Auch Showeinlagen gehen immer wieder auf das Konto der Villinger Judokas. Foto: Martin Disch

Von sieben Pionieren zu Meistertiteln: Die unglaubliche Erfolgsgeschichte des JSV Villingen begann 1950 – mit Jiu-Jitsu, Zufall und französischen Soldaten.

Anfangs der 50iger Jahre des letzten Jahrhunderts starteten nach den Kriegswirren und dem Wiederaufbau in Villingen auch Vereine ihre Aktivitäten wieder. Die DJK Villingen wurde unter anderem wiedergegründet, und im Herbst des Jahres 1950 kamen einige junge Villinger Sportler auf den Gedanken, sich in der japanischen Selbstverteidigungsart „Jiu-Jitsu“ auszubilden.

 

Fritz Neumeier, der diese Sportart bei der Fallschirmjägertruppe erlernt hatte, stellte sich als Ausbilder zur Verfügung. Als die kleine Gruppe von sieben Aktiven einen Verein bildete, übernahm Neumeier auch den Vorsitz. Zu den Gründungsmitgliedern zählten auch Erwin Link und Kurt Schneckenburger.

Per Zufall entdeckt

Ein Jahr lang wurde zunächst nur Jiu-Jitsu betrieben. Durch einen Zufall kam man dann mit richtigen Judokas zusammen: In Villingen stationierte französische Militärangehörige entdeckten den beim „Photo Sauer“ hängenden Vereinskasten und merkten sich die Trainingszeiten der Villinger Jiu-Jitsu-Männer. Eines Abends erschienen die französischen Soldaten in der Turnhalle des jetzigen Romäusgymnasiums und schauten neugierig zu.

Aus der anschließenden Unterhaltung ergab sich, dass die Franzosen künftig zu den Trainingsabenden kommen würden, um den Villingern das „richtige“ Judo beizubringen. Ab diesem Abend entwickelte sich eine fruchtbare deutsch-französische Sportkameradschaft. Abwechselnd trainierte man bei den Villingern oder bei den Franzosen.

Erwin Link und Kurt Schneckenburger wurden immer wieder in die Kaserne zum Training eingeladen.

Lernen von Profis

Bessere Lehrmeister als die französischen Experten hätten sich die jungen Sportler nicht wünschen können. Der Startschuss für eine 75-jährige Erfolgsbilanz war gelungen. Im März 1952 wagte sich der junge Club mit einer Schauveranstaltung zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt stand der französische Nationalkämpfer und Träger des dritten Dangrades Mallet. Bei dieser Veranstaltung wurden neue Freunde für den Judosport gewonnen.

Im Herbst des gleichen Jahres startete der Verein mit Bundestrainer Tokio Hirano, der seinerzeit als weltbester Judoka galt, die erste Großveranstaltung. Danach war der Durchbruch geschafft.

Ein Publikumsliebling

Immer mehr Zuschauer kamen und fanden Gefallen am Judosport. Erwin Link wurde Trainer, er besuchte Lehrgänge und arbeitete eisern an sich selbst. Er hatte auch das Glück, beim Bundestrainer Tokio Hirano direkt eine Menge lernen zu können. Erwin Link wurde zu einer Trainerpersönlichkeit. Unter seiner Regie entwickelte sich Villingen in den 50er Jahren zu einer Judohochburg.

Bereits in den frühen 50er Jahren errangen Erwin Link, Erich Hermle, Georg Fischer, Waldemar Kunkel sowie Manfred Matt Erfolge. Dies spornten den Nachwuchs besonders an. Mit Siegfried Schneckenburger, Werner und Rolf Siebold, Wolfgang Chrobok, Ingfried Löhr, Max Rauch, Uwe Rebentisch, Helmut Götz und Georg Fischer wurden Erfolge errungen, die dem Verein bundesweites Ansehen einbrachten und die Spitzenstellung im südbadischen Judosport festigten.

Mit Beginn der 70er Jahre waren es die Judokas Manfred Hermle, Carmelo und Michele Russo, Fritz Neidich, Rudi Ritzmann, Erwin Schmidt, Wolfgang Wilhelm, Rolf Rottler, Wolfgang Lang, Lutz Kunz, Sieglinde Göckler und Evelin Bendisch, die über diese Jahre hinweg den Verein sportlich hervorragend repräsentierten und mit zahlreichen Meistertiteln den guten Ruf des JSV 1950 festigten. Mit den Zwillingen Manuel und Marcus Dawid begann eine Leistungsexplosion auf den Judomatten. Die Zwillinge standen in Finals sowohl bei nationalen wie internationalen Turnieren. 1984 wurde Marcus David deutscher Judomeister.

Mit Heike Warok errang 1986 das erste Mädchen des Vereins die Meisterschaft.

Mit Helmut Götz trainierte nun ein erfahrener Judoka über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Talente, die von der Kreis-,Bezirks und Landesebene hinaus Meisterschaften errangen. Auch Helmut Götz Nachfolger Volker Stadler war Garant für eine gute Kinder-und Jugendarbeit bis 2013 und zahlreiche Erfolge belegen dies.

Neues Team am Start

Zuletzt machten Etienne Zeiger und Wolodja Andrusyshyn Schlagzeilen. Seit nun mehr 14 Jahren steht Christian Riegauf dem Verein als erster Vorsitzender vor. Gleichzeitig ist er noch Trainer. Ihm zur Seite steht seit Jahren Dieter Burkhard als stellvertretender Vorsitzender und Trainer. Burkhard war auch als Aktiver erfolgreich. So wurde er 2014 Deutscher Meister Ü30. Seit diesem Jahr ist Anouk Steinmann neue Jugendleiterin.