Das Projekt „Dorfcafé“ hat innerhalb eines Jahres eine großartige Entwicklung genommen. Selbst Fachleute, die solche Projekte in ihrer Umsetzung begleiten, sind erstaunt.
Am Samstag wurde der Verein „Wir für Ostelsheim“ gegründet. Sein ausdrückliches Ziel, festgeschrieben in der Präambel der Satzung, ist es, „das bürgerschaftliche, solidargemeinschaftliche und generationenübergreifende Miteinander zu stärken, ehrenamtliches Engagement zu fördern und eine Plattform für gemeinschaftliches Wirken zu bieten.“
Domizil steht fest
Mittlerweile ist „Plattform“ nicht mehr nur ein ideeller Begriff, unter dem sich die bereits angestoßenen und die zukünftigen Aktivitäten des neuen Vereins entwickeln werden. Seit Kurzem ist die Gemeinde Ostelsheim Eigentümerin des Katholischen Gemeindehauses, das ab Januar 2026 die physische, räumliche Heimat für „das gemeinschaftliche Wirken“ sein wird und damit eine zentrale Begegnungsstätte für den Ort.
Die Türen des Rathaussaals stehen weit offen, am Stehtisch tragen sich die Besucher in die Anwesenheitsliste ein, es wird munter geplaudert und erwartungsfroh diskutiert, bis Bürgermeister Ryyan Alshebl mit der Ratsschelle aufruft, Platz zu nehmen, damit der offizielle Teil der Veranstaltung beginnen kann. „So eine elegante Vereinsgründung hab ich noch nie erlebt“, wird am Ende Alexander Hölsch von der Organisation SPES, der das Projekt Dorfcafé moderiert und begleitet hat, gestehen.
Bürgermeister gerät ins Schwärmen
Der Schultes nannte in seiner Ansprache den Tag nicht ohne Stolz “ein kleines bisschen historisch“. Die Ostelsheimer lieferten mit der Vereinsgründung „eine Antwort auf eine sich stetig verändernde Gesellschaft“. Mit einem Rückblick auf die Entstehung des Dorfcafés nahm er die Schritte hierzu wie die beteiligten Gremien und Personen in den Blick und resümierte, an die versammelten Besucher gewandt: „Ich könnte abendfüllend darüber reden, was alles an diesem Projekt toll und prima ist. Das Tollste seid ihr und euer Einsatz und Engagement für euer Gemeinde.“
Seit der ersten Veranstaltung im November 2024, bei der Ideen und Wünsche gesammelt wurden, ist ein Stamm Ehrenamtlicher aller Altersklassen gewachsen, die sich regelmäßig treffen, einbringen und Veranstaltungen umsetzen und das Projekt nun bis zur Vereinsbildung vorangebracht haben. Ohne „eine satte Förderung von etwa 100 000 Euro“ vom Land Baden-Württemberg über zwei Jahre, hätten wir manches nicht umsetzen können,“ sagte Alshebl, „vor allem die Tatsache, dass wir mit Lena Abdi eine so hochmotivierte Projektmanagerin gewinnen konnten“.
Der Gemeinderat steht ebenfalls voll hinter dem Projekt und so war es der Kommune auch möglich, das Katholische Gemeindehaus zu erwerben. Es liegt im förmlichen Sanierungsgebiet, heißt, der Kaufpreis wird zu 60 Prozent vom Land über das Städtebauprogramm übernommen, 40 Prozent muss die Gemeinde aus eigener Tasche zahlen. Und wie Lena Abdi am Samstag detaillierter ausführte, gibt es schon einige ganz konkrete Ideen für das künftige Dorfgemeinschaftshaus, welche Räumlichkeiten für welche Zwecke wie genutzt werden sollen.
Vorstand mit maximal zehn Köpfen
Heike Ehmer-Stolch – zu den Anfängen des Projekts 2024 noch Pfarrerin im Ort und jetzt als engagierte Privatperson weiter mit dabei – führte zugewandt und humorvoll durch das Prozedere zur Vereinsgründung. Die Satzung ist so formuliert, dass sie jeder versteht und ist Mensch-orientiert. Die übliche Vereinsstruktur wurde „abgestaubt“ (Abdi). Es gibt keine Führungsspitze, der Vorstand besteht aus maximal zehn Mitgliedern, die sich die Aufgaben teilen. Acht Personen, vier Frauen und vier Männer, stellten sich als erstes Vorstandsgremium zur Wahl, aus dieser Vorstandsgruppe wurde dann als Kassierer Renate Holz gewählt. Alle acht stellten sich der Versammlung zunächst mit ihren Beweggründen und Schwerpunkten vor.
„Wir von SPES erzählen jetzt schon von Ostelsheim,“ sagte Alexander Hölsch, „hier ist etwas ganz Entscheidendes passiert, die Breite der Menschen, die sich mit dem einbringen, was sie können, ist ganz, ganz besonders, ebenso auch die Klarheit und die Struktur, die ihr ins Projekt reingegeben habt“.
Mit „Jetzt kommen die Abkündigungen“ sorgte Ehmer-Stolch für Lachen. Sie wies auf die ausliegenden Beitrittserklärungen hin und kündigte die öffentliche erste Sitzung der Vorstandsgruppe am 19. November ab 19 Uhr im Rathaussaal hin, zu der interessierte Bürger eingeladen sind.
Was verbirgt sich hinter SPES e.V.?
Der gemeinnützige Verein SPES
entwickelt gemeinsam mit der SPES Zukunftsakademie (Österreich) sowie weiteren Kooperationspartnern multiplizierbare und praxisorientierte Zukunftsmodelle für die nachhaltige Sicherung der Lebensqualität im Ländlichen Raum und begleitet bürgerschaftliche Initiativen und Gemeinden bei deren Umsetzung.