Mit einer feierlichen Vereidigung haben am Freitag frisch gebackene Lehrkräfte in der Gemeinschaftsschule in Rust ihre Stellen an verschiedenen Ortenauer Schulen angetreten.
„Super schön, dass Sie da sind – wir können Sie gut gebrauchen!“, begrüßte Christian Moser, Leiter der Grund- und Gemeinschaftsschule Rust/Kappel-Grafenhausen, am Freitagmorgen die neuen Lehrer im Kreis. Da spreche er auch für alle seine Ortenauer Kollegen, betonte er.
Insgesamt 115 junge Lehrkräfte fanden sich im Foyer des neuen Anbaus in Rust zusammen. Für sie startete am Montag der Alltag an einer der 142 Schulen in der Zuständigkeit des Schulamts Offenburg.
Die Lehrkräfte werden laut Schulamt entsprechend ihrer Lehrbefähigung – also entsprechend ihrer Fächer – eingesetzt. Im Sekundarbereich gehen die Mehrzahl der Einstellungen an Gemeinschaftsschulen.
Alle Beamtenstellen werden besetzt
Im Schulbezirk seien dabei alle zu besetzenden Beamtenstellen auch vergeben worden. „Offene Stellen, die durch Mutterschutz und Krankheit das ganze Schuljahr über entstehen, besetzen wir mit befristeten Verträgen“, informierte Stephan Koch, Verwaltungsleiter des Schulamts, auf Anfrage unserer Redaktion, im Vorfeld der Veranstaltung.
Rektor Christian Moser nutzte die offizielle Lehrereinstellung am Freitag, ein wenig für den im Herbst eröffneten Anbau seiner Schule und dessen Ausstattung zu schwärmen. Doch es sei schlussendlich nicht die Ausstattung oder die Schulart, die einen Lehrer berufliche Erfüllung schenke, betonte er. „Schüler auf den Weg ein Stück zu begleiten, das ist, was uns Lehrer zufrieden macht“, so Moser. Der Schulleiter sprach aber angesichts Künstlicher Intelligenz und aktueller Verwerfungen in der Welt auch von einer „wahnsinnig turbulenten“ Zeit.
Orientierung in einer sich verändernden Welt
Diese griff auch Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare in seinem Grußwort auf: Klimawandel, gesellschaftliche Veränderungen, Konflikte – „diese Herausforderungen verändern auch den Beruf des Lehrers“. Die neuen Lehrkräfte müssten ihren Schülern „Orientierung geben in einer Welt, die sich immer schneller dreht“.
Als Rathauschef der Europa-Park-Gemeinde Rust bediente sich Klare auch einer Achterbahn-Metapher: Eine Fahrt mit einer solchen Berg-Tal-Bahn mache dann besonders Spaß, wenn man sich darauf einlasse und sich nicht krampfhaft am Sicherheitsbügel festhalte. Das gelte auch im Lehrerleben. „Lassen Sie los und die Höhen und Tiefen werden Ihnen eine unvergessliche Erfahrung bieten“, brachte es Klare auf den Punkt.
Rund 3200 Lehrer im Kreis unterrichten 30 000 Schüler
„Vorfreude und leichte Befürchtungen zu haben, ist ganz natürlich“, erklärte Schulamtsdirektorin Gabriele Weinrich an die neuen Lehrer gewandt. Der Start in den Berufsalltag sei ein Moment des Aufbruchs, der eben auch Unsicherheiten berge.
Weinrich hatte eine Reihe Zitate berühmter Denker – von Sokrates bis Max Frisch – im Gepäck. So unterstrich sie, was sie den jungen Lehrern mit auf den Weg geben wollte. Die Schulamtsleiterin hielt ein Plädoyer für Offenheit und Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft, sich Ziele zu setzen, die richtige Balance zu finden und Herausforderungen mit einer positiven Grundhaltung anzugehen.
Weinrich oblag auch die Vereidigung der neuen Lehrer. „Jetzt wird es ernst: Als Beamte haben Sie viele Privilegien, aber auch Pflichten“, erklärte sie. „Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Landesverfassung und das Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde“, sprachen die jungen Lehrer Eidesformel.
Weinrich hieß die neuen Lehrer im Ortenauer Kollegium – rund 3200 Lehrer unterrichten 30 000 Schüler – willkommen.
Direkt zur Konferenz
Viel Zeit zum Feiern hatten die jungen Lehrkräfte am Freitag freilich nicht. „Die Lehrereinstellung ist leider nur eine Durchgangsveranstaltung“, konstatierte Lehrer Matthias Biegert in seiner Funktion als Kreisvorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW im Gespräch mit unserer Redaktion. Seine jungen Kollegen müssten nach der Vereidigung zu den Eröffnungskonferenzen an ihren jeweiligen Schulen, in denen der Schulstart am Montag vorbereitet werde. Die Lehrereinstellung vorzuziehen, sei womöglich eine Option zu entzerren – „dann müsste man die Kollegen ja aber einen Tag länger bezahlen“, konstatierte Biegert. Denn die neuen Lehrer seien vor sechs Wochen als Referendare entlassen worden.