Susanne Bucher und Bürgermeiste Patrick Haas sind begeistert von der positiven Resonanz der Bürger für die Nachbarschaftshilfe in Hüfingen und den Ortsteilen. Foto: Johann Müller-Albrecht

Hüfingen gründet einen gemeinnützigen Verein zur Nachbarschaftshilfe. Viele Freiwillige sind bereits gefunden. 400 interessierte Bürger sind zu sechs Veranstaltungen gekommen.

Die beiden kommen ins Schwärmen. „Die Resonanz auf unsere Einladung zum Thema Nachbarschaftshilfe war überwältigend“, sagen Bürgermeister Patrick Haas und Susanne Bucher, Leiterin Sozialraumplanung Hüfingen, unisono.

 

Die Stadt Hüfingen ist unter dem Motto „Die Gemeinschaft macht aus vielen Ichs ein starkes Wir“ im Juli mit einer Auftaktveranstaltung in die organisierte Nachbarschaftshilfe gestartet.

Nun sind die Infoveranstaltungen vorüber und das Fazit fällt positiv aus: Man habe sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortsteilen ein sehr starkes Interesse gehabt.

Mehr als 400 Teilnehmer

Susanne Bucher führt die hohe Beteiligung mit Zahlen aus. „Über 400 Teilnehmer bei den sechs Veranstaltungen, natürlich mehr in der Kernstadt, doch alle Abende in den Ortsteilen waren bis auf den letzten Platz gefüllt.“

Susanne Maier vom Sozialdezernat des Landratsamtes, Susanne Bucher und Bürgermeister Haas hatten den Besuchern gemeinsam präsentiert, wie notwendig und nachhaltig der Aufbau einer Nachbarschaftshilfe angesichts der Herausforderungen des demografischen Wandels bei gleichzeitig immer knapper werdenden finanzielle und fachlichen Ressourcen für Hüfingen und die Ortsteile sei.

Kommunen und Sozialräume müssten aktiv werden – und zwar mit individuellen Lösungen pro Gemeinde, denn jedes Dorf sei anders mit seinem Bedarf.

Versorgung und Betreuung

Daher sei es erforderlich, Nachbarschaftshilfen zu etablieren, denn diese leisten einen wichtigen Beitrag in der Versorgung und Betreuung älterer Menschen vor Ort. „Aber auch die Unterstützung von Familien und Kindern kann im Angebot des neuen Vereins für Nachbarschaftshilfe nach und nach mit angeboten werden“, sagt Susanne Bucher.

Für die ehrenamtlichen Helfer sei es eine sinnvolle Aufgabe und Nachbarschaftshilfe „tut all das, was ein Nachbar tun würde“. Susanne Bucher berichtet aus den Veranstaltungen, dass oft gesagt worden sei „ich helfe gern“, aber auch „ich brauche dringend Hilfe“.

Viele wollen sich einbringen

Die Besucher waren aus allen Altersschichten, und viele seien dabei gewesen, die am Beginn ihres Rentnerdaseins stehen und sich noch fit genug fühlen und eine sinnvolle Aufgabe für die Gemeinschaft leisten möchten.

Mittlerweile habe man eine Liste von 80 Personen aus der Gesamtstadt, die sich schon verbindlich zur aktiven Mitarbeit eingetragen haben. Zur Freude von Susanne Bucher ist dabei der männliche Anteil fast 50 Prozent. „Das widerspricht erfreulicherweise dem Klischee, dass nur Frauen sich um soziale Arbeit kümmern würden“, sagt Susanne Bucher.

Manche Interessenten können sich eher Mitarbeit im Hintergrund vorstellen, sei es Telefondienst, Buchhaltung oder andere Verwaltungstätigkeiten, doch auch viele andere möchten direkt vor Ort praktische Hilfe für Menschen leisten.

„Wir haben schon jetzt einen großen Pool von Personen mit unterschiedlichen fachlichen Erfahrungen, die man dann je nach Bedarf einsetzen kann“, berichtet Haas.

Man würde zum Beispiel Fachleute für die Abrechnungen mit den Krankenkassen oder anderen Versorgungsträgern benötigen. Das nächste Ziel sei nun, einen Verein zu gründen, der gemeinnützig registriert und organisiert arbeite. Die Stadt werde sicherlich im Vorstand personell vertreten sein, doch der Verein soll sich in naher Zukunft selbst tragen können.

Großer Zuspruch

Aufgrund des großen Zuspruchs zum Projekt habe man schon zwei Fortbildungsreihen zum Thema Begleitung im Alltag von der AOK und der katholischen Landfrauenbewegung gebucht. Beide Reihen umfassen je 16 Abende für jeweils 25 Teilnehmer. Die erste Gruppe beginnt schon am 16. Oktober, die zweite startet am 13. Januar. Für eine geplante dritte Gruppe gebe es schon eine Warteliste, berichtet Susanne Bucher.

Die Stadt Hüfingen sei schon aktiv im Netzwerk Bürgerschaftliche Nachbarschaftshilfen im Schwarzwald-Baar-Kreis beteiligt, und man werde auch den neuen Verein dort als Mitglied verankern. „Denn gerade im Netzwerk können wir in der Gründungs- und Anfangsphase viel von anderen Vereinen und deren Erfahrungen lernen“, sagt Bürgermeister Haas. So habe man sich im Vorfeld mit bereits bestehenden Vereinen wie in Aasen-Heidenhofen oder auch mit Lauchringen, das einen ähnlichen Sozialraum habe wie Hüfingen, intensiv ausgetauscht.

Finanzielle Vorteile

Das Netzwerk biete auch finanzielle Vorteile, zum Beispiel könne man sich am digitalen Abrechnungssystem mit geringen Mittel beteiligen. Ein eigenes anzuschaffen, wäre ungleich teurer. Insgesamt sehen sowohl Haas und Susanne Bucher eine gute Zukunft für die Etablierung der Nachbarschaftshilfe in Hüfingen und den Ortsteilen, das sei das Fazit ihrer bisherigen Aktivitäten.

Weg zur Gründung

Auftaktveranstaltung
Am Dienstag, 30. September, 15 Uhr, wird in der Rathausgalerie in Hüfingen zu einer Auftaktveranstaltung einladen, bei der das Konzept und die Rahmenbedingungen für den Verein gemeinsam erarbeitet und verabschiedet werden sollen. Im Ergebnis soll dann die Gründung eines Nachbarschaftsvereins in Hüfingen und den Ortsteilen stehen.