Der Präsident Claus Vogt hat beim VfB Stuttgart alle Hände voll zu tun. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Claus Vogt hat sich rund um die Fanproteste gegen den Investoreneinstieg bei der DFL öffentlich geäußert – auch, weil er unter Druck geraten sein soll. Es geht um die mögliche Abgabe des Vorsitzes im VfB-Aufsichtsrat und um die Rolle von Porsche.

Der Fußball rollt, und es fliegen nicht mehr vielerorts Tennisbälle. Somit kehrt Normalität in die Stadien zurück, nachdem die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ihre Investorenpläne nach massiven Fanprotesten aufgegeben hat. Und Claus Vogt kann sich im Kulturkampf zwischen Kurve und Kapital auf die Fahne schreiben, mit seinem Vorschlag eine Neuabstimmung anzustreben, eine entscheidende Dynamik in die Diskussion gebracht zu haben – mit dem gewünschten Ergebnis für die aktive Fanszene. Dennoch gerät der Präsident des VfB Stuttgart unter Druck, weil er mit seiner öffentlichen Positionierung rund um den DFL-Streit Irritationen ausgelöst hat.

 

Fast drei Wochen ist es her, dass Vogt über das soziale Netzwerk X in die Offensive ging, um eine Eskalation in der Auseinandersetzung zwischen Fans und Funktionären zu verhindern. Mehr Transparenz bei der Wahl unter den 36 Proficlubs und eine strikte Einhaltung der 50+1-Regel sollten für mehr Akzeptanz in der Fanszene sorgen. Gute Absichten, die jedoch gar nicht voll zum Tragen kamen, weil der Ligaverband vor wenigen Tagen sein Milliardenprojekt selbst stoppte.

Viele Fragen bleiben offen

Ruhe kehrt unter dem roten Clubdach an der Mercedesstraße allerdings nicht ein, da Vogt eine Veröffentlichung der Einlassungen nicht mit dem Vorstand abgestimmt hatte. Dass Vogt über seinen Privataccount kommunizierte, verwunderte zudem – da er ja auch dort als VfB-Präsident wahrgenommen wird. In seiner ersten Meinungsäußerung vernachlässigte der 54-Jährige auch, dass der VfB bei seinem Ja zum DFL-Plan bleiben wollte. In weiteren Äußerungen steuerte Vogt hier – auf Intervention aus den eigenen Reihen – nach. Es blieb jedoch vor allem der erste Eindruck hängen, dass die Stuttgarter mit an der Spitze der Protestbewegung standen.

So hat es Vogt mit seinem Vorpreschen zwar bis in die TV-Nachrichtensendung „heute-journal“ gebracht, viele Fragen rund um seine Aktivitäten bleiben aber nach wie vor unbeantwortet. Trotz einer gemeinsamen Erklärung mit dem Vorstandschef Alexander Wehrle nach dem DFL-Rückzieher, in dem sie den Schritt „begrüßen“ – und trotz eines Videos auf dem vereinseigenen TV-Kanal, in dem der Präsident die VfB-Haltung zur Entwicklung rund um die DFL erklärt.

Im Club wird dennoch weiter davon ausgegangen, dass der Unternehmer im Zusammenhang mit den ständigen Spielunterbrechungen auch eigene Interessen verfolgt hat und versucht, bei den aktiven VfB-Fans zu punkten. Der Hintergrund: im Aufsichtsrat, dessen Vorsitz der Präsident seit der Ausgliederung 2017 innehat, wird diskutiert, ob die beiden Ämter voneinander getrennt werden sollen. Auf der Klausur des Kontrollgremiums kürzlich wurde darüber geredet. Eine Entscheidung gibt es nicht, und ob dieser Schritt überhaupt vollzogen wird, ist offen.

Klar ist dagegen, dass die VfB-Mitglieder an diesem Punkt empfindlich reagieren. Da ihnen durch den damaligen Präsidenten Wolfgang Dietrich versprochen wurde, dass der Vereinschef als Vertreter des Mehrheitseigners gleichzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat haben würde, um die Geschicke zu bestimmen. Schriftlich festgehalten ist das offiziell nicht. Und mit dem Einstieg der Porsche AG gibt es nun eine Gelegenheit, sich für die Zukunft neu aufzustellen.

Hat der Claus Vogt seine Zustimmung gegeben?

An diesem Donnerstag sollen Lutz Meschke und Albrecht Reimold, die beiden Vorstandsmitglieder des Sportwagenherstellers, in den VfB-Aufsichtsrat berufen werden. Die Bestellung dieser Topmanager steht im Grunde seit der Absichtserklärung von Porsche fest, mit dem VfB den sogenannten 100-Millionen-Euro-Deal abzuschließen. Im vergangenen Sommer soll Vogt seine Zustimmung gegeben haben, den Chefposten im Kontrollgremium frei zu machen. Auch, weil Aufgaben und Aufwand deutlich zugenommen haben.

Auf Anfrage will sich Vogt zu diesem Themenkomplex nicht äußern. „Der VfB Stuttgart sowie in Person sein Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Claus Vogt werden die Fragen zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten“, heißt es. Was wenig daran ändert, dass auch in der Führungsetage des Autobauers Irritationen entstanden sind.

Porsche sieht sich durch Vogts Darlegungen zur DFL-Investorenthematik indirekt in ein falsches Licht gerückt. Das Unternehmen versteht sich nicht als klassischer Investor, da es sich ohne Gewinnabsichten beim VfB engagiert. Wie der Ankerinvestor Mercedes-Benz. Vielmehr betrachten Meschke und Co. die Partnerschaft als Bekenntnis zum Standort und zum Verein. Das hat der stellvertretende Vorstandsvorsitzende bereits während der Präsentation des Weltmarkenbündnisses im Juni 2023 betont: „Es ist unsere Absicht, die Kräfte zu bündeln – aus der Region und für die Region.“ Außerdem wird über ein Sponsorenpaket die Jugend gefördert.

Das lässt sich Porsche insgesamt mehr als die 41,5 Millionen Euro für die avisierten 10,4 Prozent der VfB-Anteile kosten. Gutes Geld, das dem VfB in vielen Belangen hilft. 20 Millionen Euro sind bereits angewiesen – und Porsche will dafür nicht alles bestimmen, sich aber im Aufsichtsrat einbringen. Dabei ist man offenbar Unzufriedenheit mit Vogts Leitung des Kontrollgremiums begegnet. Der VfB-Präsident gilt nicht als entscheidungsfreudig, und die Sitzungen sollen nicht immer zielorientiert ablaufen.

Eigene personelle Bedingungen hat Porsche an sein Engagement nicht geknüpft, plädiert aber für eine klare Linie und Führung. Zumal der bald elfköpfige Aufsichtsrat seinen Vorsitzenden selbst wählt. Mehrere Optionen sind da möglich. Meschke drängt sich nicht in die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden, in Zuffenhausen wird aber genau beobachtet, was wenige Kilometer entfernt in Bad Cannstatt passiert. Doch auch die VfB-Fans, deren organisierter Teil bislang Vogt unterstützt hat, verfügen über sensible Antennen, wenn es um Mitsprache und Versprechen geht.