In der Nachkriegszeit eine lebenswichtige Aufgabe, gerät das Vereinswesen bei der Kleintierzucht heutzutage eher ins Straucheln. Bernhard Bossenmaier und Tobias Giering aus Fischingen wollen ihre Gruppe hingegen fit für die Zukunft machen.
Bei vielen Kleintierzuchtvereinen hat der pure Kampf ums Überleben schon lange begonnen.
Früher eine Hochburg im Kreisverband Tübingen-Horb mit den Sulzer Kleintierzuchtvereinen Fischingen, Sulz, Mühlbachtal Bergfelden und umliegend Wittershausen, Dornhahn und Dettingen, geht es heutzutage allen genannten Vereinen gleich.
Kaninchen auf dem Tisch
Dettingen hat bereits vor Jahren die Segel gestrichen und den Verein aufgelöst. Da fragt sich der Schwarzwälder Bote anhand des Fischinger Kleintierzuchtvereins in einem Pressegespräch: „Ist Kleintierzucht heute noch zeitgemäß?“.
Dafür sollte man wissen, dass früher in der Kriegs- und Nachkriegszeit, als Lebensmittel noch knapp oder rationiert waren, die Kleintierzucht die Möglichkeit bot, ab und zu einen Kaninchen- oder Geflügelbraten auf den Tisch zu bekommen – etwas, was heute allerdings nicht mehr so von Bedeutung ist.
Verantwortung für die Tiere
Überalterung, Nachwuchssorgen und zurückgehendes Ehrenamt ziehen sich heute wie ein roter Faden durch die Berichte der Kleintierzuchtvereine.
„Wenn man Tiere züchtet, muss man Verantwortung übernehmen und täglich Zeit aufwenden. Kleintierzucht ist kein Hobby, das man vernachlässigen kann“, so die Meinung von dem Vorsitzenden Bernhard Bossenmaier und seinem Vize Tobias Giering.
Aufbruchstimmung im Verein
In Fischingen machte sich bereits das Wort Vereinsauflösung nach 65 Vereinsjahren breit und Vereine klopften bereits an, die schmucke Zuchtanlage für ihre Zwecke zu übernehmen.
Wenn nun auch das Vereinsschild mit dem Vereinswappen über dem Eingang zum Gemeinschaftshaus in der Zuchtanlage deutliche alters- und Gebrauchsspuren zeigt, breitet sich im Neckardorf eine neue Aufbruchstimmung mit einer neugewählter Mannschaft aus.
Es gibt neues Federvieh
Das Herz muss jedem Tierliebhaber aufgehen, wenn man die Fischinger Zuchtanlage betritt und das fröhliche Gackern von fünf Sperber-Hühnern hört.
Wie Bossenmaier und Giering bei einem Pressegespräch bekannt gaben, hat der Verein die Hühner angeschafft. Doch könnten aufgrund des Platzes noch einmal so viele Tiere kommen. Zudem biete der Stall die Möglichkeit, zwei separate Stämme zu halten.
Ein schönes Sommerfest
Ziel des Vereins ist es, die jetzigen Vereinshühner an jemanden abzugeben, der sich dafür begeistern könne oder bereits schon immer Hühner halten wollte – jedoch keinen Platz hatte.
Die einzige Bedingung wäre eine Mitgliedschaft für zwölf Euro im Jahr. Insgesamt ist die Stimmung und die Zuversicht im Neckardorf aber sehr positiv und ein kürzlich abgehaltenes Sommerfest ist Indiz dafür, dass der Verein aktiv und lebendig ist.
Tiere und Grundschüler
Ginge es nach dem Führungsduo, solle dies auch noch recht lange so bleiben. Sie sind aber nicht blauäugig, sondern Realist genug, dass das nur ein kleiner Anfang sei.
Nachdem die Kooperation mit der Fischinger Grundschule durch den Brand des Schulgebäudes ins Stocken geraten ist, will man die Zusammenarbeit unbedingt fortführen.
Fußball als Vorbild
Aus Sicht des Fischinger Vereins hat Kleintierzucht aber durchaus noch eine Zukunft – wenn auch in anderer Form. Was im Fußball gang und gäbe ist, nämlich die Fusionen, könnte auch in die Kleintierzuchtwelt ein Weg des Erfolges sein.
Bossenmaier sieht, dass gemeinsame Ausstellungen mit dem Wechsel des Ausstellungsortes durchaus möglich wären. Alleine schon der Erhalt vom Aussterbenden bedrohte Rassen und der Pflege eines Kulturgutes muss Ansporn sein, weiterzumachen.
Die Vereinsverantwortlichen werden aber geforderten sein, neue Ideen voranzubringen.