Solche Uniformen haben die Bahnbediensteten zwischen 1890 und 1920 getragen, wohl auch auf der Kandertalbahn, die ihr 130-jähriges Bestehen feierte.. Foto: zVg/Verein Kandertalbahn

Ein bewegtes Jahr liegt hinter den Mitgliedern des Vereins Kandertalbahn und des Zweckverbands. Gefeiert wurde das 130-jährige Bestehen eines „badischen Kulturerbes“.

Da 2020 kein Jubiläum gefeiert werden durfte, ist die 125-Jahr-Feier aufs vergangene Jahr verschoben worden, erklärte der Oberste Betriebsleiter Jürgen Lange bei der Verbandsversammlung, die vor kurzem stattgefunden hat.

 

1895 trat das Chanderli seinen Dienst an, und die Beliebtheit ist bis heute ungebrochen. Das zeige sich an einigen tausend Fahrgästen jährlich. Im Jubiläumsjahr seien an 54 Tagen sage und schreibe 18 200 Gäste bei 236 Fahrten befördert worden.

Kurzfilm im Internet stößt auf großes Interesse

Mehr noch, nämlich 100 000 Mal angeklickt wurde - an einem einzigen Tag - ein Sekundenfilm im Internet (Reel), der zeigt, wie die Lok 30 in der Werkstatt auf mechanische Weise angehoben wurde. In die weite Welt dringt der Ruf der historischen Dampfeisenbahn. Aktuell laufen Bemühungen um den Kauf von Kohle zum Heizen der Loks in Kolumbien.

Die zuletzt verwandte polnische Kohle bilde zu viel Rauch, so Lange. Ein weiteres Indiz für das große Interesse ist nicht zuletzt eine Zweitausgabe der Jubiläumsschrift von Wolfgang Schleef mit Geschichten, alten und neuen Zeichnungen sowie Fotos, etwa zum „Stauferle“ und „Tigerli“.

Chronik erinnert an Eisenbahngeschichte

Wahre Bände spricht eine Aufnahme, entstanden nach einem Gewitter 1983. Meterweise Schienen hingen verloren in der Luft, weil das Erdreich verschwunden war. Bis 1985 existierte bis Wollbach als Folge nur ein kleiner Güterverkehr. „Einmal dritte Klasse, bitte“, ein Satz der mittlerweile Geschichte ist – abgeschafft wurde „die Dritte“ Mitte der 1950er-Jahre.

Ganz nebenbei gibt die Chronik Auskunft über die Entwicklung des einstigen Industriestädtchens Kandern mit Ziegeleien, Ton- und Sägewerken, Papierfabrik sowie Eisengießerei. Abtransportiert wurden die Güter mit der Kanderner „Nebenlinie“, deren Baugenehmigung 1894 die Unterschrift des Großherzogs Friedrich von Baden trug.

Sogar das Plakat zur Einweihung vom 29. April 1895 existiert noch. Ebenso bemerkenswert sind die beiden Gefäße, die aus der Zeit um 1895 stammen und als Ehrengabe verliehen wurden. Ein Exemplar befinde sich im Besitz des örtlichen Heimatmuseums.

Die gute alte Zeit sollte im Jubiläumsjahr auch optisch ins Hier und Heute geholt werden: Mit den blauen Uniformen, die laut Lange von 1890 bis 1920 von den Bähnlern getragen wurden. Eigens angefertigt von einer Näherei im Schuttertal zum Kostenpunkt von 800 Euro für eine Uniform – inklusive Hut. Die Idee dahinter war, dass der historische Zug und das „Drumherum“ stimmig ausfallen sollte.

Historische Uniform ins Heute geholt

Ziel der Verantwortlichen sei das Kulturerbe Eisenbahn zu wahren und zu vermitteln.

Dazu passt die Verleihung des Dieter Junker-Preises vor kurzem, die als besondere Ehre gewertet wurde (wir haben berichtet). Viele Fotos vom Getümmel am Festwochenende Anfang Mai und von einzelnen Aktionen begleiteten die Rückschau. Derart bevölkert war das Areal rund um den Bahnhof wohl seit langem nicht. Er glich einer bunten fröhlichen Festmeile. Für die Jüngsten gab es eine Kindereisenbahn, und an einem Tag sei der ehemalige Güterverkehr präsentiert worden.

Darüber hinaus habe es 2025 Prüfungen, Begehungen, Lehrgänge, Zulassungen und Bereisungen gegeben. Auch um die Vegetation an der Strecke kümmern sich die Mitglieder.

Lange erwähnte, dass die Ausnahmegenehmigung zum Verzicht auf Zugbahnfunk GSM-R erteilt worden sei. Gestattet sei indes der Handyfunk GSM-P.

Zu verdanken ist die Erfolgsgeschichte des „Chanderlis“ einem großen Stamm an ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, darunter Schweizer, wie die Bilanz einmal mehr verdeutlicht hat.

Termin: Donnerstag, 11. Dezember, Weihnachtszügli, ab Kandern von 15.10 bis 21.10 Uhr; ab Haltingen von 16 bis 22 Uhr.