Ein Amazon-Paket ist angekommen – bei einem Rottweiler war es allerdings nicht mehr original verschlossen. Foto: Otto

Die Päckchen-Auslieferung ist jetzt vor Weihnachten in vollem Gange. Nicht immer kommt der Inhalt aber sicher ans Ziel: Ein Amazon-Bote hat in Rottweil ein Apple-Produkt aus dem Paket entwendet und stattdessen Melkfett ausgeliefert. Er hat aber wohl nicht mit der schnellen Reaktion des Empfängers gerechnet. Er wurde geschnappt.

Rottweil - Die Freude bei dem Rottweiler Familienvater ist an diesem Tag groß: Von seiner Wohnung aus sieht er, dass der Amazon-Bote im Anmarsch ist. Mit dem ersehnten Paket für Weihnachten: eine Apple "Magic Maus". "Beim Black Friday habe ich zugeschlagen", berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Paket wird von dem Boten, der mit einem roten Mercedes-Bus mit Freiburger Nummer im Auftrag von Amazon unterwegs ist, unten auf den Briefkasten gelegt – ein übliches Vorgehen, obwohl er gar keinen Ablagevertrag habe, sagt der Geschädigte.

 

Melkfett statt Apple Magic Maus

Während der Bote auch schon wieder eilig davonbraust, geht der Rottweiler nach unten zur Haustür, um das Paket zu holen. Und schnell merkt er, dass irgendwas nicht stimmt. "Ich habe gesehen, dass die Schachtel mit Heißkleber verschlossen ist", berichtet er. Er schaut hinein und sieht nicht etwa die Apple-Maus, sondern eine Packung Melkfett. "Mir war sofort klar, dass der Bote das ausgetauscht hat", sagt er. Eine gewagte Vermutung, die sich aber kurz darauf tatsächlich bestätigt.

Der Mann flitzt zu seinem Auto und fährt dem Paketauslieferer hinterher. Er findet ihn tatsächlich, hält ihm das Paket unter die Nase und stellt ihn zur Rede. "Er sprach schlecht deutsch und sagte immer nur ›Retour, Retour‹". Der Bote, geschätzt etwa Anfang 20, fordert damit, der Mann solle sich wegen des falschen Inhalts an Amazon wenden und das Paket zurückschicken. Doch darauf lässt sich der couragierte Rottweiler nicht ein.

"Ich wusste einfach, dass er es war", sagt er. Er droht dem Paketauslieferer mit der Polizei und dass diese sein Auto durchsuchen würde. Zudem macht er Fotos von ihm und seinem Bus. Da knickt der Bote ein, geht zu seinem Fahrzeug und rückt die dort versteckte "Magic Maus" – Normalpreis rund 70 Euro – heraus. Daraufhin sucht der Bote das Weite. Der Rottweiler geht sofort zur Polizei – nicht zuletzt natürlich, um zu verhindern, dass der junge Bote weitere Empfänger um die Lieferung bringt. "So was geht gar nicht", ärgert sich der Rottweiler. Bei der Polizei-Pressestelle in Konstanz bestätigt Sprecher Dieter Popp den Fall. Der Geschädigte sei unmittelbar danach zur Polizei gekommen und habe Anzeige erstattet.

Die Bilder des Täters sowie das Kennzeichen liegen der Polizei vor. Auch das manipulierte Paket hat der Geschädigte zur Polizei gebracht. Die Ermittlungen seien im Gange, so Popp.

Ermittlungen laufen

Vereinzelte Taten dieser Art gebe es immer wieder, doch normalerweise schrecke der digitale Nachverfolgungsstatus einer Sendung die Täter ab, weil gut nachzuweisen sei, wann das Paket von wem ausgeliefert wurde.

Es handle sich hierbei übrigens nicht um Diebstahl, sondern um Unterschlagung – weil der Bote die Ware bereits in Gewahrsam hat, um sie auszuliefern. Die Strafen hierfür reichten von einer Geldstrafe bis zu einer Gefängnisstrafe.

Polizei mahnt zur Vorsicht

Dass ein Bote tatsächlich gleich ertappt wird und das entwendete Produkt wieder herausrückt, dürfte ungewöhnlich sein. "Er dachte wohl, dass er damit um die Polizei herumkommt", vermutet der Sprecher. Doch der Geschädigte habe absolut richtig gehandelt und dennoch die Polizei informiert. Man müsse nun schauen, ob man dem Auslieferer weitere Taten nachweisen könne.

Popp merkt allerdings auch an, dass man in so einem Fall möglichst direkt die Polizei rufen sowie das Kennzeichen und anderes notieren solle. Eine "direkte Ansprache" des Täters sei nicht ratsam. "Man weiß nie, wie die reagieren", mahnt er zur Vorsicht.

Amazon reagiert umgehend

Der Rottweiler war in diesem Fall erfolgreich und hat seine Magic Maus wieder. Er hat sich außerdem über die Servicestelle an Amazon gewandt und den Fall gemeldet. "Die haben auch sofort reagiert", betont er. Er habe einen Anruf aus London bekommen, um den Fall nochmal genau zu schildern. Außerdem habe Amazon ihm eine 30-Euro-Gutschrift zugesandt.

Alles kein Einzelfall, sondern ein zunehmendes Problem? Auf Nachfrage unserer Redaktion bei Amazon, kann ein Sprecher zunächst keine weiteren Angaben machen. "Schwarze Schafe gibt es immer", so die erste Reaktion. Man werde sich aber den Fall noch einmal genau ansehen. Der geschädigte Rottweiler wird jedenfalls bei der nächsten Lieferung wieder auf der Hut sein. Und für die ganz sichere Lösung bietet sich dann auch der Einzelhandel an.