Sigrid Hall (links) ist die Vorsitzende, Silvia Maus ist die Einsatzleiterin des Vereins Nachbarschaftshilfe Aasen und Heidenhofen. Seitdem der Verein im Jahr 2021 nach der Corona-Pandemie gegründet wurde, sei die Nachfrage gewaltig gestiegen. Foto: Niklas-Marco Dinauer

Ist das die Lösung? Ein Verein in Donaueschingen unterstützt ältere Menschen bei alltäglichen Dingen. Der Bedarf daran ist seit der Gründung gewaltig gestiegen.

Ob Hilfe bei Einkäufen, Unterstützung im Alltag oder einfach nur ein offenes Ohr. Nachbarschaftshilfe kann auf verschiedene Arten geleistet werden. Vor allem ältere Menschen profitieren von der Solidarität. Bei leichteren Pflegefällen hilft der Verein Nachbarschaftshilfe Aasen und Heidenhofen in Donaueschingen und den Ortsteilen.

 

Corona hat das Problem verstärkt

Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) fühlen sich etwa 19 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland einsam. Das Gefühl der Einsamkeit steigt mit dem Alter, wie auch eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bestätigt. Laut dem Ministerium hat sich die Zahl der Senioren, die sich einsam fühlen, nach der Corona-Pandemie verdoppelt. Der Anteil einsamer älterer Menschen in Heimen beträgt 35,2 Prozent, während er in Privathaushalten bei 9,5 Prozent liegt.

„Jeder muss auf jeden achten“

„In Zukunft muss jeder auf jeden achten“, findet Silvia Maus, die Einsatzleiterin des Vereins Nachbarschaftshilfe Aasen und Heidenhofen. Der Entschluss solidarisch anderen zu helfen war schnell gefasst, nachdem „die Mutter aller Nachbarschaftshilfen, Maria Hensler, in Südbaden ein Netzwerk an Nachbarschaftshilfen gründete“, schildert die Einsatzleiterin.

Daraufhin wollten die erste Vorsitzende Sigrid Hall und ihr Team ebenfalls einen Nachbarschaftshilfe-Verein in Aasen und Heidenhofen auf die Beine stellen. Die Idee: Sich gegenseitig helfen, gewissermaßen über jenen Zaun hinweg, der die Grundstücke trennt und oft das Mitgefühl gleich mit abschneidet.

Der Verein Nachbarschaftshilfe Aasen und Heidenhofen wurde 2021 nach der Corona-Pandemie gegründet. An die erste Infoveranstaltung zu dem Verein erinnern sich Hall und Maus noch gut: „Die Bürgerhalle war sehr gut gefüllt und die erste freiwillige Helferliste war noch am selben Tag voll.“ Von 63 Gründungsmitgliedern wuchs der Verein in den letzten Jahren auf 211 Mitglieder, die Beiträge bezahlen und sich engagieren.

Der Verein umfasst heute für 49 Klienten 35 aktive ehrenamtliche Helfer. Die Helfer besuchen im Voraus einen Kurs, welcher von der Krankenkasse AOK finanziert wird. Außerdem erhalten die Ehrenamtlichen eine kleine Entschädigung. „Aber das macht hier keiner für das Geld“, stellt Silvia Maus klar.

Abrechnung über die Pflegekasse

Die Tätigkeiten umfassen häusliche Versorgung, das Leisten von Gesellschaft oder Spaziergänge. Die Helfer geben den Menschen ein Gefühl von Sicherheit, da sie nicht alleine sind und sich auf jemanden verlassen können, ergänzt Sigrid Hall. Sie unterstützen bei alltäglichen Aufgaben und haben ein offenes Ohr, so Hall. „Wir machen das, was ein guter Nachbar macht“, fasst Maus die Aufgaben zusammen. Klienten haben ab dem ersten Pflegegrad Anspruch auf einen Entlastungsbeitrag von 131 Euro.

Der Verein hat 2021 eine gültige Anerkennung durch das Landratsamt erhalten und darf Betreuungs- und Entlastungsleistungen anbieten und über die Pflegekasse abrechnen. Die Nachfrage sei gewaltig gestiegen, weiß Silvia Maus. Im Jahr 2022 haben die Helfer fast 800 Stunden geleistet. 2023 leisteten die Ehrenamtlichen bereits 2829 Stunden.

Es entstehen enge Verbindungen

Laut Hall und Maus sei der Verein eine wichtige Stütze für Angehörige und Klienten. Es ermögliche Menschen, so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu bleiben. Auch wenn die Helfer „wenig professionellen Hintergrund“ haben, wollen sie „etwas Gutes tun“, erzählt Silvia Maus. Es entstehen fast richtige Freundschaften, schildert Sigrid Hall. Manche Helfer werden fast wie ein Teil der Familie behandelt. Die Freiwilligen merken, wie wichtig sie sind und spüren, wie dankbar die Klienten sind, sagt Hall.