Pfarrer Silvanus Barikurungi ist Ende August wieder nach Uganda zurückgeflogen. Sein Bestreben ist es aber, im kommenden Jahr wieder die Ferienvertretung für Pfarrer Thomas Schmollinger zu übernehmen. Er betont: „Ich bin immer wieder gerne hier in Trossingen, hier ist meine zweite Heimat“. Hier ist er mit dem Vorsitzenden des Freundeskreises TroGuDu, Janusz Kloskowski, zu sehen. Foto: Ingrid Kohler

Der Freundeskreis „TroGuDu“ setzt sich seit 14 Jahren für die Verbesserung der Lebensqualität in dem ostafrikanischen Land ein. Doch erstmals schloss er das Jahr 2023 mit einem Minus ab. Geld wird für Medikamente benötigt, aber auch für neue Reifen.

​Seit 14 Jahren ist der Freundeskreis Uganda, der sich den Namen „TroGuDu“ gegeben hat, eine große Erfolgsstory. „TroGuDu“ steht für Trossingen, Gunningen und Durchhausen, und hier genauer für die drei katholischen Kirchengemeinden, die eine Seelsorgeeinheit bilden.

 

Ja, es laufe seit 14 Jahren alles gut, sind sich der Vorsitzende Janusz Kloskowski und der ugandische Pfarrer Silvanus Barikurungi einig. Bis auf eines: „Wir haben das Jahr 2023 erstmals mit einem Minus von knapp 2000 Euro abgeschlossen“.

Nicht etwa, weil Misswirtschaft betrieben wurde, im Gegenteil, es wurden sogar zusätzlich zur seit Jahren bestehenden Krankenstation noch zwei weitere Projekte mit aufgenommen, nämlich die Unterstützung von Straßen- und Waisenkindern.

Corona und Inflation

Doch „die Kosten steigen nach der Inflation in Uganda, nach Corona hat sich das Land noch nicht richtig erholt“, erläutert Janusz Kloskowski den aktuellen Stand.

Vor 2024 seien die Projekte Straßen- und Waisenkinder sporadisch unterstützt worden. „Doch jetzt bezahlen wir regelmäßig für jedes Projekt monatlich 200 Euro“, erzählt er. Allerdings bleibe das Herzstück die Krankenstation, die seit 14 Jahren ständig ausgebaut wurde.

Es sei keineswegs selbstverständlich, dass ein solches Projekt schon so lange gut funktioniere. Das große Problem sei jetzt, dass von den Patienten, die überhaupt etwas bezahlen können, immer weniger auch weniger Geld bezahlen.

Außerdem habe der Freundeskreis im Jahr 2023 zusätzliche Medikamente für 6000 Eurogekauft. Die Krankenstation sei sehr bekannt und die Leute wüssten, dass sie hier Unterstützung bekommen.

Wichtig sei auch, dass das Personal schon ein eingespieltes Team sei. Um es halten zu können, müsse der Freundeskreis selbstverständlich auch gut bezahlen. 100 Euro verdiene eine Schwester pro Monat. Im Vergleich erhalte ein Priester wie Silvanus etwa 50 bis 55 Euro im Monat. „Ein paar Schuhe kostet aber schon 50 Euro“, erzählt er selbst.

Im November 2024 fliegt der Trossinger Arzt Joachim Gollnau wie seit vielen Jahren wieder nach Uganda. Dann kommen noch viel mehr Leute, um sich behandeln zu lassen, denn in diesen zwei Wochen macht Gollnau alles kostenlos. Die benötigten Medikamente bekommt er vom Freundeskreis TroGuDu. Für sein Flugticket und seinen Unterhalt während dieser Zeit kommt er selbst auf. „Unser Grundsatz ist: Alles, was von den Spendern kommt, geht direkt in die Projekte“, so Janusz Kloskowski.

Pfarrer Silvanus Barikurungi übernahm auch in diesem Sommer die Vertretung des Trossinger Pfarrers Thomas Schmollinger. In Uganda ist er ansonsten der eigentliche Organisator und Ansprechpartner für alles rund um den Freundeskreis TroGuDu und dessen Spendenprojekte.

Bestand reicht nicht ewig

Noch laufen die Projekte des Freundeskreises Uganda sehr gut. „Aber das Minus ist die erste Warnung und wir müssen schauen, dass wir in diesem Jahr wieder in die andere Richtung gehen“, betont Kloskowski. Der aktuelle Bestand reiche noch für die nächsten Jahre, „aber die Kosten steigen weiter und der Topf muss aufgefüllt werden“. Über die Predigten und Messen, die Pfarrer Silvanus Barikurunigi in den vergangenen Wochen in Trossingen, Gunningen und Durchhausen gehalten habe, seien zwar einige Spenden zusammengekommen. Aber man müsse auch im kommenden Jahr wieder einiges unternehmen, um Spenden zu sammeln.

Dank eines Künstlers aus Spaichingen könne im November im Gemeindehaus in Trossingen ein Comedyabend ohne Eintritt, aber auf Spendenbasis zugunsten des Fördervereins veranstaltet werden.

Und noch eines ist ihm ein Anliegen: „Wir sind aktuell nur noch sieben aktive Mitglieder im Verein und sind deshalb auf der Suche nach weiteren motivierten Mitstreitern“ , sagt er abschließend.

Das Projekt des Pfarrers – und seine Autoreifen

Die Schule
Pfarrer Silvanus Barikurungi hat mit Hilfe der „Aktion eine Welt“ in Kigoto eine Schule gebaut. Hier werden vor allem Mädchen nach der Grundschule gefördert. Es werden Leute gesucht, die eine Patenschaft für ein Kind übernehmen möchten. Pro Jahr werden für ein Kind 300 Euro an Spendengeldern benötigt. „Wenn Mädchen nicht zur Schule gehen, bleiben sie im Dorf, bekommen viele Kinder, dann gehen die Probleme immer weiter“, weiß Silvanus. Wenn junge Menschen aus Uganda aber nach Deutschland zum Studieren gehen und bleiben „dann bringt es dem Land Uganda auch nichts“. Man müsse also alles versuchen, dass die Menschen im Land bleiben, um sich selbst zu versorgen, so der Geistliche aus Uganda, der unter anderem auch eine Frauengruppe gegründet hat, die sich bei Festen mit Catering einbringt und so für den eigenen Unterhalt sorgen kann. „Es gibt bei uns aber auch die Möglichkeit, dass junge Menschen hier aus Deutschland ein freiwilliges soziales Jahr an unserer Schule absolvieren“, sagt er und Janusz Kloskowski ergänzt: „Es gibt so viele Möglichkeiten zu helfen“, wichtig sei dabei immer die Langfristigkeit. Weitere Informationen hierzu gibt es unter silvanusbarikurungi@yahoo.com oder mobil unter 0025/67 82 49 51 59.

Ein Satz Reifen
Die Reifen von Pfarrer Silvanus Auto sind abgefahren und müssen dringend erneuert werden. Die rund 1000 Euro für vier Reifen dürfen aber nicht aus dem normalen Spendentopf fließen – ein weiterer Hilferuf für extra Spenden also. „Bei uns in Uganda sind die Straßen sehr schlecht mit vielen Löchern, da halten die Reifen nicht sehr lange“, weiß Silvanus aus Erfahrung. Die Regenzeit sei im November am schlimmsten, „wenn Dr. Gollnau kommt“. Da müsse er neue Reifen haben, weil die alten viel zu gefährlich wären. Außerdem sei er ja auch das ständige Taxi für hilfsbedürftige Menschen, die er von seinem Heimatort Kigoto in die Krankenstation fahre.