Die stellvertretende Vorsitzende Lucia Bausch (links) und die Vorsitzende Angelika Sitte stellten ihre Ämter im Verein "Arten- und Landschaftsschutz Länge Ettenberg" zur Verfügung. Da sich kein Nachfolger fand, wurde er aufgelöst. (Archivfoto) Foto: Baltzer

Um die geplanten Windparks auf der Länge bei Fürstenberg und auf dem benachbarten Ettenberg bei Riedöschingen zu verhindern, gründeten Bürger aus mehreren Ortschaften im Raum Hüfingen und Geisingen zunächst eine Bürgerinitiative.

Blumberg - Im Juni 2018 formierte sich die Bürger­initiative im Riedöschinger Längehaus zu einem Verein. Zwar hatte das für die Länge federführende Unternehmen Solarcomplex seine geplanten Standorte bereits im Februar 2018 roden lassen. Doch die Windpark-Gegner gaben nicht auf. Das Thema sei noch lange nicht erledigt, lautete der Tenor bei der Gründungsversammlung. Ziel des neuen Vereins war es, die elf geplanten Windkraftanlagen zu verhindern und die Landschaft und den damit verbundenen Wildkorridor zu erhalten.

Deshalb wählten die Mitglieder den Vereinsnamen "Arten- und Landschaftsschutz Länge Ettenberg" (ALLE). Mit dem Verein wollte man den Kampf gegen die elf Windkraftanlagen intensivieren. Der Verein ist jetzt Geschichte. Bei seiner Mitgliederversammlung nach Corona-bedingter zweijähriger Pause wurde nun einstimmig beschlossen, den Verein aufzulösen, teilt die Vorsitzende Angelika Sitte mit.

Bei den Vorstands-Neuwahlen gaben die Vorsitzende Angelika Sitte und die zweite Vorsitzende Lucia Bausch bekannt, dass sie nicht mehr zur Verfügung stünden. Da sich keine Nachfolger fanden, war eine Auflösung des Vereins unumgänglich. Die Mitgliederversammlung beschloss, die Struktur als eigener ­Verein aufzuheben und in möglichst großer Zahl der Regiogruppe Hegau-Baar des Vereins Naturschutzinitiative beizutreten. Der Erhalt der Länge und des Ettenbergs soll in dieser Initiative weiterhin im Fokus stehen.

Verbandsklage gegen die beiden Parks

Die Naturschutzinitiative ist ein bundesweit tätiger Umweltverband und hatte dadurch auch die Möglichkeit zu einer Verbandsklage gegen die beiden Windparks. Das Verwaltungsgericht Freiburg und der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg als letzte Instanz im Dezember 2019 gaben der Klage statt: Die Gerichte sahen bei den Genehmigungen ein Bundesgesetz verletzt.

Zweck des Vereins ALLE war "die Förderung des Naturschutzes im Sinne der Naturschutzgesetze und des Umweltschutzes", wie der Verein formulierte. Insbesondere wollte er "die herausragende Natur- und Kulturlandschaft der Länge und des Ettenbergs in ihrer Eigenart und Schönheit" erhalten, den Artenschutz von Flora und Fauna fördern, die Bedeutung des Vogelschutzes im dort verlaufenden Flugkorridor aufzeigen und bewahren sowie den Erholungswert der Landschaft schützen. Dafür wollten die Mitglieder Spenden sammeln für eine Klage gegen die Betriebsgenehmigungen des Landkreises für die elf Windräder.

230 Meter hoch

Zur Gründungsvorsitzenden wurde seinerzeit Angelika Sitte aus Hondingen gewählt, zweite Vorsitzende wurde Luzia Bausch aus ­Hondingen, Schriftführerin wurde Ulrike Fischer aus Fürstenberg und Kassierer Christian Straub aus Ried­öschingen. Im Vorstandsteam waren alle vier Anrainer-Kommunen rund um die Länge vertreten.

Die Firma Solarcomplex aus Singen will auf der Länge sechs Windräder errichten, jedes soll 230 Meter hoch sein. Und auf dem benachbarten Ettenberg will die Firma Green City Energy aus ­München fünf Windkraft­anlagen aufstellen. Gegen diese Vorhaben richtete sich der nun aufgelöste Verein "Arten- und Landschaftsschutz Länge Ettenberg". Die Betreiber­firmen werden weiter mit Widerstand zu rechnen haben, und zwar nicht zuletzt aus ­Reihen der Naturschutzinitiative Hegau-Baar, die die insgesamt elf Windräder der ­beiden Firmen ebenfalls ­verhindern will. Kritiker sehen schädliche Auswirkungen auf die Landschaft und für Wildtiere. (ebr/blu)