Verbandspräsident Patrick Scheel (links) und Kreisschützenmeister Erwin Geiger (rechts) gratulieren Oberschützenmeister Rüdiger Haas zum Vereinsjubiläum. Foto: Herzog

Unter dem Motto "Sport und Spaß trifft Tradition" hat der Schützenverein Schiltach zwei Tage lang auf seiner Anlage Vor Heubach sein 100-jähriges Bestehen gefeiert.

Schiltach - Zu einem kleinen Festakt hatten die Schützen am Samstag ins Zelt vor dem Schützenhaus Gäste aus der Bezirk- und Verbandsebene, Stadt, Vereinsvertreter sowie umliegende Schützenvereine eingeladen.

Geschichte der Schützenvereine

Oberschützenmeister Rüdiger Haas schweifte in seiner Festrede in die Geschichte der Schützenvereine aus. Der Ursprung des Schützenwesens liege mehr als 1000 Jahre zurück. Otto der Große habe 955 niedersächsische Bogenschützen für kriegerische Zwecke im Feldzug gegen die Wenden (deutsche Slawen) eingesetzt. Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten blieben Pfeil und Bogen und Armbrust bei der Verteidigung von Städten bedeutsam.

Es hätten sich Gilden gebildet, die die militärische Ausbildung der Bevölkerung übernahmen. "In Satzungen war unter anderem geregelt, dass zanken, fluchen, würfeln und Karten spielen für Schützen verboten war", schmunzelte der Vorsitzende. Seit dem 17. Jahrhundert seien zunehmend Feuerwaffen benutzt worden, auch bei Wettkämpfen. Mit der Weiterentwicklung der Militärtechnik sei der Niedergang der Schützengesellschaften mit der Gründung des Deutschen Schützenbundes 1861 in Gotha abgefangen worden.

Gründungsversammlung am 24. August 1922

Am 24. August 1922 habe sich der Schützenverein Schiltach im Gasthaus Linde mit 22 Mitgliedern und dem Vorsitzenden Gottfried Sittig gegründet. Das erste Schützenhaus sei mit Unterstützung der Gemeinde im Kuhbachtal als Blockhaus in Eigenleistung gebaut worden, ehe "mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten die dunkle Zeit der Schützen begonnen" habe. Einrichtungen seien durch vormilitärische Ausbildung der Jugend missbraucht worden. Die französische Besatzungsmacht habe die Schießanlage abgerissen und die vorhandenen Waffen unbrauchbar gemacht, schilderte Haas.

Schützenhaus immer wieder modernisiert und erweitert

Erst am 22. Februar 1960 erfolgte die Wiedergründung – und schon zwei Jahre später sei ein Schützenhaus mit einem Heimat- und Schützenfest eingeweiht worden. Seither wurde es immer wieder modernisiert und erweitert, zuletzt 2017, um die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. "Ich danke allen Helfern, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben. Als Vorsitzender ist es schön zu wissen, dass man sich auf die Mannschaft in jeder Hinsicht verlassen kann", hob Haas hervor.

Bürgermeister Thomas Haas erinnerte an die soziale und gesellschaftliche Funktion der Schützengilden. Bei der deutschen Revolution 1848 hätten sie sich für die Demokratie engagiert. Vor 100 Jahren sei die Vereinswelt noch eine ganz andere gewesen. Der Schützenverein Schiltach habe viel überstehen müssen. Von daher sei es etwas Besonderes, dass es ihn immer noch gebe.

"Ein ganz normaler Sport"

An das Schützenhaus und den Schießstand würden immer höhere Anforderungen gestellt, weshalb der Verein in den vergangenen Jahren viel Geld habe investieren müssen. Der Schießsport werde hin und wieder kritisch gesehen. Würden die Regeln und Vorschriften beachtet, sei er "ein ganz normaler Sport", betonte Haas.

Reinigungsbuch als neue Vorschrift

Patrick Scheel, Präsident des Südbadischen Sportschützenverbands, berichtete von alten noch vorhandenen Ansichten von Schießständen in Freiburg. Hinsichtlich wieder neuen Gesetzen fragte Scheel in die Runde: "Sind Kehrschaufel und Handfeger bereitgestellt?" Es gebe jetzt ein Reinigungsbuch der Anlagen, in dem dokumentiert werden müsse, was gereinigt und was wo entsorgt werde, erläuterte Scheel mit einem gewissen Unterton.

Er überreichte Oberschützenmeister Haas die Ehrenmedaille des Deutschen Schützenbunds. Die Glückwünsche des Schützenkreises Geroldseck-Kinzigtal überbrachte Kreisschützenmeister Erwin Geiger. Er warb hinsichtlich aufkommender Abwanderungsgedanken der Schiltacher ins Württembergische um Treue zum Südbadischen Verband.