Wo bis vor rund einem Jahr noch das „Calypso“ untergebracht war, hat nun ein Verein die Regie übernommen. Kaffee und Kuchen werden serviert, erste Veranstaltungen sind geplant. Und, was vielleicht überrascht: Es gibt keine festen Preise.
Die Geschichte des nagelneuen Bürgertreffs in Holzbronn, der in dieser Woche im Rathaus offiziell eröffnet wurde, begann mit einem unwahrscheinlichen Zufall. Denn gleich zwei Frauen hatten – unabhängig voneinander – dieselbe Idee: Yvonne Schweizer und Gerlinde Greß.
Das berichtete Holzbronns Ortsvorsteherin Helena Österle im Rahmen der Eröffnung.
Ohne voneinander zu wissen
Als Ende vergangenen Jahres klar gewesen sei, dass das Café Calypso nicht mehr weitermache, habe die Stadt, der das Gebäude gehört, damit begonnen, jemanden zu suchen, der hier wieder einzieht.
Zwei mögliche kommerziell orientierte Betreiber hätten sich daraufhin gemeldet – aber eben auch Schweizer und Greß, die, ohne voneinander zu wissen, die Idee eines Bürgertreffs ins Spiel gebracht hätten.
Zuerst große Fragezeichen
„Wir hatten auch zuerst große Fragezeichen“, räumte Österle ein. Das Konzept habe aber überzeugt.
Und so brachte die Stadt die beiden Frauen miteinander in Kontakt – und mit der FVG-Holzbronn, der Fremdenverkehrs- und Verschönerungs-Gemeinschaft. Denn allein aus rechtlichen Gründen sei schnell klar gewesen, dass ein Verein die Trägerschaft des Bürgertreffs übernehmen sollte.
Rund 10 000 Euro investiert
„Holzbronn noch lebens- und liebenswerter machen!“ – so lautet das selbstgewählte Motto der FVG. Und entsprechend habe die Idee von Schweizer und Greß „voll reingepasst“, erklärte Vereinsvorsitzender Matthias Kirchherr.
Es folgte ein Antrag auf finanzielle Unterstützung bei Leader Heckengäu, einem EU-Förderprogramm, das gezielt ländlichen Gebiete stärken will. Mit Erfolg: 5316 Euro flossen an Mitteln. Die Stadt Calw steuerte 2500 Euro bei; hinzu kamen Spenden sowie Eigenleistungen, so dass am Ende ein Budget von 10 000 Euro zur Verfügung stand.
Interessantes Konzept in Sachen Bewirtung
Diese Mittel flossen unter anderem in Möbel, Backofen, Spülmaschine, Elektrik und nicht zuletzt einen neuen Anstrich. Rund 20 Plätze innen sowie zehn Plätze außen (im Sommer) stehen nun im Bürgertreff zur Verfügung.
Dieser verfolgt im Übrigen ein interessantes Konzept in Sachen Bewirtung. Denn feste Preise für Kaffee oder Kuchen gibt es nicht. Stattdessen basiere alles auf Spendenbasis, jeder darf bezahlen, was er für richtig hält, um das Projekt zu unterstützen. „Darüber soll das Ganze auch am Leben bleiben“, sagte Kirchherr.
Öffnungszeiten könnten erweitert werden
Auch wenn nun erst die offizielle Einweihung gefeiert wurde, so gebe es bereits eine „schleichende Eröffnung seit 21. Oktober“, erklärte der Vorsitzende. Und „das Ganze läuft schon ganz gut an“, freute er sich.
Aktuell seien die Öffnungszeiten auf Montag und Donnerstag, jeweils 15 bis 18 Uhr festgelegt. Darüber hinaus werde montags von 15 bis 17 Uhr ein Spieltreff für Kinder angeboten. Mit der Zeit, so Kirchherr, könnte das aber auch erweitert werden.
Ortskern beleben
Zudem plant der Verein bereits die ersten größeren Aktionen. So etwa eine Lesung am 23. November oder eine Teilnahme am lebendigen Adventskalender am 7. Dezember. Am 30. November soll zudem von 14 bis 17 Uhr der Handarbeitstreff starten, der im kommenden Jahr ausgeweitet werde. Und die erste größere Veranstaltung, der erste große Laternenumzug, feierte am Tag der offiziellen Eröffnung bereits Premiere.
Ein vielversprechender Anfang scheint also gemacht zu sein. Das dürfte auch der Stadtverwaltung gefallen. Denn das Rathaus ist im Besitz der Stadt. Und „uns war es wichtig, dass es hier, im Ortskern, belebt ist“, unterstrich Ortsvorsteherin Österle.