Blumenschmuck im Städtle. Künftig eine Aufgabe für „Haigerloch aktiv“? Foto: Lenski

Wird aus der kleinen Gruppe so etwas wie der Verschönerungsverein, den es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Haigerloch mal gab?

Haigerloch aktiv“ kümmert sich mittlerweile nämlich nicht nur um die Organisation der alle zwei Jahre stattfindenden Tage der Kunst und Kultur (TKK) und den „Haigerlocher Lichterrausch“, sondern hat im vergangenen Jahr erstmals durch Landschaftspflegeaktionen auf sich aufmerksam gemacht.

 

Eine Projektgruppe Wegepflege hat sich gebildet und wächst. Sie kümmerte sich im vergangenen Sommer um das Freischneiden von Gebüsch und das Setzen von Treppenstufen auf dem Zollerblickweg und brachte außerdem die Grillstelle im „Auenloch“ auf Vordermann. Und auch den „Steinbruchweg“ vom Hallenbad in Richtung Weildorf hat die Projektgruppe in diesem April freigeschnitten und von Laub befreit.

Nachdem die Stadt aus Kostengründen dieses Jahr auf das Anbringen von Blumenschmuck an den drei Stadtbrücken verzichtet, gibt es bei „Haigerloch aktiv“ außerdem Gedankenspiele, ob man nicht auch in diesem Bereich tätig werden könnte. Der Vereinsvorsitzende Martin Sprissler könnte sich vorstellen, Sponsoren für den Kauf des Blumenschmucks zu gewinnen und Rentner aus der Stadt für das regelmäßige Gießen der Blumenkästen zu aktivieren.

Kunst und Kultur kam nicht zu kurz

Aber natürlich kam 2024 bei allem Einsatz für die Natur auch die Kunst und Kultur nicht zu kurz, wie aus dem Bericht von Schriftführerin Vera Kübler in der Hauptversammlung am Montag in der „Krone“ hervorging.

Im Frühjahr gab es eine Aktion „Schulkunst trifft Kunstschule“ mit der Lehrerin Judith Lenz und den beiden Kunstschul-Machern Klaus Drescher und Claudia Silvestri in der Nikolauskirche sowie rund 60 Teilnehmern. Auch in das „Sturmlindenfest“ in Gruol mit einer Kunstausstellung am Kommunalwahltag im Saalbau Löwen war „Haigerloch aktiv“ involviert. Drei Mal öffnete die Schüz-Lounge im alten katholischen Pfarrhaus an der Schlosssteige und sorgte für entspanntes Sommer-Feeling.

„Mini-Messen“ zum Thema Genuss

Dieses Jahr soll im Schüz-Museum ein Konzept mit „Mini-Messen“ zum Thema Genuss umgesetzt werden. Den Auftakt machen bei den Tagen der Kunst und Kultur (8. und 9. Juni) am Pfingstsonntag ab 13 und ab 15 Uhr zwei Weinseminare für zwölf bis 18 Personen mit Pablo-Gonzales unter dem Titel „Weinmomente“; ein weiteres („Wie kommen die Perlen in den Schaumwein?“) mit Gonzales ist an diesem Tag zudem ab 11 Uhr in der Nikolauskirche. Das Jahr endete für „Haigerloch aktiv“ mit einem Stand beim Christkindlesmarkt.

Bürgermeister Heiko Lebherz nahm die Entlastung der Vorstandschaft vor, dankte „Haigerloch aktiv“ für ein „engagiertes Jahr“ und lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Verein und städtischem Kultur- und Tourismusbüro.

Für die Zukunft könnte sich Lebherz allerdings vorstellen, dass sich „Haigerloch aktiv“ noch stärker mit dem örtlichen Handels- und Gewerbeverein verzahnt.

Der Verschönerungsverein

Spazierengehen
ist eine Freizeitbeschäftigung, die im 19. Jahrhundert populär wurde, in zahlreichen deutschen Städten entstanden seinerzeit Verschönerungsvereine, die sich für eine dafür geeignete Infrastruktur einsetzten. Der Haigerlocher Verschönerungsverein war 1886 von Musikdirektor August Reiser ins Leben gerufen worden und bewirkte unter anderem die Aufforstung der steilen Felsenhänge im Städtle mit Fliederbüschen, die der Haigerlocher Stadt den weitum bekannten Rufnamen „Fliederstädtle“ einbrachten. Der Verein legte aber auch Spazierwege und den Stadtgarten hinter dem katholischen Pfarrhaus in der Oberstadt (Kaplaneihaus) an und baute im Jahr 1910 den Eyachsteg zwischen dem Eyachwehr in der Nähe des „Hasenheims“ und dem Haagwäldchen. Im Jahr 1913/14 zählte der Verein 78 Mitglieder, darunter 31 aus der jüdischen Gemeinde. Gemeinsam gestaltete Benefizabende trugen zur Finanzierung von Maßnahmen bei.