Mit der feierlichen Vereidigung haben am Freitag junge Lehrkräfte in der Kehler Hebelschule ihre Stellen an verschiedenen Einrichtungen im Kreis angetreten.
„Mit ihrer Vereidigung übernehmen Sie nicht nur ein Amt, sondern auch eine Aufgabe, die über Unterricht und Noten hinausgeht“, betonte Landrat Thorsten Erny am Freitagmorgen bei der feierlichen Lehrereinstellung in der Kehler Hebelschule.
„Sie treten in einen Beruf ein, der prägt: Menschen, Biografien und nicht zuletzt auch unsere Zukunft.“ Die Aufgabe des Lehrers umfasse weit mehr, als jungen Menschen das nötige Wissen für einen Schulabschluss beizubringen.
„Kinder und Jugendlichen gegenseitigen Respekt lehren, sie zu befähigen in einer komplexer werdenden Welt ihren Platz zu finden und selbst auch Verantwortung zu übernehmen“, zählte der Landrat auf. „Dazu gehört, dass Sie selbst Vorbilder sind – Orientierung geben und manchmal schlicht der Mensch sind, der zuhört.“
Lehrer treten Dienst in einer der 142 Schulen im Kreis an
Klassen seien vielfältiger und inhomogener als je zuvor. „Verschiedene Sprachen, Kulturen, Hintergründe – all das begegnet ihnen Tag für Tag. Aber genau darin liegt auch eine große Chance: Die Schule kann der Ort sein, an dem Vielfalt nicht als Problem, sondern auch als Stärke erlebt wird“, so Erny. „Unsere Gesellschaft vertraut Ihnen das wertvollste an, was sie hat: ihre Kinder.“
Insgesamt 90 junge Lehrkräfte fanden sich im kleinen Auditorium der Hebelschule zusammen. Dicht gedrängt, teils mit angespannten, teils mit erwartungsvollen Gesichtern, lauschten die angehenden Lehrer den Redebeiträgen, der Vorstellung des Schulamts, der psychologischen Beratungsstelle und des Personalrats.
Für viele ging es sogar direkt von der Einstellungsfeier zu den Konferenzen, um dort ihre Stundenpläne entgegen zu nehmen. Für die nun vereidigten Lehrer startet am Montag der Alltag an einer der 142 Schulen in der Zuständigkeit des Schulamts Offenburg.
„Pflegen Sie eine Kultur, in der Fehler Lernschritte sind, in der Lob ehrlich und Kritik hilfreich ist“, gab Schulamtsdirektorin den jungen Lehrkräften mit auf den Weg. „Lehren Sie klar, prüfen Sie fair, geben Sie wirksames Feedback. Halten Sie sich fachlich und didaktisch auf dem Laufenden.“
Weinrich riet den neuen Lehrern zudem zu einer klaren, direkten Kommunikation mit Schülern, Eltern und Kollegen. „Achten Sie auf Signale, holen Sie sich frühzeitig Unterstützung, nutzen Sie vorhandene Verfahren und achten Sie auf sich selbst. Wer dauerhaft für andere da sein will, muss ach einen guten Umgang mit der eigenen Kraft finden“, betonte die Schulamtsdirektorin.
„Suchen Sie sich Verbündete – eine erfahrene Kollegin, einen Kollegen im gleichen Fach, die Stufenleitung, die Schulsozialarbeit, Menschen, die sie ansprechen können, wenn sie etwas freut oder belastet.“
Neue Lehrkräfte schwören auf das Grundgesetz
Dann wurde es feierlich: Schulamtsdirektorin Gabriele Weinrich nahm ihren neuen Kollegen den Eid ab: „Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Landesverfassung und das Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde“, sprachen die jungen Lehrer die Eidesformel.
Weinrich hieß die neuen Lehrer anschließlend im Ortenauer Kollegium – rund 3200 Lehrer unterrichten 30 000 Schüler – willkommen.
Das Regierungspräsidium Freiburg hat an den öffentlichen Schulen rund 1700 Lehrkräfte neu eingestellt, das sind rund 230 mehr als im Vorjahr. Davon entfallen 478 Personen auf den Grundschulbereich. 368 Lehrkräfte wurden an den Schulen der Sekundarstufe I eingestellt, 132 an den Gymnasien, 16 Gymnasiallehrkräfte an Gemeinschaftsschulen, 410 an den beruflichen Schulen und 303 an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Insbesondere in ländlichen Regionen gibt es weiterhin zu wenige Bewerber, so dass bislang nicht alle offenen Stellen besetzt werden konnten. Bis Ende Oktober läuft noch das Einstellungsverfahren für 367 zusätzliche Lehrerstellen im Regierungsbezirk Freiburg. Diese hat das Kultusministerium zugewiesen, nachdem im Juli bekannt geworden war, dass in Baden-Württemberg 1440 freie Lehrerstellen fälschlicherweise als besetzt ausgewiesen worden waren. Die 367 zusätzlichen Stellen hat das Regierungspräsidium in den vergangenen Wochen ausgeschrieben. Der größte Anteil entfällt mit rund 162 auf die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungsstellen.