Fred Meckes, Adrian Roth, Margareta Müller, Felix Kremelic und Michael Müller (von links) werben für ein „Ja“ zum Zentralbad. Foto: Birgit Heinig

Für die Wassersport treibenden Vereine der Stadt gibt es am 9. Juni nur eine Option: beim Bürgerentscheid das Kreuz bei „Ja“ zu machen. Das bringe nicht nur ihnen, sondern auch den Schulen, der Öffentlichkeit, ja der ganzen Stadt nur Vorteile, sagen sie.

Unter den vier größten sind mit der DLRG und der Wasserballgemeinschaft auch zwei der wenigen doppelstädtischen Sportvereine. Gemeinsam mit den beiden Schwimm-Clubs Schwenninger SSC und dem SC Villingen machen sie sich stark für ein Zentralbad beim Kulturzentrum Klosterhof und wollen im Vorfeld des Bürgerentscheids dafür sorgen, dass jeder Wähler und jede Wählerin (ab 16 Jahre) ausreichend Informationen erhält.

 

Dafür werden sie nicht nur ihre eigenen Vereinsmitglieder aktivieren, sondern vor der Wahl mit Info-Ständen auch noch auf die Straße gehen, wie Fred Meckes, SSCS-Abteilungsleiter für das Synchronschwimmen, ankündigt.

Woche für Woche trainieren allein in diesen vier Vereinen rund 800 Wassersportler. Hinzu kommen noch Kanuten und Taucher. Ein Hallenbad mit doppelt so viel Wasserfläche wie bisher in beiden Stadtteilen zusammen – das würde aus ihrer Sicht viele Probleme lösen.

Nicht nur, dass die Vereine dann endlich all jene aufnehmen könnten, die sich um eine Mitgliedschaft bewerben. Nicht nur, dass die Badegäste von Vereinsveranstaltungen unbehelligt blieben, weil beides, öffentlicher Badebetrieb und Turnier, Wettkampf oder Lehrgang parallel stattfinden könnten, sondern auch und insbesondere deshalb, weil dann auch wesentlich mehr Schwimmkurse angeboten werden könnten.

Der SSCS

Die Schwimmschule ihres Vereins habe lange Wartelisten, sagt die SSCS-Vorsitzende Margareta Müller. Immer mehr Kinder können noch nicht schwimmen, obwohl sie längst Schulkinder seien. Nach der Schließung des Friedenschulbades bleiben für den SSCS als Ort zum Schwimmenlernen nur das Bad der Lebenshilfe, das seine besten Tage schon lange gesehen habe und das Nichtschwimmerbecken im Neckarbad, dass man sich mit der Öffentlichkeit teilen müsse. Der Geräuschpegel sei zudem für alle Übungsleitenden eine Belastung.

Die DLRG

Das bestätigt der DLRG-Vorsitzende Felix Kremelic. Neben der Ausbildung von Rettungskräften sind Schwimmkurse eine Hauptaufgabe des DLRG-Ortsvereins mit fast 1000 Mitgliedern. Die können momentan nur im Neckarbad angeboten werden, da man die ohnehin späten Zeiten im Villinger Hallenbad wegen der für Rettungsübungen notwendigen größeren Wassertiefe nutze. Kremelic wünscht sich zudem, dass der „Flickenteppich“ an Trainingszeiten zu Gunsten weniger, dafür längerer Einheiten der Vergangenheit angehöre.

Die WBG

Adrian Roth von der Wasserballgemeinschaft VS (WBG) sieht angesichts der derzeitigen Trainingszeiten im Villinger Hallenbad ab 21 Uhr dagegen überhaupt keine Möglichkeit, Nachwuchs heranzuziehen. „Das ist für Jugendliche unattraktiv und für Kinder schlicht nicht leistbar“, sagt er und befürchtet mit Blick auf derzeit 16 aktive Spieler ein allmähliches „Wegsterben“ des Wasserballsports in der Stadt. Ein Zentralbad sei die einzige Lösung, das zu verhindern und außerdem die Konkurrenz zwischen Schulen, Vereinen und dem öffentlichen Badebetrieb, weswegen das Villinger Hallenbad zwei Tage in der Woche für die Öffentlichkeit geschlossen bleibe, zu beenden.

Synchronschwimmerinnen

Auch Fred Meckes braucht für seine Synchronschwimmerinnen größere Wassertiefen als das Neckarbad aufweist. Auch er trainiert daher in beiden Bädern, kann aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Trainingszeiten aber nur im Neckarbad Anfängertraining durchführen. Hier sind abgesehen vom zu flachen Becken die Lichtverhältnisse und die Geräuschkulisse nicht ideal und die Einheiten dort sind immer wieder geprägt vom Schlagen gegen das Metall der Einstiegstreppe. Nur so können die Schwimmerinnen unter Wasser den Rhythmus hören. Meckes weiß, dass die gleichzeitig ihre Bahnen ziehenden Badegäste davon nicht begeistert sind.

Die Schulen

Sein persönlicher Fokus liegt aber nicht nur auf seinen eigenen Schützlingen. Bei den Schulen hat sich der SSCS-Ehrenvorsitzende schlau gemacht. 5000 Grundschüler besuchen die Schulen der Stadt. Jeder von ihnen sollte eine Schwimmstunde pro Woche haben. Zur Verfügung stehen dafür jeweils sechs Stunden lang drei Bahnen an fünf Tagen im Neckarbad und fünf Bahnen an zwei Tagen im Villinger Hallenbad. Meckes rechnet: „150 Stunden für 5000 Schüler, das wären 33 Kinder pro Bahn“. Unmöglich!

Der SCV

Michael Müller, Vorsitzender des SC Villingen, sieht sich immer wieder mit Anfragen von älteren Kindern konfrontiert, die dem Schwimmsport nachgehen wollen. Aufgrund mangelnder Kapazitäten müsse er „Quereinsteigern“ jeden Alters, zurzeit häufig Acht- bis Zwölfjährige, die gerade so schwimmen können, aber absagen. Wer im Verein von klein auf nicht als Schwimmer großgeworden sei, für den habe man aktuell keinen Platz, bedauert er. Die aktiven Schwimmer des SCV sind sehr erfolgreich und bräuchten eigentlich auch noch mehr Trainingszeiten als sie momentan nutzen können.

„Nur Vorteile“

Aus Sicht aller Vereinsvertreter bringe ein Zentralbad mit Kosten je nach Variante von 41,6 bis 56,8 Millionen Euro nur Vorteile. Ein Schwimmzentrum entfalte nach ihrer Überzeugung eine Sogwirkung auf Menschen, die sich in der Region niederlassen wollen. Über die Folgen eines Bürgerentscheids gegen die große Lösung wollen sie gar nicht nachdenken. Der Neubau eines Stadtteilbades in Villingen verschlinge Unsummen, das Neckarbad folge dann in wenigen Jahren. Eine Sanierung habe zur Folge, dass sich die Wasserfläche auf Jahre hinaus halbiere. Undenkbar! „Jetzt stehen die Mittel zur Verfügung“, wissen sie aus drei Informationsveranstaltungen und sie wissen aus internen Kreisen des Schwimmsports auch, dass die öffentliche Hand für den Bäderbau zusätzlich Zuschüsse bereithält. Sie werben für ein Kreuz am 9. Juni bei „Ja“. „Wir hoffen, dass die Bevölkerung mitgeht.“