Die Verwaltung wird sich laut OB Markus Ibert daran machen, das Sportstättenkonzept zu überarbeiten – denn die Sportvereine sollen weiter unterstützt werden.
Es war eine denkwürdige Sitzung, allein schon wegen der Kulisse: An die 100 Besucher wollten dabei sein, als über den Bau der Sport-Kita abgestimmt wurde. Entsprechend eng ging es in den Zuhörerreihen zu. Kinder aus der Jugendabteilung des Hockeyclubs, zu erkennen an ihrem orangefarbenem Vereinsoutfit, saßen deshalb auf den Fensterbänken, während es für einige Erwachsene nur zu einem Stehplatz reichte.
Die Vereinsvertreter erlebten eine Enttäuschung, der Rat entschied sich mit 19:10 Stimmen (und einer Enthaltung von Volker Przibilla von den Grünen) für den Antrag von CDU und Grünen, auf den Bau der Sport-Kita zu verzichten. So kam es erst gar nicht zu einer Abstimmung über die städtische Vorlage, die einen Beschlussvorschlag für die Sport-Kita mit prognostizierten Gesamtkosten von 15,61 Millionen Euro vorgesehen hatte.
Ibert wirbt bis zuletzt für die Sport-Kita
Dabei hatte OB Markus Ibert zu Beginn der Sitzung abermals für dieses seit mehreren Jahren vorbereitete städtische Großprojekt geworben und dabei hervorgehoben, dass die Planung weit fortgeschritten sei und bereits eine Million Euro gekostet habe. Er betonte auch die Verlässlichkeit, die die betroffenen Vereine von der Stadt erwarten dürften.
Und dass es teurer wäre, zu einem späteren Zeitpunkt eine Kita an einem anderen Ort zu planen, falls das angesichts der Kinderzahlen in der Stadt nötig sein werde. Ohne Sport-Kita riskiere die Stadt, dass später weitere Kita-Plätze genehmigt werden müssen, hatte in einem kurzen Statement auch Bürgermeister Tilman Petters zu bedenken gegeben.
Tags darauf, beim Pressegespräch im Nachgang der Ratssitzung, wurde Ibert von unserer Redaktion gefragt, ob er das Votum gegen die Sport-Kita als persönliche Niederlage erachte. Nein, erwiderte er. Die Verwaltung habe sich mit diesem Thema „intensiv über Jahre beschäftigt“.
Auch über den Sommer habe man sich im Rathaus nochmals viele Gedanken gemacht und sei gemeinsam zum Schluss gekommen, am Bau der Sport-Kita festzuhalten. Als OB habe er diese Entscheidung, die er auch persönlich als richtig erachte, nach außen zu tragen. Dabei legte er Wert auf die Feststellung, dass der städtische Haushalt auch mit dem Bau der Sport-Kita genehmigungsfähig gewesen wäre.
SPD-Antrag findet keine Mehrheit im Gemeinderat
Etliche Ratskollegen, nicht nur von CDU und Grünen, sondern auch von AfD und FDP, halten die Stadt aber zurzeit schlicht für zu arm, als dass sie sich eine Sport-Kita leisten könnte. Zumal man auch andere Aufgaben zu bezahlen habe.
Sven Täubert (Grüne) brachte zum Beispiel den Bau der Breitmattenschule zur Sprache, bei der die Mittel für den Bau einer Schulturnhalle komplett fehlten. Man könne ja schlecht eine Kita mit Sportangebot errichten, eine Schule aber ohne Schulturnhalle lassen, so Täubert. Auch Ilona Rompel (CDU) forderte, an die Verantwortung für den Gesamthaushalt zu denken.
Roland Hirsch (SPD) sah es differenziert, redete teils den Ratskollegen ins Gewissen: Das Thema sei seit Jahren vorbereitet worden, betreffe vier Vereine, HC Lahr, TC Lahr, SC Lahr, TV Lahr und die Ballschule Ortenau. 300 Kinder würden auf der Warteliste für einen Kita-Platz stehen. Darüber hinaus überzeuge das Projekt: „Eine Sport-Kita zusammen mit neuen Vereinsräumen eines neuen fusionierten Vereins aus TC Lahr und HC Lahr würde zu absolut positiven Synergieeffekten führen“.
Da sich vor der Sitzung abgezeichnet hatte, dass sich CDU und Grüne mit ihrem Antrag kontra Sport-Kita durchsetzen würden, hatte die SPD-Fraktion einen eigenen Antrag vorbereitet, den Hirsch am Montagabend vortrug.
Er sah vor, an den Überlegungen zur Neuordnung der Sportanlagen grundsätzlich festzuhalten. Die Verwaltung solle deshalb beauftragt werden, „in Abstimmung mit den Vereinen Planungsvarianten zu entwickeln, welche die Umsetzung einer Sportkonzeption ohne den Bau der Sport-Kita ermöglichen“. Dieser Antrag wurde letztlich aber nur von den SPD-Stadträten unterstützt.
Stattdessen gab es auch für Punkt zwei des Antrags von CDU und Grünen eine Mehrheit – dass an der Umsetzung der im Sportstättenkonzept vorgesehenen Sportanlagen festzuhalten sei, auch ohne Sport-Kita. Die beiden Anträge klingen sehr ähnlich, an der SPD-Vorlage störte indessen einige Ratskollegen das Wort „grundsätzlich“: Es wurde als Hinweis darauf verstanden, dass die Stadt mit einer gänzlich neuen Planung beauftragt werden solle. Die Mehrheit der Ratskollegen wollte lieber das beschlossene Sportstättenkonzept als Basis der weiteren Überlegungen sehen.
