte Chance zu sehen. Der Angeklagte sah das Urteil als angemessen an und akzeptierte es.