Die in Schwenningen lebende Autorin Bettina Pecha hat mit „Die Zeit der Hoffnung“ gerade den in den Jahren 1957 bis 1962 spielenden zweiten Teil ihrer Wirtschaftswunder-Saga herausgebracht. Sie beschreibt die Schicksale dreier Frauen unter der gnadenlosen Moral der damaligen Nachkriegsgesellschaft.
Der 2021 erschienene erste Teil, „Die Straße des Glücks“, war ein großer Erfolg. Die aus Siegen stammende und in Bremen ausgewachsene Autorin lebt seit 2001 in der Doppelstadt.
Schon als Schülerin verfasste Bettina Pecha Kurzgeschichten, die in Zeitschriften erschienen. Ihre Leidenschaft galt von Anfang an der Geschichte, vor allem der englischen. Bis sie daraus den historischen Roman mit dem Titel „Die Liebesbotin der Königin“ werden ließ, sollten allerdings einige Jahre ins Land gehen.
Schriftstellerin zu werden, damit habe sie damals zwar geliebäugelt, sich aber dann doch für den wirtschaftlich sichereren Weg entschieden, den Beruf der Industriekauffrau erlernt, in Büros gearbeitet und in München zwei Söhne großgezogen, erzählt sie. Die Schriftstellerei blieb zunächst Nebensache. 2007 – ihre Jungs waren „aus dem Gröbsten heraus“ – begann sie doch noch damit, ihren Traum von einst zu leben. 2014 erschien ihr erstes Buch. Das zweite folgte 2015.
Parallelen zu Villingen
2021 dann erschien mit „Die Straße des Glücks“ der erste Teil einer als Trilogie angelegte Geschichte, für die sie das Leben und die Rolle der Frau nach dem Krieg und im deutschen Wirtschaftswunder recherchierte. Was sie als 1962 geborenes Kind nicht selbst miterlebte, erzählten ihr die Eltern, Verwandte und Bekannte, sie las viele Bücher und nutzte das Internet. Entstanden ist das Porträt von Katharina. Sie ist in Ebringen geboren, ein Kunstort zwar, doch Bettina Pecha lässt ihre Leserschaft nicht daran zweifeln, dass es sich dabei um Villingen handelt. Details habe sie so beschrieben, „dass jeder Ortskundige beim Lesen sofort erkennt, wo er sich befindet,“ sagt Pecha schmunzelnd.
Drei Frauen im Fokus
Ihre Protagonistin erfüllt nicht gerade die Klischees dieser Zeit, ist sie doch inzwischen von Frank geschieden, hat sich in Stuttgart neu verliebt und geht in ihrem Beruf als Modezeichnerin auf. In „Die Zeit der Hoffnung“ heiratet sie, wird doch noch schwanger, gilt als Spätgebärende, vermisst ihre Erwerbsarbeit und lernt Lisa kennen, eine noch nicht Volljährige, die ein uneheliches Kind erwartet und dafür von ihrem Geliebten und der Familie verstoßen wird.
Mit einer Vaterschaftsklage riskiert Lisa gar die Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe wegen Meineids. Nachdem Katharina mit ihrem Mann Moritz nach Berlin gezogen ist, freundet sie sich mit Marion an, die im amerikanischen Sektor Berlins lebt, aber einen Mann aus dem Ostteil der Stadt liebt. Der beginnende Mauerbau erweist sich als Gefahr für diese Liebe.
Bettina Pecha beschreibt die Schicksale der drei Frauen unter der gnadenlosen Moral der damaligen Nachkriegsgesellschaft mit Hingabe und lässt dabei auch die Auswirkungen des Kalten Krieges und einer sich teilenden Nation nicht aus den Augen.