Seit drei Jahrzehnten besteht der Verein der Freunde und Förderer der Zinzendorfschulen in diesem Jahr. Drei Beispiele zeigen, wie die Organisation das Leben ihrer Stipendiaten verändert hat – auch über die Schulzeit in Königsfeld hinaus.
Königsfeld - Haroon Metro, Inge König und Helmut Lehmann haben in Königsfeld Abitur gemacht – und sie alle wurden dabei vom Verein der Freunde und Förderer der Zinzendorfschulen unterstützt. Es ist diese Unterstützung, die so viele Weichenstellungen in ihrem späteren Leben überhaupt erst möglich machte.
Genau das ist das Ziel der Freunde und Förderer der Zinzendorfschulen, einem Verein, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Gegründet wurde er im Mai 1992, damals durch den Zusammenschluss der beiden Vereine der Beruflichen Schulen im Erdmuth-Dorotheen-Haus und dem Verein des Zinzendorf-Gymnasiums. Über die vergangenen drei Jahrzehnte seines Wirkens konnte der Verbund eine Vielzahl von Zinzendorfschülern aller Schularten unterstützen – etwa 25 bis 30 Jugendliche sind es jedes Jahr.
Wie das funktioniert? Das Schulgeld der Stipendiaten wird zu einem Teil oder ganz aus den Mitgliedsbeiträgen des Vereins bezahlt. Zu den Mitgliedern der Freunde und Förderer der Zinzendorfschulen zählen rund 300 ehemalige Schüler, aber auch Lehrkräfte und Eltern, deren Kinder die Schule besucht haben.
Haroon Metro bekommt "einmalige Chance"
Einer, der von der Unterstützung der Freunde und Förderer der Zinzendorfschulen profitiert hat, ist Haroon Metro, der 2021 sein Abitur am Zinzendorf-Gymnasium in Königsfeld gemacht. Heute befindet der 21-Jährige sich mitten in seiner Ausbildung zum Pflegefachmann, die er in Hannover absolviert.
"Meine Familie und ich kamen 2016 nach Deutschland und sind in Königsfeld untergekommen. Nach unserer Flucht vor dem Genozid an den Jesiden 2014 im Irak waren meine Geschwister und ich, bis wir in Deutschland waren, nicht in der Schule", erinnert sich Metro. "Endlich wieder zur Schule gehen zu dürfen" – für Metro war es nach seiner Ankunft in Deutschland ein Glanzlicht. Doch das Vergnügen war von vergleichsweise kurzer Dauer: "Nach einem Monat in der Sprachschule wurde mir gesagt, ich darf nicht mehr kommen, da ich nicht mehr schulpflichtig bin."
Durch die Unterstützung der Freunde und Förderer der Zinzendorfschulen bekam Metro eine "einmalige Chance": Er konnte an den Zinzendorfschulen sein Abitur machen. "Außerdem wurden nach mir auch meine Geschwister mit einem Stipendium gefördert. Für diese Möglichkeit werden meine Geschwister und ich ewig dankbar sein."
Ehemalige Stipendiatin – heute im Vorstand
Deshalb hilft Metro dem Verein heute nach eigener Aussage gerne. Auch Inge König ist den Freunden und Förderern der Zinzendorfschulen noch immer verbunden. Einst profitierte sie als Stipendiatin von der Unterstützung des Vereins – heute engagiert sie sich im Vorstand. "Mein Name ist Inge König. Ich habe 1981 am Zinzendorf-Gymnasium Abitur gemacht. Dieser schulische Abschluss war für mich und meine Familie nicht selbstverständlich", erinnert sie sich. Als einzige ihrer Geschwister konnte König den direkten Weg zu einem höheren Bildungsabschluss einschlagen.
"Zu verdanken habe ich das den Freunden und Förderern der Zinzendorfschulen. Durch das Stipendium wurde die finanzielle Belastung meiner Eltern reduziert. Die Unterstützung bedeutete für mich und meine Eltern aber noch mehr: Sie zeigte, es glaubt jemand daran, dass auch Kinder aus – heute würde man sagen – bildungsfernen Familien das Abitur machen können."
Unterstützung ermöglicht fünf Geschwistern das Abitur
Helmut Lehmann hat sein Abitur am Zinzendorf-Gymnasium im Jahr 1977 gemacht. "Ich komme aus einem Nachbarort von Königsfeld und bin der Älteste von fünf Geschwistern", schildert er. "Mein Grundschullehrer hat meine Eltern damals mit Nachdruck ›bearbeitet‹, damit sie mich aufs Gymnasium geschickt haben."
Die Eltern schickten ihren Sohn aufs Gymnasium. Sie wählten statt der staatlichen Schule in Villingen das Zinzendorf-Gymnasium – und zwar nicht nur für Lehmann, sondern auch für seine vier jüngeren Geschwister, die ihm auf die Königsfelder Schule folgten. "Obwohl es seitens der Schulleitung beträchtlichen Geschwisterrabatt beim Schulgeld gab, wäre das ohne die Unterstützung durch den Förderverein unmöglich gewesen." So aber konnten die Geschwister allesamt nach dem Abitur studieren und ihren beruflichen Weg gehen.
Sie alle verbindet eine große Dankbarkeit
"Später habe ich dann versucht, den Freunden und Förderern einen Teil dessen, was er mir hat zukommen lassen, wieder zurückzugeben: finanziell durch meinen Vereinsbeitrag und ideell durch meine langjährige Mitwirkung im Vereinsvorstand. Auch wenn ich mich inzwischen aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen habe – die Dankbarkeit bleibt", berichtet Lehmann. Es ist dieses Gefühl der Dankbarkeit, dass Metro, König und Lehmann – sowie weitere Stipendiaten – verbindet.
Info: Der Verein
Die Freunde und Förderer der Zinzendorfschulen bieten nicht nur mit Stipendien an. Sie finanzieren auch moderne Infrastruktur und geben Zuschüsse für Schulveranstaltungen. Er fördert auch die Arbeit der Schulpsychologin und beteiligt sich an Kosten für Konzerte oder Auftritte der Schülerschaft. Derzeit setzt sich der Vorstand neben dem Vorsitzenden Christian Weßler aus Andreas Niemetz, Carin Schulz, Ursula Richter und Inge König zusammen. Neben den Mitgliedsbeiträgen kann der Verein auf finanzielle Unterstützung der Amos-Comenius-Stiftung sowie eines Erbes zugunsten der Beruflichen Schulen bauen. Vielen ist der Verein auch als Veranstalter des jährlichen Altschülertreffens bekannt.