Wir müssen neue Wege gehen“: Im Gespräch erklärt Vorstand Michael Haller, weshalb sich die zwei Obst- und Gartenbauvereine zusammentun – und welche Chancen er darin sieht.
Der Neustart riecht nach frisch gemähtem Gras und Frühlingsluft. Michael Haller steht im Rosenfelder Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins (OGV). Hinter ihm blüht ein Birnbaum. Seit 2005 ist der Baumfachwart und Meister für Garten- und Landschaftsbau Vereinsvorstand: „Mitglied wurde ich mit Anfang 20.“ Eigentlich wollte der mittlerweile 50-Jährige kürzer treten. Es sei an der Zeit für einen Wechsel nach mehr als 20 Jahren. Doch dann kam alles anders.
„Ich mache weiter“, schickt Haller vorweg. Der Entschluss kommt nicht von ungefähr: Zwar zählt der Verein rund 60 Mitglieder, die Verantwortung liege jedoch seit Jahren auf denselben Schultern. Nachwuchs fehle, Aufgaben blieben an wenigen hängen, sagt Haller. „Für Vereine wird es immer schwerer, da sind wir kein Einzelfall. Alle wollen ein gutes Vereinsangebot, aber Verantwortung übernehmen wollen die wenigsten.“
Wissen bewahren
Um den OGV zukunftsfähig aufzustellen, haben sich die Verantwortlichen deshalb für einen neuen Weg entschieden: Gemeinsam mit dem OGV Brittheim will man Kräfte bündeln, Ideen entwickeln und die Arbeit breiter verteilen. „Wir müssen von den alten Strukturen weg“, betont Haller.
Gemeint ist ein Umdenken: weg von starren Ämtern, hin zu mehr Flexibilität. Engagement soll auch punktuell möglich sein – ohne Zwang, aber mit Verantwortung für die Gemeinschaft. „Jeder kann sich einbringen und das beitragen, was er möchte.“ Die beiden Vereine zählen zusammen 117 Mitglieder. Acht sind in diesem Jahr neu dazugekommen. „Wir freuen uns über jeden, der Lust hat, sich einzubringen oder Ideen mitbringt.“
Der OGV Rosenfeld besteht seit 1913. Für Haller ist das ein „unglaublicher Wissensschatz über Generationen hinweg“, der bewahrt werden müsse. „Wir können das nicht einfach wegwerfen.“ Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen bis heute der Erhalt von Streuobstwiesen, die Vermittlung von Wissen rund um den Obstbau sowie der Anbau und die Nutzung regionaler Produkte. Es gehe darum, diese Tradition lebendig zu halten – und in die Zukunft zu tragen.
Was die Vereine vorhaben
Stichwort Zukunft: Die Vereinsmitglieder wollen gemeinsam neue Wege gehen. Momentan treffen sie sich mindestens einmal im Monat, um ein Konzept zu erarbeiten. „Bis Herbst soll die Fusion dann eigentlich stehen.“ Neben den bewährten Schnittkursen und dem Stand beim Rosenmarkt mit der Genussreise ist einiges geplant. Los geht es bereits am Wochenende mit der ersten Pflanzentauschbörse des Rosenfelder OGV (siehe Infokasten). „Jeder kann das mitbringen, was er übrig hat“, sagt der Vorstand. Ob Setzlinge, Zimmerpflanzen oder Stauden – alles soll getauscht, geteilt und weitergegeben werden.
Geplant seien außerdem mehr Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen, ein Saison-Stammtisch mit Rat und Tipps sowie gemeinsame Ausflüge, damit die Vereine zusammenwachsen. „Wir wollen diesen Sommer auch ein Grillfest für die Mitglieder machen.“ Mit einer Plakatkampagne und auf Instagram wirbt der Verein für neue Mitglieder. An einer neuen Webseite arbeiten sie derzeit auch, sagt Haller. „Das ist alles gerade im Gange, wir wollen das breiter fächern.“
„Gemeinschaft im Vordergrund“
Für Michael Haller ist der Verein dabei aber mehr als nur ein organisatorisches Projekt für die Zukunft. Es gehe auch ganz konkret um das, was die Mitglieder davon haben. „Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt er. Eine Mitgliedschaft lohne sich aus mehreren Gründen: Neben dem nachhaltigen Gärtnern und dem Austausch von altem Wissen rund um Obstbau und Streuobstwiesen, seien die Verbindungen zu anderen Obst- und Gartenbauverbänden wertvoll.
Damit profitieren die Mitglieder von einem breiten Netzwerk, so Haller. Auch ganz praktisch wird der Verein aktiv: Es gebe Beratung und Unterstützung im Gartenjahr, Preisvorteile beim Kauf von Pflanzen sowie gegen eine geringe Gebühr auch fachliche Bodenanalysen mit Auswertung. „Und die Gemeinschaft steht im Vordergrund“, schiebt Haller noch hinterher.
Zwischen alten Obstbäumen und neuen Ideen versucht der OGV Rosenfeld gemeinsam mit dem OGV Brittheim nun den nächsten Schritt. Der Birnbaum im Lehrgarten blüht dabei weiter – als stilles Zeichen dafür, dass Wandel und Tradition kein Widerspruch sein müssen. Er blicke optimistisch in die Zukunft, sagt Haller. „Wir wollen nochmal richtig durchstarten – zusammen.“
Zwei Vereine wachsen zusammen
Der OGV Rosenfeld
und der OGV Brittheim gehen künftig gemeinsame Wege. Die erste Aktion ist die Pflanzentauschbörse am Samstag, 18. April. Die Veranstaltung findet im Lehrgarten des OGV Rosenfeld statt, im Hagweg in Rosenfeld, neben der Iselinschule. Beginn ist um 10 Uhr, die Börse endet gegen 13 Uhr.