„Beim Laufen kommt man viel besser zusammen“, erklärt der Vorsitzende die Faszination für den Schwarzwaldverein. Foto: Verein

Wer „Wandern“ sagt, denkt hier in der Region automatisch an die Schwarzwaldvereine. Doch sie bieten mehr als das – und das seit vielen Jahren. Die Hausacher Ortsgruppe feiert nun ihr 125-jähriges Bestehen und hat für die Zukunft jede Menge Ideen.

Der Verein selbst wird zwar bereits 125 Jahre alt, sein Vorsitzender ist aber noch recht neu: Paul Faist ist erst seit etwas mehr als einem Jahr im Amt und erst seit zwei Jahren Mitglied im Hausacher Schwarzwaldverein. „Ich bin auf dem Weihnachtsmarkt in Hausach angesprochen worden, ob ich bereit wäre, den Vorstand zu unterstützen. Nach vier Monaten habe ich den Vorsitze übernommen“, erinnert sich Faist. Ganz unbekannt war ihm die Arbeit in einem Schwarzwaldverein nicht, schließlich war er vorher Mitglied im Schapbacher Ortsverein. Er weiß, was die Faszination Schwarzwaldverein ausmacht: „Im Laufen, in der Bewegung kommt man viel besser zusammen. Und gleichzeitig lernt man die schöne Landschaft kennen“, fasst er zusammen. „Man kann stundenlang unterwegs sein ohne zu reden, aber man kann sich auch unterhalten.“

 

Diese Faszination teilen derzeit 250 Mitglieder, von denen 40 zu den Aktiven zählen, die die ehrenamtlich in verschiedensten Aufgabenbereichen tätig sind. Dabei hat der Schwarzwaldverein 1899 mit 27 Mitgliedern noch klein angefangen. Die Geschichte des Vereins begann allerdings noch ein paar Jahre früher, und zwar 1889, als in der Region überall Verschönerungsvereine aus einer wirtschaftlich Motivation ins Leben gerufen wurden – auch in Hausach. Aus diesem ging zunächst der Badische Schwarzwaldverein hervor. Treibende Kraft war dabei der ,,Uhle-Schriner“, als Möbelspezialist und Meister seines Faches, weit über Hausachs Grenzen bekannt.

Er war es auch, der am 15. Juni 1899 eine „Sectio“, eine Abspaltung beantragte. Der Schwarzwaldverein Hausach mit damals 27 Mitgliedern wurde gegründet. Das ist mit einer Urkunde von 1901 belegt. Bis 1974 leiteten acht Vorsitzende die Geschicke des Vereins.

Als 1976 das 75-jährige Jubiläum gefeiert wurde, hatte nach dem Tod von Karl Schmid im Jahr 1974 gerade Willy Brucker das Amt übernommen . Zum Gedenken an die führenden Männer des Vereins wurd ein Jubiläumsjahr am Dorschenberg über dem Herrenwald die ,,Vorstandshütte“ eingeweiht.

Hütte muss wegen des Tunnels verlegt werden

1977 wurde Erhard Reinisch Vorsitzender, 1995 musste die Hütte dem Tunnel weichen, wurde aber 30 Meter höher wieder aufgebaut. Reinisch wollte mehr Mitglieder für den Schwarzwaldverein gewinnen und erweiterte das Jahresprogramm, das sich bis dahin auf Wanderungen konzentrierte, um die Themen Naturschutz, Heimatkunde und -Geschichte, sowie die Pflege und Erhaltung von Brauchtum und Mundart. Außerdem wollte er nicht nur mehr, sonder n auch jüngere Mitglieder akquirieren.

1999 übernahm Klaus Lehmann den Vereinsvorsitz und hatte auf seiner Agenda vor allem die Heimatpflege – kein Wunder, schließlich war er außerdem im Historischen Verein Hausach tätig und als „Türmer von Burg Husen“ bekannt. Im Jahre 2000 feierte der Schwarzwaldvereins das 100. Jubiläum der Eröffnung des Westweges Pforzheim - Basel an. Das wurde am 8. Juli 2000 nicht nur groß, sondern riesig gefeiert. Zahlreiche Wanderer aus vielen Ortsgruppen meisterten die Königs-Etappe von der Alexanderschanze nach Hausach. Das nächste große Highlight in der Vereinsgeschichte fand 2022 statt: Am 28. Februar erhielt der Hausacher Schwarzwaldverein die Eichendorf-Plakette. Diese Plakette ist die höchste Auszeichnung, die der Bundespräsident für Wandervereine in Deutschland vergibt.

Doch das soll noch lange nicht der Schlusspunkt gewesen sein, wie Faist im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. „Es ist jetzt 125 Jahre gut gelaufen, aber auch wenn es gut läuft, muss man daran denken, dass die Älteren nicht mehr so mitlaufen können“, sagt er. Faist denkt dabei an Touren mit verschiedenen „Levels“. Die Aktivitäten sollen so ausbaut werden, dass alle entsprechend ihren Möglichkeiten angesprochen werden.

Auch das Thema Radfahren soll mehr in den Fokus rücken, indem der Verein E-Bike-Touren veranstaltet. „Dabei ist es uns ganz wichtig, keine Konkurrenz zum Hausacher Skiclub mit seinen Mountainbike-Fahrten zu bilden, sondern ein Angebot für sogenannte ,Genussradler’ zu erstellen“, betont Faist.

Insgesamt soll das Ziel sein, den Verein zu verjüngen und Generationen zusammen zu bringen, so Faist. „Momentan sind im jetzigen Schwarzwaldverein die rüstigen Rentner und die sind auch wichtig. Aber wir müssen uns auch neu aufziehen“, sagt er.

Wander ist bei den jungen Leuten „in“

Der Ansatz: „Wandern ist bei den Jungen in“, schildert Faist seine Beobachtung. „Dabei wollen sie mit anderen jungen Menschen zusammenkommen und Familien mit Familien.“ Er wünscht sich für den Hausacher Schwarzwaldverein junge Familien, die Interesse haben sich zu engagieren. Um diese anzusprechen, präsentiert der Verein sich mittlerweile auch in den sozialen Medien.

Die Strategie das trägt anscheinend erste Früchte, wie der Vorsitzende berichtet: „Gerade erst ist bei uns die Anmeldung einer 24-Jährigen eingegangen“, freut Faist sich. Sie sei frisch zugezogen und habe über die sozialen Medien vom Schwarzwaldverein erfahren. Ein erstes Beispiel, dem hoffentlich viele folgen.

Das Fest

Der Schwarzwaldverein Hausach feiet sein Jubiläum am Samstag und Sonntag, 28. und 29. September, in der Stadthalle. Am Samstag findet ab 18.30 Uhr ein Festabend für Mitglieder und geladene Gäste. Am  Sonntag, 29. September, gibt es Festprogramm für alle: ab 11.30 Uhr musikalische Unterhaltung durch die Stadtkapelle, ab 12 Uhr Eintreffen der befreundeten Schwarzwaldvereine aus dem Bezirk Kinzigtal. „Spirits & music“ aus Hornberg unterhält ab 14.30 Uhr. Den ganzen Nachmittag über gibt es ein Kinderprogramm mit Kinderschminken und um 15.30 Uhr kommt ein Zauberer vorbei. Im Foyer der Halle gibt es die Ausstellung „Schwarzwaldverein-Hausach“.