Öffnen das Scheunentor für die große Ausstellung im Harget 7: David Eigenheer und Jeannine Zollinger vor dem Anwesen in Dossenbach. Foto: Jürgen Scharf

Ein Bauernhaus in Schwörstadt-Dossenbach wird zum Schauplatz eines besonderen Kultur-Events. Der neue Verein „Harget 7“ veranstaltet hier vom 9. bis 17. Mai eine Kulturwoche.

Die selbstgepflanzte Linde vor dem Bauernhaus im Harget 7 fällt gleich ins Auge. Ein Huhn und ein prächtiger Hahn stolzieren am Besucher vorbei, die Hauskatze stromert neugierig herum. Und dann kommt schon Hausherr David Eigenheer.

 

Der Schweizer ist Besitzer dieses Gehöfts von 1856. Einer der Eingänge zur riesigen Scheune mit ehemaliger Heubühne steht offen und gibt den Blick frei auf die ersten Bilder und Objekte, die für die geplante Ausstellung zusammengetragen wurden.

Verein ist ein Jahr alt

Eigenheer setzt sich für den Erhalt und die Restaurierung historischer Bauernhöfe im Dreiländereck ein. Er bietet auch eine Plattform für junge Menschen, die sich in sozial schwierigen Situationen befinden und gibt ihnen die Möglichkeit, auf dem Land zu wohnen und ihre Fähigkeiten einzusetzen.

Zusammen mit zwei weiteren Schweizer Gründungsmitgliedern hat er im vergangenen Jahr den Verein „Harget 7“ gegründet, der sich nach der Adresse des Hofs nennt und nun zusammen mit Helfern diese erste Kulturwoche auf die Beine stellt.

Scheune toppt jede Halle

Unterstützt wird das Projekt von der Malerin Jeannine Zollinger, die in Schopfheim-Fahrnau lebt, dort ihr Atelier „Wallstreet“ hat und in Dossenbach mit ausstellt.

Stück für Stück verwandelt sich die alte Scheune in eine Galerie auf Zeit. Seit Wochen ist man dabei, diese sauberzumachen und herzurichten, die Balken zu reinigen, den Boden zu verstärken und Treppengeländer anzubringen.

David Eigenheer ist selbst kräftig dabei, die riesige Scheunengalerie für die Kulturwoche zu rüsten und für entsprechende Beleuchtung zu sorgen.

Ganz unterschiedliche Kunstformen

In diesem bäuerlichen Anwesen, das von der Größe und Fläche her jede Halle toppt, soll aber nicht nur bildende Kunst ein Podium finden, sondern auch andere Kunstformen wie Puppentheater, Tanz und Lesung.

Für die Besucher werden Bänke aufgebaut, die zum urigen Charme des Bauernhofs passen. Im überdachten Übergang vom Wohnhaus zur Scheune wird ein Café mit alten Tischen und Stühlen eingerichtet, wo die Besucher bei einem Brunch oder bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und sich unterhalten können.

Mehr als 20 Künstler aus dem Dreiland

Die Kulturwoche soll Gelegenheit bieten, den Verein und den Hof kennenzulernen. Zollinger hat Eigenheer bei einer Vernissage in Hausen kennengelernt und fand seine Idee dieser Kulturwoche toll.

Für die Ausstellung hat man mehr als 20 Kunstschaffende aus Südbaden, der Schweiz und Frankreich zusammengebracht, die ein breites Spektrum an Malerei, Fotografie, Objekten und Skulpturen zeigen.

„Es hat sich rasant schnell gefüllt, aber wir haben ja genügend Platz“, erzählt Jeannine Zollinger, die dreidimensionale Bilder mit eingearbeiteten Elementen macht, Werke aus Keramik modelliert und mit Eisen und Holz arbeitet.

Kunst in allen Facetten

Auch Hofbesitzer David Eigenheer beteiligt sich mit einigen figurativen Holzskulpturen. Ebenso sind Werke seiner Tochter Julia sowie seines verstorbenen Vaters Sämy Eigenheer zu sehen.

Mit dabei sind auch der Bildhauer Peter Fritz aus Hausen mit Skulpturen, Gerold Wilken aus Schopfheim mit Computerbildern, Cindy Kehr, die in Dossenbach in Nachbarschaft zum Bauernhaus wohnt, mit Malerei, und Lutz P. Kayser aus Zell im Wiesental mit Fotografie.

Scheune als Dach für großes Gesamtkunstwerk

Zahlreiche Kunstschaffende aus der Schweiz, darunter das „Puppe und Suppe Kollektiv“, bereichern die breitgefächerte Auswahl. Schon beim Vorabbesuch machen Bilder mit Rinderköpfen, beleuchtete Fotoarbeiten mit Baumrinden oder Wolkenbilder neugierig darauf, wie die fertige Schau aussehen wird. „Ich sehe das als Gesamtkunstwerk“, sagt David Eigenheer zu dieser besonderen Kunst in der Scheune.

Tatsächlich wird neben der Ausstellung noch einiges anderes aufgeboten. So führt Mari Bo aus Frankreich am Eröffnungssamstag ab 19 Uhr Butoh-Tanz auf. An Christi Himmelfahrt wird ab 14 Uhr zu einer Dorfführung eingeladen.

Geschichtsrundgang durch Dossenbach

Interessierte werden dabei auf einen geschichtlichen Rundgang durch den Ort mitgenommen und erfahren etwas über die Freiheitskämpfer während der Badischen Revolution und das Gefecht bei Dossenbach im April 1848. Das Puppentheater am 15. Mai, 18 Uhr, wendet sich nicht nur an Kinder, sondern auch an Erwachsene. Auch Literarisches findet Eingang: Martin Streckeisen, ein pensionierter Deutschlehrer, liest am 16. Mai, 14 Uhr, eigene lustige Kurzgeschichten. Bei einer weiteren abschließenden Literaturveranstaltung am 17. Mai sollen Texte eines Zürcher Autors vorgetragen werden.

Fortsetzungen angedacht

David Eigenheer und Jeannine Zollinger freuen sich auf regen Besuch. Sie können sich gut vorstellen, dass diese Kulturwoche nicht die erste und letzte war, sondern es weitere im Harget 7 geben wird.

Termine: Vernissage 9. Mai, 16 Uhr. Ausstellung geöffnet am 10., 14., 16. Mai von 10 bis 17 Uhr, 15. Mai von 16 bis 20 Uhr, 17. Mai von 10 bis 16 Uhr.