Tags darauf, bei dem Pressegespräch im Rathaus, konstatierte OB Ibert, dass die Verwaltung nun den Auftrag für ein verändertes Sportstättenkonzept erhalten habe. Das werde sie möglichst bald in Angriff nehmen und das Ergebnis ihrer Überlegungen später mit dem Gemeinderat abstimmen. Das Ergebnis müsse sich nicht „auf die Sanierung bestehender Anlagen begrenzen“. Konkret wünscht sich der Hockeyclub, wie mehrfach berichtet, einen neuen Platz beim Tiergesundheitszentrum.
So reagieren die betroffenen Sportvereine
SC Lahr: Es sei schade, dass die Abstimmung so ausgefallen ist, sagte Frank Müller, der Vorsitzende des SC Lahr, auf Nachfrage. Gleichwohl habe das Votum ihn nicht überrascht, „wenn man den Blätterwald so hat rauschen hören“.
Er wünsche sich nun, dass das Sportstättenkonzept für die Dammenmühle „nicht im Papierkorb landet“. Konkret solle es dabei bleiben, dass der Hockeyclub einen neuen Platz in der Nähe des Tiergesundheitszentrums erhält. Das würde bedeuten, dass der aktuelle Platz des HC Lahr frei werden könnte für den SC Lahr.
Mit einem neuen Belag versehen, könnte er in einen Fußballplatz umfunktioniert und zur dritten Spielstätte für den Verein an der Dammenmühle werden. Der SC Lahr könnte dann seine sämtlichen Mannschaften dort konzentrieren (statt auch auf der Klostermatte antreten zu müssen).
„Ein Verein, eine Heimat“, bringt Müller dieses Konzept auf den Punkt. Es sieht darüber hinaus vor, dass der Kunstrasenplatz des SC Lahr ebenfalls einen neuen Belag erhält. „Unsere Wünsche dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, fordert Müller.
TC Lahr:
Bernd Frischauf, Vorsitzender des Tennisclubs, war bei der Ratssitzung unter den Zuhörern. Das Abstimmungsergebnis halte er für einen Fehler, sagte er unserer Redaktion. Denn angesichts einer Warteliste für Kita-Plätze, auf der 280 Kinder stehen, wäre der Bau der Sport-Kita sehr wohl eine städtische Pflichtaufgabe gewesen, ist er überzeugt.
Wie geht es nun weiter? Bekanntlich hätten der Tennis- und Hockeyclub in der Sport-Kita gemeinsame Vereinsräume erhalten sollen. Auch wenn es dazu nicht kommen wird, muss es bei den Fusionsplänen beider Vereine bleiben, fordert Frischauf. Der Hockeyclub müsse einen neuen Platz erhalten, außerdem brauche es ein Funktionsgebäude für beide Vereine. Denn TC und HC Lahr hätten bereits jetzt zusammen mehr als 700 Mitglieder, wobei Frischauf erwartet, dass sich die Mitgliederzahl in den nächsten Jahren Richtung 1000er-Marke bewegen wird.
Das gewünschte Funktionsgebäude würde nicht nur Umkleiden für Tennis- und Hockeyspieler enthalten, sondern etwa auch einen Gymnastikraum für die Ballschule Ortenau oder Räume für Senioren. Der ganzen Bevölkerung würde dieses Gebäude offenstehen, betont Frischauf.
HC Lahr: Beim Hockeyclub war am Dienstagabend eine Vorstandssitzung anberaumt, in der besprochen werden sollte, wie es weitergeht. Dieser Sitzung wollte der Vorsitzende Bernd Dahlinger im Gespräch mit unserer Redaktion nicht vorgreifen, machte aber natürlich keinen Hehl daraus, dass auch er vom Ausgang der Abstimmung enttäuscht ist.
Die hatte er ebenfalls direkt im Saal miterlebt. HC Lahr und TC Lahr brauchen nach der Fusion ein Vereinsheim, betonte Dahlinger. Er hoffe, dass sich die Rahmenbedingungen bessern und dieses noch zu errichtende Vereinsheim möglichst viel vom Konzept der Sport-Kita enthalten wird.
Ballschule Ortenau: Günther Zelzer ist Vorsitzender der Ballschule Ortenau, die Kinder für Sport begeistern und ihre motorische Entwicklung fördern will. Zelzer verschickte am Dienstag ein schriftliches Statement, in dem er seinen Unmut über die Ratsentscheidung äußerte: Der Beschluss zeige, „wie schwer sich die Politik mit mutigen, zukunftsorientierten Konzepten tut“. Statt ein durchdachtes Gesamtkonzept zu verfolgen, seien kurzfristige Bedenken und finanzielle Argumente in den Vordergrund gestellt worden. „Zurück bleiben engagierte Ehrenamtliche, die sich für eine innovative Idee eingesetzt haben, und das Gefühl, dass eine große Chance vertan wurde. Lahr hätte Farbe bekennen können. Stattdessen dominiert leider das Grau der Vorsicht.“