Der Vereinsbeiratsvorsitzende Rainer Weninger (rechts) hat sich mit seinem Gremium für Dietmar Allgaier als Interimspräsident entschieden. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

In Dietmar Allgaier hat der VfB Stuttgart schnell einen Interimspräsidenten vorgestellt. Dennoch wirft das Vorgehen des Vereinsbeirats eine kritische Frage auf, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.

Achtung, wir müssen an dieser Stelle vorsichtig mit Kritik sein. Denn die Mitglieder des Vereinsbeirats engagieren sich ehrenamtlich beim VfB Stuttgart. Da gelten andere Maßstäbe als im Profifußball, mit dem er sich so gerne beschäftigt. Und deshalb gibt es zunächst ein Lob: Das Gremium hat sehr schnell einen Interimspräsidenten berufen, um das VfB-Präsidium geschäftsfähig zu halten. Das ist gut. Doch über das Vorgehen des Vereinsbeirats werden viele Mitglieder und Außenstehende den Kopf schütteln. Nicht, weil über potenzielle Kandidaten kontrovers diskutiert, sondern weil einmal mehr intern gestritten wurde.

 

Einigkeit ist in dieser Zusammensetzung des Vereinsbeirats ein Fremdwort. Dabei ist auch gegen den gewissenhaften Auswahlprozess wenig einzuwenden. Die Frage war nur, wann man mit Erwin Staudt spricht. Der Ehrenpräsident war – seiner Eignung zum Trotz – jedenfalls nicht der auserkorene Wunschkandidat des Vereinsbeirats, vielmehr eine Notlösung. Es gab Vorbehalte gegen ihn, die nicht nachvollziehbar sind.

Mit dieser Haltung hat die Mehrheit des Vereinsbeirats nach eigenem Bekunden zwar Eigenständigkeit demonstriert, doch Vertrauen bei den Mitgliedern hat sie mit diesem Handeln nicht zurückgewonnen. Denn unabhängig von Dietmar Allgaiers Kompetenzen hat das Gremium erneut gezeigt, dass ihm das Gespür für den Verein abgeht – und es vor allem auf sich selbst blickt.