Mit Johannes Wirth verlässt eine der prägenden Figuren des vergangenen Jahrzehnts den SC Lahr in Richtung SV Rust. Mit unserer Redaktion hat er darüber gesprochen.
Der SC Lahr ohne Johannes Wirth? Kaum vorstellbar. Seit der Gründung des Vereins im Jahr 2015 ist der Mittelfeldspieler Teil des Verbandsliga-Kaders. Als einziger aktiver Spieler absolvierte er alle SCL-Saisons. Im Sommer wechselt der 33-Jährige nach insgesamt 23 Jahren beim Lahrer FV und dem SC Lahr nun zum Bezirksligisten SV Rust. Mit unserer Redaktion hat er über die Gründe und seine persönlichen Höhepunkte aus 23 Jahren Fußball in Lahr gesprochen.
Herr Wirth, nach insgesamt 23 Jahren beim Lahrer FV und dem SC Lahr verlassen Sie den Verein im Sommer. Wie schwer fiel Ihnen diese Entscheidung?
Natürlich war es nach so einer langen Zeit eine schwere Entscheidung, die nicht von heute auf morgen getroffen wurde. Die ersten Gedanken gab es schon vor ein bis zwei Jahren, als ich mit ein paar Kumpels gescherzt habe, dass wir gerne noch mal zusammen spielen wollen. Richtig konkret wurde es dann im Dezember 2025. Ich habe viel überlegt, und im Gesamtkonzept passt es nun einfach und ist der richtige Schritt.
Wie viele schlaflose Nächte gab es, bis Sie sich entschieden hatten?
Nächte mit wenig Schlaf habe ich durch meine Kinder ja ohnehin ab und zu (lacht). Aber ja, ich habe mir viele Gedanken gemacht. Denn mir war immer wichtig, dass ich in einer Mannschaft nicht nur aufgrund meiner Stellung und der Vergangenheit auf dem Feld stehe und leistungsmäßig von meinen Mitspielern getragen werde. Mir war immer klar, dass ich es so weit nicht kommen lassen will, sondern dass ich dem Team sportlich auch helfen kann. Das kann ich in Rust jetzt noch, in drei oder vier Jahren wäre das wohl nicht mehr der Fall gewesen. Daher ist es jetzt der richtige Schritt für mich.
Sie sind der einzige aktive Spieler, der seit Gründung des SC Lahr dabei ist. Wie hat die Mannschaft auf die Nachricht reagiert?
Es wurde nach dem Spiel am Samstag verkündet, da war die Stimmung aufgrund des Ergebnisses (Anm. der Red.: Der SCL verlor mit 1:3 gegen Laufenburg) ohnehin bescheiden. Ich habe nach dem Instagram-Post des Vereins dann auch viele Nachrichten bekommen, das macht mich dann natürlich schon auch wehmütig. Ich habe hier ja auch lange mit vielen guten Freunden zusammengespielt – zum Beispiel Konstantin Fries, Violand Kerellaj und Dennis Häußermann, aber auch mit vielen anderen. Wie bei vielen Dingen im Leben gibt’s aber auch im Sport einen Punkt, an dem etwas endet und etwas Neues anfängt.
Etwas Neues – das ist für Sie der SV Rust. Wie kam es dazu?
Mit Dennis Schrempp ist einer meiner besten Freunde Co-Trainer beim SV Rust, mit Chefcoach Luca Grösser habe ich ja beim SC Lahr auch schon zusammengespielt. Aus der Mannschaft kenne ich auch weitere Spieler und das gesamte Konzept hat mich überzeugt. Dass es zudem räumlich sehr nah zu meiner Arbeitsstelle in Ettenheim liegt, ist ein weiterer Pluspunkt.
Noch mal ein Blick zurück: Was sind Ihre Höhepunkte aus 23 Jahren LFV und SCL?
Es gibt viele tolle Momente, an die ich mich erinnere. Angefangen mit meinem ersten Spiel bei den Aktiven, als ich als A-Jugendlicher in der 85. Minute eingewechselt wurde und mit dem ersten Ballkontakt den 2:1-Siegtreffer erzielt habe. Besonders waren natürlich auch die beiden Aufstiege in die Verbandsliga mit dem Lahrer FV 2012 und 2015 und danach das allererste Spiel als SC Lahr gegen den Karlsruher SC, das wir 1:0 gewonnen haben. Auch der 4:0-Sieg gegen Villingen im Pokalviertelfinale 2019, die Vizemeisterschaft 2023 und natürlich auch das Pokalfinale im Freiburger Dreisamstadion vor zwei Jahren sind tolle Erlebnisse.
Auch in dieser Saison können Sie wieder das Finale erreichen, dieses Jahr findet es aber wohl nicht in Freiburg statt.
Ich spiele gerne auch in einem anderen Stadion das Pokalfinale (lacht).
Ist der Finaleinzug Ihr Ziel zum Abschied?
Ich würde schon sagen, dass wir den maximalen Erfolg wollen. Zunächst müssen wir aus dem kleinen Ergebnistief der letzten Wochen rauskommen, dann ist, glaube ich, noch einiges möglich. Und natürlich wollen wir kommende Woche gegen Bahlingen gewinnen und wieder ins Pokalfinale einziehen. Wenn wir in der Liga in die Spur kommen, können wir dort auch noch einiges erreichen.