Eine Szene aus dem Film "Dear Future Children": Aktivistin Hilda kämpft in Uganda für die Zukunft unserer Umwelt. Foto: Nightrunner Productions

Künstlerische Talente, die im Stillen agieren und keine öffentliche Plattform haben, gibt es viele – auch in Furtwangen. Der Verein Fuwa Creative möchte das ändern – nun feiern Mitglieder erste Erfolge.

Furtwangen - Kreativen Menschen eine Plattform zum Austausch und zur Vernetzung geben und Reichweite generieren – das ist die Intention des Vereins Fuwa Creative. "In Furtwangen gibt es ja nicht so viele Möglichkeiten dazu – das möchten wir ein bisschen ankurbeln", erklärt Richard Walther, Gründer und Vorsitzender des Vereins.

Doch wie kommt man dazu, als junger Mensch in Furtwangen einen Kunstverein zu gründen? Die Wurzeln des Vereins finden sich an der Hochschule der Stadt. Bei Walther, der 18 Jahre in den USA gelebt hat, und schließlich in Furtwangen ein Studium der Online-Medien begann, reifte die Idee dazu nach einem Praxissemester in Ingolstadt – dort kam er mit dem Wirken einer kleinen Kunstgruppe in Kontakt.

"Das fand ich richtig bezaubernd", schwärmt er – und brachte die Idee mit nach Furtwangen. Sogleich wandte er sich an Kommilitonen aus höheren Semestern. "Die fanden es auch schade, dass es dort keine derartige Gruppe gab", berichtet Walther. Und so gründete er vor zwei Jahren kurzerhand seine eigene.

Viele versteckte Talente in der Stadt

"Es hat mich extrem gestört, dass die kreative Arbeit nicht bekannt ist im Ort", erläutert Walther. "Es gibt viele versteckte Talente – privat und an der Hochschule – und es ist schade, dass das nur wenig an die Öffentlichkeit gelangt."

Erstmals gemeinsam aktiv wurde diese dann im ersten Corona-Semester – denn damals wurde die sogenannte Media Night, eine Veranstaltung der Hochschule, zehn Tage vor dem Termin abgesagt. "Furtwangen ist klein und man hat sonst kaum Kontakt zu anderen – da fand ich es traurig, zu sehen, dass nicht mal das stattfand", erzählt Walther. Und so organisierte die Truppe kurzerhand ein Online-Event, ähnlich einem "Filmfestival-Abend", wie Walther es nennt, mit Youtube-Stream. "Da haben wir Tag und Nacht dran gearbeitet", erzählt er stolz, "und es kam richtig gut an."

Ein weiteres Projekt war bisher das Magazin FAM, das die Kreativen einmal im Jahr veröffentlichen. Auch einen Kunstautomaten in der Stadt, der kleinere Bücher, Postkarten und Sticker zu verschiedenen Projekten präsentiert, hat der Verein initiiert. Ausstellen könnten nicht nur Mitglieder, sondern alle Menschen aus der Region, betont Walther. Unterstützt wurden er und sein Verein dabei von der Stadtverwaltung.

Sprühwand bei der Skaterrampe

Bisher im Sande verlief der Plan, eine offene Sprühwand bei der Skaterrampe beim Gucklochkino zu organisieren – "damit sich die Menschen kreativ austoben können", erläutert Walther, der hofft, dass das Vorhaben in naher Zukunft doch noch umsetzbar ist.

Weitere Mitglieder sind jederzeit willkommen. "Wir merken, dass wir noch nicht genug Leute haben, um unsere Träume zu verwirklichen", bekennt Walther. Egal, ob Kreative oder Kunstschaffende – "wer eine Idee hat, soll gerne zu uns kommen, wir wollen den Zugang zu ›likeminded people‹ vereinfachen", betont Walther, dem man seine Zeit in den USA noch anhören kann.

Arbeit trägt Früchte

Und die Arbeit trägt schon Früchte: Denn aktuell feiern zwei Vereinsmitglieder mit dem Dokumentarfilm "Dear Future Children" große Erfolge. Dominik Wieck, der in Furtwangen Online-Medien studiert, und Sandra Beuck, die an der Hochschule als Lehrkraft im Fachbereich Medien agiert, haben ihn für die Produktionsfirma Übergrafisch mit Sitz in Schwenningen co-produziert.

Das Werk beleuchtet das Leben von drei Aktivistinnen – Hilda, die in Uganda für die Zukunft der Umwelt kämpft sowie Rayen und Pepper, die in Santiago de Chile und Hongkong für mehr soziale Gerechtigkeit und Demokratie auf die Straßen gehen.

Mittlerweile hat der Film einige Preise abgeräumt: Publikumspreise beim Max-Ophüls-Filmfestival, beim Internationalen Filmfestival und Forum für Menschenrechte (FIFDH) in Genf oder beim HotDocs International Documentary Film Festival in Toronto. Momentan ist er zudem für den Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert. "Dadurch, dass wir das HotDocs Festival gewonnen haben, waren wir auch für den Oscar qualifiziert", freut sich der Vereinsvorsitzende.

Filmfestival geplant

Um den Erfolg gebührend zu feiern, plant der Verein nun ein Filmfestival, auf dem verschiedene Werke gezeigt werden – das Herzstück soll an diesem Abend jedoch "Dear Future Children" sein. Auch Fridays For Future-Aktivisten aus der Region soll dann eine Plattform gegeben werden – "um die Leute zu motivieren", wie Walther erklärt.

Info: Das Impact-Filmfestival findet am Mittwoch, 29. Juni, um 17 Uhr in der Festhalle in Furtwangen statt. Karten gibt es für zehn Euro online unter www-fuwa-creative.de oder an der Abendkasse.